Wedels neue Pastorin : Maria von Bar: „Ich freue mich, hier zu sein“

Nach dem Einführungsgottesdienst von Pastorin Maria von Bar unterstützten Propst Thomas Drope (links) und Pastor Udo Zingelmann beim Pflanzen eines Apfelbaums.

Nach dem Einführungsgottesdienst von Pastorin Maria von Bar unterstützten Propst Thomas Drope (links) und Pastor Udo Zingelmann beim Pflanzen eines Apfelbaums.

Pastorin Maria von Bar besetzt dritte Pfarrstelle der Christus-Kirchengemeinde Schulau. Doppelfunktion in Moorrege.

shz.de von
17. Juli 2018, 13:00 Uhr

Wedel | „Ich freue mich, dass trotz der ungewöhnlichen Gottesdienstzeit so viele Besucher gekommen sind“, sagte Udo Zingelmann, Pastor der Christuskirchengemeinde Schulau. Am Sonntag begann der Einführungsgottesdienst von Pastorin Maria von Bar, die die dritte Pfarrstelle der Gemeinde besetzen wird, um 15 Uhr. Zingelmann stellte allerdings klar: „Auch wenn wir sie heute hier offiziell ins Amt einführen, heißt es nicht, dass sie uns alleine gehört, sondern sie wird auch weiterhin in Morrege-Heist tätig sein.“ Die Schenefelderin, die seit 2015 auf halber Stelle in der Kirchengemeinde Moorrege-Heist tätig ist, hat zum 1. Juli in Wedel eine zusätzliche halbe Stelle übernommen.  Sie tritt in Schulau die Nachfolge von Lucia von Treuenfels an.

Geteilte Pastorenstelle

„Mit den Veränderungen in den Kirchen kommen auch Stellenkonstellationen, die es vor 30 Jahren nicht gab“, sagte Propst Thomas Drope vom Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein. Er wandte sich besonders an die Gemeindemitglieder aus Moorrege-Heist, die in die Wedeler Christuskirche gekommen waren: „Ich versichere Ihnen, Frau von Bar wird in Moorrege weitermachen. Deshalb sind sie doch vermutlich da, um sicherzustellen, dass sie nicht gehijackt wird.“ Eine geteilte Pastorenstelle bedeute allerdings nicht, dass nur die Hälfte von Gottes Wort verkündet werde. „Auch ein Senfkorn Zeit kann zu einer Ewigkeit an Heilsansprache werden“, erläuterte Drope und ergänzte: „Es heißt oft, geteiltes Leid ist halbes Leid, aber vielleicht ist in diesem Fall auch geteilte Freude doppelte Freude.“

Vielfältiger Beruf

„Die Vielfalt eines geistlichen Berufs spiegelt sich in der Bibel in den Zeilen von Jesaja  wieder“, sagte Drope. „Es ist die Aufgabe, den Elenden, die gute Botschaft zu bringen, gebrochene Herzen zu stärken und allen von der Gnade Gottes zu erzählen und sie zu den Menschen zu bringen. Da geht niemand unter.“ Die Seelsorge stehe im Zentrum der Arbeit. „Gute Worte erfüllen ihren Zweck, wenn sie ausgesprochen wurden. Diese allein für sich lesen, ist schön. Aber Gottes Worte wollen in die Welt hinausgetragen werden“, betonte Drope. Es sei aber nicht die Aufgabe von Pastorin von Bar, selbst für das Seelenheil zu sorgen. „Das kann und muss sie nicht. Sie müssen die Menschen aufrichten. Das können Sie, da sie ordiniert sind und von Gott mit dieser Aufgabe betraut wurden“, sagte Drope bevor er die offizielle Segnung zusammen mit Pastorin Vivian Reimann-Clausen  aus der Kirchengemeinde Moorrege-Heist und Edith Rachor aus dem Kirchenbüro der Christuskirche durchführte. Bevor zur Einführung das Lied „Komm, Heiliger Geist“ angestimmt wurde, hatte Drope noch eine persönliche Anmerkung: „Als ich vorhin neben Frau von Bar saß, ist es mir wieder bewusst geworden und ich habe gedacht: Was hat sie doch für eine gute Stimme.“ Da die Christuskirche für ihr musikalisches Engagement bekannt sei, hatte Drope auch einen Vorschlag, wie die Stimmgwalt sinnvoll eingesetzt werden könnte: „Die haben einen Pastor, der gut Flöte spielt und eine Pastorin an der Geige. Das schreit doch nach einem Duett oder Terzett.“

Vernünftiger Konsum

„Was macht lebendig?“, fragte von Bar zu Beginn ihrer Predigt. Vor allem seien es Beziehungen zu Menschen, die einen umgeben, die Beziehung zu Gott, aber auch Dinge, die man besitze. Allerdings könnten diese auch belasten. Von Bahr verwies auf das Werk des Sozialpsychologen Erich Fromm aus dem Jahr 1976 „Haben und Sein – Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“. Von Bar regte an, über einen vernünftigen Konsum, einen Konsum zum Wohle des Menschen, nachzudenken. Zum Abschluss richtete sie noch einige persönliche Worte an die Gottesdienstbesucher: „Ich hoffe, uns fällt einiges ein, was wir miteinander anfangen können. Ich freue mich, hier zu sein.“

Von Bar stammt aus einem Pastorenhaushalt. Beide Eltern sind Pfarrer, ihre Mutter war eine der ersten Pastorinnen der DDR. Nach dem Abitur studierte sie Theologie in Halle und Tübingen. Zweieinhalb Jahre war sie Pfarrerin zur Anstellung bei der evangelischen Landeskirche Anhalt. Sie ging weg – der Liebe wegen. Ihr Mann Christopher von Bar ist Gründer und Geschäftsführer  der  anthroposophischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Franziskus in Hamburg-Sülldorf. Von Bar spricht fließend russisch. Nach dem Abitur 1992 war sie ein Jahr  in Russland. Auch Tschechisch beherrscht von Bar, denn sie hat von 2002 bis 2004 in Prag bei der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder im Büro mit Schwerpunkt Ökumene und Austausch gearbeitet. Damit überbrückte sie die Wartezeit auf das Vikariat.

Pastor Zingelmann lud die Anwesenden ein, nach der Pflanzung eines Apfelbaums im Kirchgarten der Feierstunde beizuwohnen. Dabei hatte er auch die weltlichen Dinge schnell wieder im Blick: „Ich weiß, dass den einen oder anderen die Sorge um das WM-Finale umtreibt. Sie müssen dem nicht nachtrauern. Es gibt sicherlich die Möglichkeit, bei uns beides zu kombinieren.“

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