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Berühmter Maler : Lüpertz-Ausstellung in Wedel eröffnet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Es ist das kulturelle Highlight im Kreis Pinneberg zu Beginn des Jahres: Das Wedeler Ernst-Barlach-Mueum zeigt eine große Retrospektive mit Arbeiten des Malers Markus Lüpertz. In Wedel sind insgesamt 70 Gemälde, Skulpturen und Texte von ihm zu sehen.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Der Meister war falsch abgebogen. Nicht im übertragenen Sinn, tatsächlich. Nach Wedel wollte er, in Hamburg ist er gelandet. So begann die Vernissage der Markus-Lüpertz-Retrospektive im Ernst Barlach Museum mit 45 Minuten Verspätung. Dem Publikum war es gleich, geduldig harrten die vielen Besucher im überfüllten Auditorium aus. Sie warteten gern auf den Großkünstler, schließlich kommt es nicht oft vor, dass der gleichermaßen gefeierte wie gefürchtete Maler selbst zu Ausstellungseröffnungen anreist.

Doch für die Wedeler machte der 73–Jährige eine Ausnahme. Zu wichtig, umfangreich und gut bestückt ist die Schau im Ernst-Barlach-Museum. Insgesamt 70 Gemälde, Skulpturen und Texte – verteilt auf drei Etagen– sind zu sehen. Es ist die erste Lüpertz-Retrospektive in Norddeutschland seit 30 Jahren.

Und darauf ist Dr. Jürgen Doppelstein, Chef der Barlach-Gesellschaft, stolz. „Unser kleines Haus hat wirklich Erstaunliches geleistet“, sagte er während der Eröffnung. Doppelstein führt in die Werkschau ein, die in Zusammenarbeit mit dem Galeristen Michael Werner entstand. Zweifellos, so Hausherr Doppelstein, sei Markus Lüpertz eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten in Deutschland: „Sein Werk steht ohne Vergleich da“. Keineswegs lasse sich die Wirkung des Künstlers Lüpertz nur auf dessen exzentrisches Auftreten oder die gern provokative Einmischung in Fragen des Kulturbetriebs reduzieren. „Markus Lüpertz ist ein Typus der Gegenwartskultur, seine Arbeiten sind stark und kraftvoll“.

Klug und mit Sinn für das Typische zusammengestellt, deckt die Wedeler Schau mehrere wichtige Bereiche im Werk von Markus Lüpertz ab. Zunächst die Werkgruppe „Männer ohne Frauen – Parsifal“. Der Künstler, so Jürgen Doppelstein, habe sich intensiv mit der „Verunsicherung von Männlichkeit“ am Beispiel der Parsifal-Geschichte auseinander gesetzt. Auch Bezüge zu Ernest Hemingways Geschichten-Zyklus „Männer ohne Frauen“ stellte er her.

Zweiter Schwerpunkt der spektakulären Ausstellung sind Landschaften. Doppelstein: „Der Künstler ist in seinen Bildern auf der Suche nach alternativen Wahrnehmungen. Das Ergebnis sind markante und unbestechlich ehrliche Bilder, die den Betrachter über das „normale Sehen“ hinaus beschäftigen. Lüpertz schafft Welten voller Melancholie, immer groß in der Geste, immer stark  in der Wirkung.

Eine weitere Abteilung der Retrospektive sind die dithyrambischen Bilder (Dithyrambos: ursprünglich Hymnos zu Ehren des Gottes Dionysos). Markus Lübertz schuf geometrische Strukturen, Körper, Kristalle: bildnerische Gruppen und Solitäre, die den Raum beherrschen.

Genauso wie die Skulpturen, die in Wedel zu sehen sind. Zwölf Studien zum berühmten „Herkules“ in Gelsenkirchen werden im Barlach-Museum gezeigt – einzigartige Entwürfe, jeder eine Charakterstudie, die für sich selbst steht: kantig, knorrig, ungeschönt menschlich, aber auch seltsam berührend und elegant. So wie die Texte des Künstlers, die auf Bahnen gedruckt, neben den Gemälden die Wände der Ausstellungsräume schmücken.

Und der Meister selbst: Er war begeistert von der „bemerkenswerten Ausstellung“. Schließlich gehe es bei der Kunst auch um das „Recht haben“ und das Überzeugen. Wobei immer klar sein müsse: „Der Künstler ist nur Instrument, die Kunst findet beim Betrachter statt“. Das Bildnerische sei schließlich eine „göttliche Disziplin“.

Dennoch sei die Malerei in Gefahr, ließ Lüpertz das Wedeler Publikum wissen. „Und zwar deshalb, weil sie im Alltag nicht mehr vorkommt“. Die Malerei ringe nach einer neuen gesellschaftlichen Positionierung. „Auch weil andere Medien so stark sind“. Zu leicht seien oberflächliche Reize verfügbar. Markus Lüpertz: „Dagegen muss man sich stemmen.“

Die Retrospektive im Wedeler Barlach Museum versucht dies auf bemerkenswerte Art und Weise: vielfältig und ohne jede Effekthascherei. Der Maler selbst fand Gefallen daran. Gewohnt direkt, gestand er ein: „Das freut den Künstler, so soll es sein.“

Markus Lüpertz

Der Maler und Bildhauer  Markus Lüpertz  – Vertreter des  Neoexpressionismus – zählt zu den einflussreichsten deutschen Künstlern der Gegenwart. 1988 bis 2009 war  er  Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie. Er begann mit seiner „dithymbischen Malerei"  in den 1970er Jahren.  Seit 1981 ist er auch als Bildhauer tätig. Sein wohl bekannteser Werkzyklus ist „Männer ohne Frauen - Parsifal“ aus den 1990er Jahren: 2003 wurde Lüpertz für seine Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Künste der internationale „Julio-González-Preis“ verliehen.  Lüpertz  verfasst Lyrik und Prosatexte und widmet sich als Pianist dem Free Jazz. 


Öffnungszeiten

„Markus Lüpertz – Bilder, Skulpturen, Texte, 1964 - 2014“. Ausstellung  bis 27. April. Ernst-Barlach-Museum Wedel, Mühlenstraße 1. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  11 bis 18 Uhr, für angemeldete Gruppen und Schulklassen von 9 bis 19 Uhr. Zur Vernissage am Sonntag, 26. Januar, 12 Uhr hat der Künstler sein Kommen zugesagt.   

www.ernst-barlach.de

 
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