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Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2017 | 20:26 Uhr

„Messungen bringen Vertrauen“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kraftwerksdreck Im Umweltausschuss stellten Betreiber Vattenfall, das LLUR und die BI ihre Interpretationen der Gutachten vor

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2017 | 16:00 Uhr

In der Einschätzung darüber, ob der Kraftwerksdreck gesundheitsgefährdend ist, stehen sich die beiden streitenden Parteien Betreiber Vattenfall und die Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Megakraftwerk in Wedel“ nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Davon konnten sich Donnerstagabend die Mitglieder des Umweltausschusses ein Bild machen.

Nicht nur vor Politik und Verwaltung, sondern auch vor zahlreichen Zuhörern, die sogar die Empore im Ratssaal nutzten mussten, legten Vattenfall, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) als zuständige Aufsichtsbehörde sowie Christian Tebert vom Institut Ökopol für die BI ihre Standpunkte im Gutachterstreit um die Toxizität der ausgestoßenen Partikel dar. Schwachstelle ihrer Messungen sei die fehlende Quantifizierung, gab Andreas Beyer, Leiter der Kraftwerkssparte bei Vattenfall, in seiner Erläuterung der Messmethode zu. Die fängt die Partikel auf sechs schrägen Expositionsflächen auf. Diese Flächen werden montags bis freitags einmal am Tag abgegangen.

Die Staubbelegung wird jeweils protokolliert und gegebenenfalls fotografiert. Nach subjektiver Einschätzung werden zudem Klümpchen zur Untersuchung mit ins Labor genommen. „Ein Messverfahren, das für diese Problematik nicht ideal ist, weil es keine quantitative Aussage zulässt“, sagte Beyer. Bei Eis, Schnee und Regen entstünden zudem Datenlücken. Der Vorteil sei jedoch, dass das Verfahren relativ schnell qualitative Ergebnisse hergegeben habe.

„Beim Gift kommt es auf die Dosis an“, konterte BI-Gutachter Tebert. Um zu entscheiden, ob Schadstoff-Grenzwerte überschritten würden, sei es unbedingt notwendig, die Messwerte zu einem lokalen Bereich ins Verhältnis zu setzen. Eine Fehleinschätzung in Bezug auf die Konzentration der Schadstoffe meinte LLUR-Mitarbeiterin Elisabeth Edom wiederum im Papier von Gutachter Tebert auszumachen. Die Messdaten stammten aus reinen Partikeln, die nicht mit Boden vermengt seien. Wolle man sie auf Grenzwerte beziehen, müsse die Konzentration mit dem Faktor 200 verringert werden. Die Verdünnung hatte der Ökopol-Gutachter aber bereits an anderer Stelle eingearbeitet, wie er darstellen konnte.

Kritik übte Tebert seinerseits an einer Maßnahme, die Vattenfall zur Minimierung der Staubemission bereits anwendet und noch weiter ausdehnen will: dem Eindüsen von Schwefeldioxid in die Anlage. Das zeitige Erfolge, erklärte Beyer, bringe aber auch wieder Nebenwirkungen mit sich: saure Mikropartikel. Deren Schädlichkeit auf Haut und Glas dürfe nicht verharmlost werden, so Tebert: „Die sauren Aerosole sind ätzend.“

„Messungen bringen Vertrauen“, sagte BI-Sprecherin Kerstin Lueckow, die im Planungsausschuss mit am Tisch saß. Sie sei froh, dass sich alle Beteiligten an einem runden Tisch auf neue Messungen mit der Bergerhoff-Methode verständigt hätten. Die hatte Gutachter Tebert ins Spiel gebracht. Sammelgefäße fangen dabei Schadstoffe in der Luft in der Weise auf, dass man ihre Quantität auf eine Fläche beziehen kann.

Zwölf Monate lang soll an vier Orten engmaschig gemessen werden. Nach Wunsch der BI liegen die Standorte alle im Hellgrund, so Lueckow. Gestern teilte ihr das LLUR mit, wer messen wird: das Prüfinstitut Müller BBM. Anfang April soll es losgehen. Einen Monat bevor der Block zwei in Revision geht, sagt Lueckow zufrieden.

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