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Trickbetrug in Wedel : Miese Masche der Cyber-Gauner

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ihre Tatwerkzeuge sind Telefon und PC-Programme: Kriminelle haben versucht, sich Zugriff auf Bankkonten zu verschaffen.

Es ist morgens, kurz vor acht Uhr. Das Telefon einer Wedelerin klingelt, jemand ruft mit unterdrückter Nummer an. Sie hebt den Telefonhörer ab. Eine weibliche Stimme spricht zu ihr, auf Englisch. Die Frau am Telefon gibt sich als technische Fachkraft der Software-Firma Microsoft aus. Mit asiatischem Akzent sagt sie: Auf dem PC der Wedelerin müsse schnellstmöglich ein Programm installiert werden. "Es hieß, es gebe ein Problem mit meinem Computer – das Programm schütze vor einem unwiderruflichen Schaden", sagt die Mitte 50-Jährige. Sie ist skeptisch, hat doch vor wenigen Tagen erst ein Bekannter von ihr einen ähnlichen Anruf bekommen.

Die Frau mit der asiatischen Stimme stellt das Gespräch zu einem Mann durch. "Bei ihm habe ich nicht erkennen können, ob er einen Akzent hatte", sagt sie. Nochmals wird betont, dass ein Programm installiert werden soll. Es handelt sich um einen so genannten Teamviewer. Was viele nicht wissen: Mit solcher Art von "Desktop-Sharing-Software" können andere Menschen von ihrem Computer auf einen anderen zugreifen, ihn bedienen als wäre es der eigene. Das heißt, dass sämtliche private Daten - wie Fotos, Videos, digitale Dokumente so wie E-Mail-Adressen - damit zugänglich werden. Auch das Bankkonto, per Onlinebanking.

Polizei warnt PC-Nutzer vor Internetkriminellen

Die Wedelerin, die angerufen wurde, durchschaute den Betrugsversuch sofort. Anders ihr Bekannter, er fiel auf die Masche rein. Er installierte den Teamviewer - öffnete Tor und Tür für die Kriminellen. Die nutzten die Gelegenheit und plünderten sein Bankkonto per Online-Banking. Es wurde auf sein Bankkonto zugegriffen. "Zum Glück konnte die Bank das regeln und zurückbuchen", sagt die Wedelerin. Der Mann erstattete jetzt Anzeige. Wegen der Vorfälle wandte sich die Frau an diese Zeitung. "Ich hoffe, dass andere dadurch aufmerksamer werden", sagt sie. Gerade für ältere Leute, die sich nicht so gut mit ihrem PC und dessen Betriebssystem auskennen, sei das wichtig.

Recherchen im Internet ergeben, dass es diesen Betrugsversuch schon öfter in der Bundesrepublik gab. In einschlägigen Foren tauschen sich die Betroffenen aus. Die User schreiben von Vorfällen in Rheinland-Pfalz, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Im Forum der Computer-Zeitschrift "Chip" weist ein Nutzer darauf hin: "Da ich meine Adresse und Telefonnummer noch nie irgendwo bei Microsoft angegeben habe, woher sollten die diese Nummer haben?" Auch der Software-Hersteller selbst weiß um das Problem und informiert auf seiner Homepage: "Wenn Sie einen unerwarteten Anruf von jemandem erhalten, der behauptet vom Microsoft Tech Support zu sein, legen Sie auf. Wir tätigen diese Art von Anrufen nicht", heißt es dort.

Seitens der Polizei heißt es, es handele sich derzeit nicht um eine Serie. Sandra Mohr, Polizeipressesprecherin, sagt zu den Vorfällen: "Man sollte stutzig werden, wenn jemand Fremdes einem erzählt, dass der PC kaputt sei." Und fügt hinzu: "Keine Firma komme von alleine auf Betroffene zu." Sie warnt deswegen PC-Nutzer. Skepsis sei in solchen Fällen das Richtige, ebenso wie die Polizei einzuschalten.

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erstellt am 04.Jan.2014 | 16:00 Uhr

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