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Wedel-Schulauer Tageblatt

18. Oktober 2017 | 06:11 Uhr

Mit dem Winter kam das Aus

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ende April ist Schluss beim Tiefbauunternehmen Simon Nagel / Viele Mitarbeiter haben laut Insolvenzverwalter schon neue Jobs

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Die Natur arbeitete gegen die Wedeler Tiefbaufirma Simon Nagel. „Mit dem Wintereinbruch im Januar kam der Todesstoß“, sagte Jan Ockelmann gestern am Tageblatt-Telefon. „Es ist extrem traurig, denn die Beschäftigten haben sehr gut gearbeitet“, so der Insolvenzverwalter. Seit März 2015 wurde permanent geschafft, um die Kosten decken zu können und die Pleite doch noch abzuwenden. Immer in der Hoffnung auf Investoren. Als welche da waren, war es zu spät.

Gut zwei Wochen Zwangspause ohne die Möglichkeit der Wertschöpfung – das konnte das angeschlagene Traditionsunternehmen nicht verkraften. Konsequenz: Ockelmann musste am 26. Januar die Notbremse ziehen und die Masseunzulänglichkeit anzeigen. Bedeutet: Kündigung für alle 33 Angestellten und Abwicklung. Verbindlichkeiten, die davor nicht beglichen wurden, werden nicht gezahlt. Auch die Löhne. Glück in der Misere für die Mitarbeiter laut Ockelmann: Viele haben quasi sofort einen neuen Job gefunden, waren in weniger als einer Woche bei anderen Arbeitgebern untergekommen. Um laufende Aufträge zuende zu bringen, sind zwölf Kräfte noch für Nagel bei voller Bezahlung im Einsatz, bis endgültig Schluss ist. Laut Ockelmann voraussichtlich Ende April. Da noch Rechnungen geschrieben werden und Immobilien sowie ein großer Teil an mobilen Anlagen wie Maschinen veräußert werden, ist der Insolvenzverwalter zuversichtlich, „dass sämtliche Verbindlichkeiten voll beglichen werden können“. Dies gilt wiederum auch für die Januar-Löhne.

Wie konnte es so weit kommen? Das Tiefbauunternehmen mit mehr als 100 Jahre zurückreichender Geschichte habe in den letzten Jahren häufig Angebote gemacht, mit denen nicht gewinnbringend gearbeitet werden konnte, so die Analyse des Insolvenzverwalters. Bei Eröffnung der Insolvenz habe die Zahlungsfähigkeit bei Null gelegen. „Wir mussten versuchen, Liquidität zu generieren.“ Und das bei großen Bauvorhaben, die vor der Insolvenz beauftragt waren und gerade mal kostendeckend kalkuliert gewesen seien – oder nicht einmal das.

Hinzu kam, dass zehn Mitarbeiter die Firma verließen – die gesamte Pflasterer-Kolonne. Diese Leistung musste damit teurer eingekauft werden, so Ockelmann. Dennoch gelang lange das Überleben. Auch neue Aufträge, etwa für die Stadtentwässerung Wedel, wurden an Land gezogen. Große blieben Simon Nagel allerdings verwehrt – der Makel Insolvenz habe die Auftraggeber geschreckt.

Tragisch: Ockelmann hatte zwei Interessenten, die die Firma übernehmen wollten. Mit einem verhandelte er kurz nach der Masseunzulänglichkeitsanzeige. Problem: Da war ein Großteil der verbliebenen Mitarbeiter bereits weg oder auf dem Absprung. „Was kann ich da noch verkaufen?“, so Ockelmann. Immobilien, Maschinen, der Name der Traditionsfirma: Ohne das nötige Personal reiche das für einen Geldgeber nicht aus. Ein zweiter Investor habe im März verhandeln wollen. Leider sei es nicht gelungen, so lange durchzuhalten, so Ockelmann.

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