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Wedel-Schulauer Tageblatt

20. Oktober 2017 | 16:45 Uhr

Mal eben zur Milch-Tanke gehen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Verbraucherumfrage Bauer Thomas Körner möchte in Haseldorf Direktvermarktung anbieten / 20 000 Euro Investitionskosten

„Ich geh’ mal eben zur Tanke“. Dieser Satz könnte in den Dörfern von Marsch und Geest bald eine völlig neue Bedeutung bekommen. Denn der Haseldorfer Landwirt Thomas Körner möchte gern auf seinem Hof eine Milchtankstelle einrichten. Ob sich die Investition von etwa 20  000 Euro lohnt, soll nun mit einer Umfrage ermittelt werden, die gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz (ARGE) Haseldorfer Marsch, dem Elbmarschenhaus und dem Verein Tourismus in Marsch und Geest (Timug) durchgeführt wird.

Über eine Tankstelle zum Verkauf von heimischer Rohmilch philosophieren Körner und Jochen Steinhard-Wulff von der ARGE schon lange. Der Haseldorfer Umweltschützer ist ein treuer Kunde. „Aber mein Hof liegt ja nicht gerade im Zentrum“, weiß Körner. Bevor er sich in die Kosten stürzt und dann eine Bauchlandung macht, will er deshalb den Bedarf abklopfen. Dazu wurde ein Fragebogen entwickelt, der in Haseldorf, Haselau und Hetlingen verteilt wurde. Aber natürlich könnten auch Menschen aus Heist, Holm und Moorrege interessiert sein. „Wir brauchen den täglichen Nutzer“, sagte Tina Varga-Schicht, Tourismusmanagerin im Elbmarschenhaus. Pro Tag müssen mindestens 40 Liter abgenommen werden, damit es sich für Körner rechnet. Schließlich muss das Zapfgerät täglich gereinigt werden.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, bei Körner künftig die Milch zu kaufen. Varga-Schicht: „Das ist eine Unterstützung für die Regionalen.“ Denn der finanzielle Druck auf die Landwirte ist enorm. Im Sommer 2016 bekamen Körner und seine Kollegen 20 Cent von der Molkerei pro Liter. Derzeit sind es zwar 35 Cent, aber zum Überleben reicht das eigentlich auch nicht. An der Milch-Tanke soll der Liter einen Euro kosten.

Kühe auf der Weide – früher war das ein normaler Anblick. Doch nach dem Höfesterben sieht es düster aus in der Region. Körner ist der letzte Kuh-Bauer in Haseldorf. In Haselau hat er noch zwei Kollegen, in Moorrege und Heist je einen. In Holm und Hetlingen gibt es gar keinen Milchbauern mehr.

Milch made in Haseldorf könnte mit Fug und Recht auf dem Ticket stehen. Körner bewirtschaftet 110 Hektar, baut Mais für die gut 200 Tiere an, zudem Raps und Weizen: „In den Grundkomponenten sind wir Selbstversorger.“ Die Zufütterung komme auch aus Deutschland, der Weizen stamme aus der Eigenproduktion.

Steinhard-Wulff ist von der Qualität der Rohmilch überzeugt: „Die Milch ist eine der meist untersuchten Lebensmittel überhaupt.“ Bei Bauer Körner kommt alle zwei Tage der Tanklaster der Molkerei, um das weiße Gold seiner 100 Kühe abzuholen. „Da werden immer Proben gezogen“, erläutert der 52-Jährige.

Körners älteste Kuhe ist übrigens „Else“. Die Rot-Bunte ist 16 Jahre alt und wird liebevoll vom Landwirt aus Leidenschaft umsorgt. Bald kommt sie mit ihren Kolleginnen aus dem Stall. Denn Bauer Körner schickt seine Arbeiterinnen noch auf die Weide. Ganz so wie früher.

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