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„Die Plätze waren sofort voll“ : Manuela Treff aus Wedel will Flüchtlingen helfen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Nähen fördert die Kommunikation, deswegen bietet die Wedelerin einen Nähtreff an.

Wedel | Manuela Treff weiß genau, wie sich die Flüchtlinge in Deutschland fühlen. „Ich habe fünf Jahre in Hongkong gelebt. Als ich dort ankam, konnte ich weder Deutsch noch Englisch“, sagt die Wedelerin. Dennoch begleitete sie ihren Mann nach Asien. Mit Händen und Füßen habe sie sich verständigen müssen. Als sie dort gebeten wurde, einen Nähkursus anzubieten, fragte sie sich, wie das gehen solle. Doch es ging. „So habe ich Englisch gelernt“, sagt Treff und ist sich sicher: „Wenn man ein gemeinsames Hobby hat, dann lernt man eine Sprache viel schneller.“ Darauf hofft sie auch in ihrer Nähgruppe, die sie ins Leben rief.

„Ich wollte mich unbedingt in der Flüchtlingsarbeit engagieren“, erinnert sich Treff an die Idee für das Projekt zur Selbsthilfe. Da sie im Nähmaschinenverkauf beruflich in Rellingen tätig ist, fielen Begleitungen zu Ämtern und Behörden für sie flach. Im Willkommenscafé sprach sie die Idee des Nähkurses an. „Die Plätze waren sofort voll. Wir haben schon eine Warteliste für den nächsten Kursus und ich könnte das vermutlich Vollzeit anbieten, aber dann bräuchte ich Hilfe, weil ich meinen Job aufgeben müsste“, sagt Treff lachend.

Sonnabends treffen sich die acht Männer und drei Frauen ihrer ersten Gruppe. Fünf Helferinnen unterstützen Treff. Weitere helfende Hände könnte sie gut gebrauchen. „Man muss nicht nähen können, sondern anwesend sein und mitsprechen. Das Nähen bringe ich notfalls in einer Privatschulung bei mir zu Hause bei“, sagt Treff. Acht Termine sind geplant. Taschen, Schals und Mützen entstehen im „Kreativraum“ der Kursana Residenz in der Gorch-Fock-Straße.

„Das Haus hat uns von Anfang an super unterstützt“, freut sich Treff. Sechs Nähmaschinen stellte der Hersteller „Singer“. Diese werden von den Teilnehmern selbst aufgebaut. „Ich bin ja nicht die Mama der Kompanie“ sagt Treff und lacht wieder. Ihr ist es wichtig, dass die Flüchtlinge sich helfen: „Sie sollen selbst lernen zu nähen, um auch mal etwas aus der Kleiderkammer zu reparieren oder zu kürzen.“

Kaum ist die letzte Maschine eingeschaltet und das Fußpedal angeschlossen, hält Treff eine Schere in die Höhe und fragt: „Wie heißt das?“ Das gleiche macht sie mit einem Lineal, Garn und einem Cutter. Die Fachbegriffe sitzen. Dann werden die Maschinen angeschmissen und die ersten Nähte gesetzt. Die Helfer sprechen fast ständig mit den Flüchtlingen, stellen Fragen und erläutern Arbeitsschritte. „Die Sprache ist die Grundlage, um sich zurechtzufinden und einzuleben“, sagt Treff. Wenn es mal hakt, übersetzt einer der Teilnehmer für die anderen.

In der aktuellen Gruppe sind auch zwei von fünf jungen Syrern, denen Treff zweimal pro Woche Deutschunterricht gibt. „Meine Jungs“, sagt sie. Vier Stunden pro Woche übt sie mit den Zuwanderern. „Natürlich bleibt es nicht beim Sprachtraining. Wenn man sich zwei-, dreimal in der Woche sieht, ist man auch wichtigster Ansprechpartner“, sagt Treff. „Am Anfang sollten sie mir drei Ausrufezeichen per Whatsapp senden, wenn es Probleme gibt. Sie glauben nicht, wie viele Ausrufezeichen kamen“, erinnert sich Treff. Mittlerweile laufe die Kommunikation auf Deutsch und Englisch. „Es ist einfach schön, das erste Mal „Danke“ oder „Guten Tag“ von den Jungs auf Deutsch zu hören. Da geht mir das Herz auf.“. Wer die Gruppe mit Stoffspenden oder durch persönlichen Einsatz unterstützen will, kann Treff über die Facebook-Gruppe „Refugees Nähgruppe Wedel“ oder unter 0174-4156698 kontaktieren.  

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erstellt am 22.Okt.2015 | 14:00 Uhr

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