Lotusblüten erinnern an Hiroshima

Für die Mahn- und Gedenkveranstaltung haben die Organisatoren ein reiches Programm aus Informationen, Gedichten und Musik zusammengestellt.
Für die Mahn- und Gedenkveranstaltung haben die Organisatoren ein reiches Programm aus Informationen, Gedichten und Musik zusammengestellt.

Atomwaffen abschaffen: Für Sonnabend, 4. August, laden Friedensaktivisten zur „Nacht der 100 000 Kerzen“ an den Mühlenteich ein

shz.de von
01. August 2018, 16:00 Uhr

In Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki lädt die Friedenswerkstatt Wedel in Zusammenarbeit mit dem Friedensnetzwerk Kreis Pinneberg für Sonnabend, 4. August, zur „Nacht der 100 000 Kerzen“ an den Wedeler Mühlenteich ein. Seit 1981 hält die Friedenswerkstatt regelmäßig zum Tag der Explosion der ersten Atombombe, die am 6. August 1945 von den Amerikanern auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen wurde, eine Mahnmache für den Frieden ab. Das Lichtergedenken ist dann 2010 als große Veranstaltung, die informieren und wachrütteln möchte, hinzugekommen.

„Die Situation ist schlimmer geworden“, reflektiert Organisatorin Irmgard Jasker die weltweit bedrohlicher gewordenen internationalen Zusammenhänge. Setzt dem aber auch eine positive Entwicklung entgegen: „Wir werden wieder mehr“, sagt sie erfreut und lacht in die große Runde der Sympatisanten, die am Sonnabend für ein reichhaltiges Programm sorgen wollen.

Gegen 20 Uhr geht es mit Musik und Gesang los. Nancy und Achim Gomez spielen und singen lateinamerikanische und deutsche Friedenslieder. Zu Besuch bei Familie Gomez weilt zurzeit Nancy Gomez Schwester Maria Raquel Gonzales, die sich ebenfalls im dem Gedenken einbringen möchte. Sie wird christliche Lieder auf der Gitarre anstimmen. Zum ersten Mal mit dabei ist auch Sabine Malsch. Die Wedelerin bringt ihre Tischharfe mit und wird auf dem Instrument japanische Lieder vortragen.

Jasker fragt in ihrem Redebeitrag, ob die Bomben gar ein zynisches Experiment waren, das tausende Tote und Verletzte forderte? Mit atomarer Abrüstung beschäftigt sich Helmut Welk vom Friedensnetzwerk. Die könne nur durch eine neue Entspannungspolitik angestoßen werden, lautet seine These. Einen Vortrag zur derzeitigen Situation um den neuen Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen, dem Deutschland noch nicht beigetreten ist, hat Pastor im Ruhestand Sönke Wandschneider vorbereitet. Und Diakon Guido Nowak leitet die Friedensandacht.

Gegen 21.45 Uhr kommt es dann zum Höhepunkt der Veranstaltung. Die Teelichte in den aus Wachspapier gefalteten Lotusblüten werden angezündet, in einer Lichterprozession zum Teich gebracht und darauf ausgesetzt. In Japan seien es Papierlaternen, erläutert Jasker, hier sind es die brennenden Blüten, die auf dem Wasser schwimmend ein Symbol für die vielen Menschen darstellen sollen, die 1945 im kühlenden Wasser des Meeres Rettung vor dem atomaren Feuer suchten.

Jaskers Enkelin Lucil (8) hat bereits die Produktion aufgenommen und viele Papierblumen gefaltet, damit keiner mit leeren Händen gehen muss. Doch auch an diejenigen, die es selbst versuchen wollen, ist gedacht. Ein Tisch mit Bastelmaterial steht bereit.

„Wir machen gerade den schwierigen Versuch des Umdenkens durch: vom Aufrüsten zum Abrüsten“, fasst Marianne Wilke die politische Situation zusammen. Sie engagiert sich seit 60 Jahren in der Friedensarbeit. 145 Freiwillige hätten Ende der 1950er Jahre per Fragebogen die Wedeler nach ihrer Meinung zu dem Thema befragt, berichtet sie. Und präsentiert das Ergebnis nicht ohne Stolz: „93 Prozent haben damals in Wedel gegen Atomwaffen gestimmt.“ Erläuternd fügt sie hinzu: „Wir haben uns alle noch an den Krieg erinnert.“

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