Marianne Wilke: Gegen Krieg und Faschismus

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01. November 2012, 01:14 Uhr

Wedel | Marianne Wilke, geborene Lehmann, wurde am 29. Juli1929 in Hamburg geboren. Der Vater von Marianne Wilke war Reedereikaufmann, die Mutter war Hausfrau. Marianne Wilke hatte einen jüngeren Bruder. Ihre Großeltern väterlicherseits waren Juden. Da ihre Mutter Nichtjüdin war, galten sie und ihr Bruder als Halbjuden. Ein Bruder ihres Vaters wurde deportiert und ermordet, ebenso seine Eltern. Der andere Bruder fand Asyl in England. Mit der Familie bzw. deren Nachkommen bestehen feste familiäre Bande.

Marianne Wilke wurde 1936 in Hamburg-Eimsbüttel eingeschult und besuchte diese Schule bis 1943. Ihrer Lehrerin war es zu verdanken, dass sie diese Schule besuchen konnte und nicht als Halbjüdin gemeldet wurde. Da sie als Jüdin keine weiterführende Schule besuchen durfte, sollte sie dann 1943 in einer Fischfabrik arbeiten. Wieder war es ihrer Lehrerin zu verdanken, dass sie bei einer Freundin dieser Lehrerin bis Kriegsende 1945 als Hausmädchen angestellt war.

Zum noch verbliebenen Freundeskreis der Eltern gehörten drei Lehrerinnen, die die Kinder mit Büchern versorgten. Bücher waren Ersatz für Freunde, die jüdische Kinder in dieser Zeit kaum hatten. Nach Kriegsende konnte Marianne Wilke wieder die Schule besuchen. Sie ging noch ein halbes Jahr zur Mittelschule, besuchte ein Jahr die Förderklasse und danach das Gymnasium. Ab 1950 besuchte sie das Fröbelseminar. 1951 machte sie ihren Abschluss.

Aufgrund ihrer negativen Erfahrungen mit Erwachsenen in der Zeit des Dritten Reiches stand für sie fest, dass sich ihre berufliche Tätigkeit unbedingt mit Kindern beschäftigen sollte.

1951 beteiligte sie sich an der "Aktion Helgoland", an der 99 Jugendliche aus acht verschiedenen Jugendorganisationen teilnahmen, um gegen den Bombenabwurf auf Helgoland aufzutreten. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie Mitglied der Kommunistischen Partei. 1952 hat Marianne Wilke geheiratet und im selben Jahr wurde Sohn Ralf geboren, 1958 Sohn Jens und 1961 Sohn Dirk. Marianne Wilke hat vier Enkelkinder und eine Urenkelin.

Seit 1970 engagiert sie sich bei der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten" (VVN-BdA) und war 13 Jahre Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein. Bis heute ist sie aktiv im Landesvorstand und in der starken Wedeler Gruppe. Außerdem engagiert sie sich im Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit der Stadt Wedel, der von Bürgermeister Balack ins Leben gerufen wurde. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde sie 2002 mit der Ehrennadel ausgezeichnet.

Geprägt von ihren Erlebnissen im Dritten Reich hat Marianne Wilke ihr ganzes Leben unter den Schwur der überlebenden Häftlinge des KZ Buchenwald gestellt: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus.

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