Haseldorf : Mit Theater gegen Kindesmissbrauch

Einfaches Bühnenbild, klare Botschaft: Alina Gregor und Florian Burr klären Kinder spielerisch  auf.
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Einfaches Bühnenbild, klare Botschaft: Alina Gregor und Florian Burr klären Kinder spielerisch auf.

Das pädagogische Projekt will spielerisch für das Thema sensibilisieren. Grundschüler sollen lernen, sich zu wehren.

shz.de von
28. November 2013, 16:00 Uhr

Der Junge steht da und weiß nicht, wie er es sagen soll. Er druckst rum, pult an den Fingernägeln und wartet. Die Mutter telefoniert. Der große Bruder fasse ihn an komischen Stellen an, bricht es schließlich aus ihm heraus. „Er macht ja wohl nichts, was du nicht auch willst“, bügelt ihn die Mutter ab. Der Trainer rät dem Jungen, sich einfach auf etwas anderes zu konzentrieren. Der Vater des besten Freundes vermutet, der Junge sei selbst an allem Schuld. Nur die Lehrerin hört zu, schenkt dem Bedrängten Vertrauen – und nimmt ihn ernst. Sie setzt sich hin und spricht mit ihm: „Ich glaube dir, du machst nichts falsch, du bist nicht der Einzige, dem das geschieht.“

Alina Gregor und Florian Burr von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück brauchen nicht viel, um diese drastische Szene den Kindern der vierten Klasse der Grundschule Haseldorfer Marsch vorzustellen. Ein roter Vorhang, ein Handy am Ohr, ein Ball in der Hand – Andeutungen auch im Spiel genügen, um das Thema Missbrauch zu veranschaulichen.

Dreimal kommen die Schauspieler für das Projekt in die Schule. Um die Kinder für das Thema zu sensibilisieren, um sie stark zu machen. Nach dem ersten Termin, der klärte, was Missbrauch überhaupt ist und dem zweiten über sexuellen Missbrauch in der Öffentlichkeit, ist heute der „knackigste Teil“ dran, wie Gregor erklärt: Missbrauch in der Familie.

Geschickt bauen die Theaterpädagogen immer wieder Erinnerungen ein an das, was schon erarbeitet wurde, und wiederholen die drei Leitsätze, die sich einprägen sollen: Hab ich ein Ja- oder ein Nein-Gefühl? Weiß jemand, wo ich bin? Bekomme ich Hilfe, wenn ich sie brauche? Die Schüler sprechen begeistert mit und wissen auch schon, wann sie sich die drei Fragen stellen sollen: Nämlich dann, wenn jemand etwas von ihnen will. „Wenn ihr nur eine Frage mit nein beantwortet, lasst es erstmal bleiben“, raten die Schauspieler.

Zur Vorbereitung auf das Präventions-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verein Dunkelziffer gab es einen Infoabend für die Eltern und eine Fortbildung für die Lehrer. So gewappnet ist es für Pädagogin Jutta Rietzschel ein leichtes, die vielen Fragen und Anmerkungen zu bearbeiten, die nach der Vorführung im Klassenraum auf sie warten. >

www.dunkelziffer.de

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