Reportage : Mit der Fähre „Dat Ole Land II“ über die Elbe

Die „Dat Ole Land II' in voller Fahrt auf der Elbe.
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Die „Dat Ole Land II" in voller Fahrt auf der Elbe.

Zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen gibt es seit fast 100 Jahren den Fährbetrieb über die Elbe. Seit 2012 ist ein modernes Fährschiff im Einsatz.

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27. Juli 2014, 14:00 Uhr

Wedel | Gewaltige Wolkenberge hängen schwer über der Elbe und tauchen die norddeutsche Tiefebene in ein weißlich-graues Licht. Mit festem Handschlag begrüßt mich Kapitän Rene Kuberski am Schiffsanleger Willkommhöft in Wedel. „Willkommen an Bord der Dat Ole Land II“. Es ist 9.20 Uhr und in zehn Minuten soll die erste Fährfahrt an diesem Sonnabendmorgen über die Elbe von Schulau nach Lühe/Grünendeich gehen.

Der Kapitän und sein Fährmeister Bernd Meyer sind schon seit Stunden auf den Beinen. Bereits am frühen Morgen haben die beiden das Schiff klar gemacht und vorm Start sämtliche Funktionen und Betriebsmittelstände von Schiff und Maschine sorgfältig durchgecheckt.

Mit Getöse legen wir los. Der 450 PS Scania-Dieselmotor legt sich richtig ins Zeug. Doch kaum sind wir im Fahrwasser wird es ruhiger in Kapitän Kuberskis Kommandozentrale. „Die neuen Maschinen sind deutlich leiser als die Vorgänger-Motoren“, erklärt Kuberski die beruhigte Atmosphäre. Er hat den Schiffsbetrieb nun auf Autopilot umgestellt und lehnt sich entspannt in seinem Steuermannsstuhl zurück.

„Wir machen die Fahrt mit achteinhalb Knoten zwischen den beiden Anlegern. Das sind etwa 16 km pro Stunde“ erklärt der 34-Jährige. Damit dauert die Fahrt jedes Mal im Schnitt zwischen 20 und 25 Minuten. „Ich könnte auch schneller. Aber die Fahrgäste sollen ja auch was von der Fahrt haben“, fügt er lächelnd hinzu. „Außerdem ist es wirtschaftlicher so.“

Die „Dat Ole Land II“ wurde 2012 in Dienst gestellt und ist etwa 35 Meter lang und acht Meter breit. Auf ihr finden bis zu 250 Menschen und über 70 Fahrräder Platz. Während der Sommermonate pendelt das Fährschiff montags bis freitags 18 mal zwischen Wedel-Schulau und Lühe/Grünendeich bei Stade. An Wochenenden sind es zwar nur zwölf Touren. Dafür wird die „Hol över“-Möglichkeit aber umso intensiver von Fahrradwanderern und Touristen genutzt, um auf die andere Seite der Elbe zu gelangen.

Fällt auch mal eine Tour aus? „Selten. Bei schlechtem Wetter wie Eis auf der Elbe oder Windstärken ab acht fahren wir nicht“, so Kuberski entschieden. „Da geht mir die Sicherheit der Fahrgäste und des Schiffes vor.“ Heute bläst der Wind mit einer Stärke von vier bis fünf aus Westnordwest. Das ist zwar eine ordentliche Brise, aber noch vollkommen im grünen Bereich.

