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Wedel-Schulauer Tageblatt

16. Dezember 2017 | 01:27 Uhr

Moorrege : Mit Zeitzeugen auf Spurensuche

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Abgangsklasse der Gemeinschaftsschule Moorrege (Gemsmo) forscht über NS-Zeit. Ex-Rektor Joachim Heyland (93) berichtete.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Moorrege | Ständige Lebensgefahr während des Kriegs, anschließend fünf Jahre Dauerhunger und Schwerstarbeit in russischer Gefangenschaft. „Das Schlimmste aber waren die Verräter in eigenen Reihen im Kriegsgefangenenlager.“ Joachim Heyland schilderte seine Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs und die Härten danach ungeschminkt in leisen Tönen. Der 93 Jahre alte ehemalige Rektor war nach Jahrzehnten an seine Wirkungsstätte zurückgekehrt, um den Schülern der Hauptschulabschlussklasse H9c der Gemeinschaftsschule Moorrege (Gemsmo) als Zeitzeuge aus erster Hand über Jahre des Nationalsozialismus und deren Folgen zu berichten.

Eingeladen hatte Klassenlehrerin Insa Tietjen, die fächerübergreifend mit den Teenagern das dunkle Kapitel von Deutschlands Geschichte erarbeitete. Dem Besuch Heylands waren die Lektüre des Romans „Der Junge im gestreiften Pyjama“ des irischen Schriftstellers John Boyne aus dem Jahr 2006 sowie ein Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers (KZ) Neuengamme vorausgegangen

Heyland stammt aus einem Bauerndorf im Riesengebirge. Er hatte gerade das Abitur gemacht, als 1939 der Krieg ausbrach. Weil die Einberufung sicher war, meldete er sich freiwillig – um so wenigstens den Truppenteil auswählen zu können. Er landete bei den Funkern. Obwohl er immer der Jüngste war und deshalb oft mit Himmelfahrtkommandos betraut wurde, kam er mit dem Leben davon. Trotz Einkesselung und schwerer Verwundung. Zweimal wäre er wegen seiner Entscheidungen – die sich im Nachhinein als richtig erwiesen – fast vors Kriegsgericht gestellt worden. Das erfuhr er aber erst zwei Jahrzehnte später.

Fast eine Doppelstunde lang berichtete Heyland präzise und detailliert. Seine Erlebnisse hat er vor Jahren aufgeschrieben – rund 140 Seiten sind zusammengekommen. Die erhoffte Linderung trat nicht ein: „Los geworden bin ich es nicht.“ Auch den ewigen Hunger hat er nicht vergessen. Wer ihn erlebe, könne anfangen zu stehlen, auch Ärzte, Lehrer und Rechtsanwälte. Heyland: „Hunger verdirbt tatsächlich den Charakter.“

Ex-Rektor Joachim Heyland fand in dem von Klaus Sasse herausgegebenen Buch ein Foto seines besten Freundes. Der Band mit dem Titel „Bilder aus russischer Kriegsgefangenschaft – Erinnerungen und Fotos aus Jelabuga und anderen sowjetischen Lagern – 1945 bis 1949“ ist im Verlag Waxmann erschienen und im Buchhandel erhältlich. Text und Bilder beschreiben vor allem auch die Erfahrungen eines Kriegsgefangenen, der wie so viele andere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fünf Jahre in verschiedenen russischen Arbeitslagern gefangen gehalten wurde. Die Aufnahmen wurden heimlich  mit einer winzigen Kamera gemacht und unter Lebensgefahr herausgeschmuggelt. ISBN 978-3-8309-1802-8ast
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