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Wedel-Schulauer Tageblatt

23. August 2017 | 08:40 Uhr

Kunstausstellung : Markus Lüpertz in Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Bilder, Skulpturen, Texte: Das Barlach-Museum zeigt die erste Retrospektive in Norddeutschland seit mehr als 30 Jahren.

Jürgen Doppelstein geizt nicht mit Superlativen. Der Vorsitzende der Ernst-Barlach-Gesellschaft ist begeistert. Seine Leidenschaft, sein Enthusiasmus sind ansteckend. Doppelstein und Kollegin Heike Stockhaus haben das Unmögliche möglich gemacht: Markus Lüpertz kommt mit Bildern, Skulpturen und Texten nach Wedel. „Das ist sensationell. Wir sind glücklich, begeistert, euphorisch“, bekennt der Kurator.

Seit vielen Jahren schon bemüht sich das Ernst-Barlach-Museum, das ganz allgemein an den „Klassikern der Gegenwart“ interessiert ist, um den ganz Großen unter den bekannten und berühmten zeitgenössischen Malern. „Lüpertz ist der bedeutendste lebende deutsche Künstler der Gegenwart“, sagt Doppelstein und scheut dieses Mal das Extreme ganz bewusst nicht. Mit 50 Gemälden und 13 Skulpturen aus einer Schaffenszeit von 50 Jahren – das früheste Ausstellungswerk ist aus den 1960ern, die letzten Arbeiten entstanden Ende 2013, zwei Bilder seien so neu und frisch, dass die Farbe noch feucht sei, scherzt der Kurator – zeigt das Ernst-Barlach-Museum eine echte und umfangreiche Retrospektive. Die erste in Norddeutschland seit mehr als 30 Jahren.

Die teils riesigen Formate mussten sie in einigen Fällen vor die Fenster hängen, so Doppelstein: „Es sieht hier alles so ganz anders aus“, schwärmt er. Am Sonntag, 26. Januar, ist Eröffnung in der Mühlenstraße 1. Die Ausstellung läuft bis 27. April. Zur Vernissage um 12 Uhr hat Lüpertz sein Kommen zugesagt, Doppelstein hält die Laudatio, Stockhaus liest Texte des Künstlers – Gedichte, kurze Prosastücke und Auszüge seiner Reden, die quasi wie Metakommentare als eigene poetische Linie auch überall zwischen den Ausstellungsstücken hängen.

„Den großformatigen Gemälden und archaisch anmutenden Skulpturen liegt eine geheimnisvolle Suggestivkraft inne“, schreibt das Museum in seiner Ausstellungsankündigung. Es gibt aber auch zu bedenken, dass „die Kunst von Lüpertz ironisch und schwer zugleich ist, aber extrem lebendig.“ Auch wenn die Bilder scheinbar gegenständlich seien, so blieben die doch fremd.

„Die Bildwelt von Lüpertz berührt uns, weil sie scheinbar Bekanntes in einen unbekannten Kontext stellt“. Das gelte für alle Phasen seines Schaffens. 1966 präsentiert der Künstler zum ersten Mal seine Idee vom Dithyrambischen Konzept, das in Anlehnung an Nietzsches Dionysos-Dithyramben im Betrachter eine euphorische Begeisterung hervorrufen sowie gleichzeitig Chaos innerhalb einer formalen Struktur beschwören soll. Ende der 1970er malt Lüpertz überwiegend symbolträchtige Motive wie Stahlhelme, Schaufeln, Streitwagen und Fahnen. Ein Hinweis auf die nicht bewältigte Vergangenheit der Deutschen.

Bis Mitte der 1980er folgt die Loslösung vom Gegenständlichen. Das Spiel mit flächen- und volumenbildenden Formen interessiert den Maler. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre setzt die Auseinandersetzung mit Themen der Antike ein. Sie erstreckt sich nicht nur aufs zweidimensionale Bild, sondern auch auf die dreidimensionale Skulptur – und dauert bis heute an. Darin, dass Lüpertz seine Bronze-Skulpturen auch noch bemalt, sehen die Ausstellungsmacher ein Indiz für dessen malerischen Schwerpunkt.

Kunst bedeute für Lüpertz Weltzugang und nehme den Betrachter mit, einen freien und neuen Blick auf die Wirklichkeit zu wagen. „Die Ausstellung ist für Wedel herausragend“, betont Doppelstein – und fügt ein Anliegen an, mit dem er sich besonders an Wedels Kommunalpolitiker wendet: „Ich wünschte mir, dass unsere außerordentlichen Bemühungen auch einmal adäquat belohnt werden – in Form von Anerkennung beispielsweise.“

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erstellt am 17.Jan.2014 | 16:00 Uhr

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