„Wir haben jetzt gerade Stauwasser“, verrät mir Fährmeister Meyer. „Das ist die Phase zwischen auflaufendem und ablaufendem Wasser. Jetzt läuft das Wasser unten und an den Seiten wieder ab und oben kommt immer noch was nach. Bei dem Wind kann das ordentliche Wellen geben. Neulich waren sie fast zwei Meter hoch. Glaubt man gar nich’, dass die Elbe sowas hergibt.“

Das Anlegemanöver in Lühe ist Millimeterarbeit. Zur Sicherheit überwachen vier Kameras und Außenspiegel alle Seiten des Schiffs. Meyer springt von Bord und legt die dicken Schiffstaue fachmännisch um die Festmacher. Als alle Fahrgäste von Bord sind werden die neuen Passagiere begrüßt. Meyer kassiert auf dem Steg, immer einen kleinen Schnack auf den Lippen. Fünf Euro kostet eine einfache Fahrt über die Elbe, mit dem Fahrrad sieben. Kuberski hilft mit freundlichem Lächeln einer Mutter, ihr Rad samt Kind sicher über die Bodenschwelle der Fähre zu heben.

Wir legen wieder ab und die Rückfahrt beginnt. Ein eindringliches Piepen unterbricht unsere Unterhaltung. Der Kapitän registriert es gelassen. „Das Signal zeigt nur an, dass unser Tagestank befüllt wird“, klärt Kuberski auf. „Wir haben einen großen Haupttank an Bord, aus dem je nach Bedarf Kraftstoff in den Tagestank gepumpt wird. Das hält Ölschlamm und Kondenswasser von den Motoren fern.“ Wir gehen unter Deck und stolz zeigt er mir dort einen seiner zwei Maschinenräume. Auch hier herrscht wie auf dem Rest des Schiffes penible Sauberkeit. „Wenn es hier mal brennt, sorgt die Feuerlöscheinrichtung mit sofort ausströmendem Gas dafür, dass der Sauerstoff verdrängt und das Feuer erstickt wird, ohne dass Menschen mit Feuerlöschern hier rein müssen.“

Der 34-Jährige stammt aus einer alten Seemannsfamilie. „Ich bin Käpt’n in siebter Generation. Meine Vorfahren waren alles Großkapitäne zur See, insofern steckt mir das im Blut.“ Schon als vierjähriger Butscher hat er bei seinem Vater auf dem Schoß am Steuerrad großer Pötte gedreht.

Wieder auf der Brücke, bricht die Sonne plötzlich durch die Wolken und lässt die Elbe in noch intensiverem Graublau erscheinen. Aus der Funksprechanlage sind schnarrende Wortfetzen zu hören. „Brunsbüttel Elbe Traffic“, die Verkehrsüberwachungszentrale der Unterelbe, gibt aktuelle Verkehrsinformationen durch.

„Die Unterelbe ist mit 117 Kilometern die längste radarüberwachte Wasserstraße Europas“, so Kapitän Kuberski. „Wenn man sich an die Anweisungen aus Brunsbüttel hält, kann man hier sehr sicher fahren.“ Allerdings tun das nicht alle. „Gerade auf die Segler muss man gut aufpassen. Die unterschätzen oft die Gefahr durch die Berufsschifffahrt. Den langen Warnton „Achtung“ hört man hier sehr oft.“ Man merkt dem Kapitän an, dass er seine Arbeit liebt. Entspannt und souverän steuert er sein Schiff mit einer Art Joystick, den Radarschirm immer im Blick. „Es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als hier auf der Elbe“, so Kuberski zufrieden. „Seit zwei Jahren sind wieder Schweinswale in der Elbe zu sehen. Ein erhebender Augenblick, wenn ihre glänzenden Rücken aus dem Wasser auftauchen.“

Am Anleger werde ich mit einem „Ahoi“ herzlich verabschiedet. Die nächsten Fahrgäste warten schon. Viele haben ihre Fahrräder dabei. Sie werden die Fahrt genießen.

Neben dem normalen Fährbetrieb bietet die Fährgesellschaft ihr Schiff auch für private Feierlichkeiten wie Geburtstage, Hochzeiten oder Betriebsfeiern an. Nach Absprache können individuelle Fahrten für bis zu 250 Personen über die Reederei gebucht werden. Nähere Konditionen, Kontaktdaten, Abfahrtzeiten im Sommer- und Winter-Fahrplan sowie die Fahrgastpreise sind im Internet zu finden.
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