zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

18. Oktober 2017 | 10:09 Uhr

Mit zwölf Jahren floh er aus Sri Lanka

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Traumata: Mediziner liest aus seiner Autobiografie

Der Name klingt ein wenig kompliziert, aber dem Vorsitzenden des Kulturvereins Haseldorfer Marsch Thomas Herion kam er dann doch flüssig über die Lippen. In der gut besuchten Bandreißerkate konnte Herion am vergangenen Wochenende den Deutschen mit tamilischen Wurzeln Dr. Umeswaran Arunagirinathan begrüßen.

Arunagirinathan war von der Künstlerin Barbara Rühl schon vor längerer Zeit nach Haseldorf zu einer Lesung seines Buches „Allein auf der Flucht – wie ein tamilischer Junge nach Deutschland kam“ eingeladen worden. Der 37-jährige Hamburger hatte das Buch bereits 2006 veröffentlicht. Auf Grund der augenblicklichen Flüchtlingssituation hat es indes nicht an Aktualität verloren.

Sensibel, sehr offen und anschaulich beschreibt Arunagirinathan, wie er als Zwölfjähriger auf Grund des Bürgerkriegs zwischen den Singhalesen und Tamilen auf Sri Lanka von seiner Mutter in Colombo einem Schlepper anvertraut wurde. Er floh zuerst nach Singapur, von dort aus weiter nach Togo im Westen Afrikas. Dort musste der Junge sechs Monate verweilen. Dann flüchtete er über Benin nach Nigeria und gelangte von dort aus endlich über Spanien nach Europa und weiter nach Deutschland. Nach angstvollen acht Monaten traf der Jugendliche in Hamburg seinen Onkel. In der Hansestadt konnte er endlich wieder zur Schule gehen und anschließend ein Medizinstudium beginnen.

Arunagirinathan las nicht nur, sondern sprach auch aus eigener Erfahrung über die Traumata der heutigen Flüchtlinge – ganz besonders der der männlichen unbegleiteten Jugendlichen. Ein offener Umgang von beiden Seiten sowie klare Regeln seien besonders wichtig. Das Ziel eines jeden Flüchtlings sollte es sein, „ein Deutscher zu werden und es gerne zu sein, so wie ich einer bin und so wie ich mich auch fühle“, lautete die feste Überzeugung des empathischen Mediziners.

Im Anschluss an die Lesung gab es für die Gäste die Möglichkeit, dem Autor Fragen zur politischen Lage im damaligen Sri Lanka sowie zu seiner daraus resultierenden Flucht zu stellen. Die Veranstaltung war kostenfrei. Allerdings wurden 175 Euro für den „Sri Lanka Verein Hamburg“ gesammelt und an dessen Vorsitzende Inga Bethke-Brenken übergeben.  


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen