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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. November 2017 | 05:03 Uhr

Leuchtfeuer wird neu erlebbar

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Elbmarschenhaus: Mit Bildern und Modellen setzt Künstlerin Christel Hudemann dem „Kleinen Kohn“ ein Denkmal

„Wenn ich groß bin, dann kaufe ich den ‚Kleinen Kohn‘“, nahm Christel Hudemann sich vor. Vorher wollte das Mädchen schnell noch reich und berühmt werden. Dann aber sollte im Wärterhäuschen des früheren Leuchtfeuers nahe der Hetlinger Schanze, von Seglern liebevoll „Kleiner Kohn“ getauft, ihr freies Leben beginnen.

„Ganz so hat es nicht geklappt“, gestand sie ihren Zuhörern im Elbmarschenhaus. Hudemann wurde Malerin und machte sich das längst erloschene Leuchtfeuer mit ihrer Kunst zu eigen, eindrucksvoller und zugleich teilbarer, als ein Kaufvertrag das je vermocht hätte. Das erlebte eine große Fan-Gemeinde, die mit ihr die Ausstellungseröffnung „Kleiner Kohn auf Juelssand und drum rum“ feierte. Aquarelle und Gemälde in Acryl an allen Wänden machten das Bauwerk fast erlebbar. Zwei liebevoll gebastelte Modelle ergänzten den Eindruck. Bis zum 2. August ist die Ausstellung zu sehen. „In Wirklichkeit ist der Kleine Kohn nur noch ein verrammeltes Häufchen Leuchtturm.“ So lapidar stellte die Künstlerin ihren Visionen die heutige Alltagsrealität gegenüber.


Enkel der letzten Betreiber erinnert sich


An den einstigen Alltag auf Juelssand erinnerte sich Joachim Selle, der aus Süddeutschland zur Ausstellungseröffnung angereist war. Der Enkel des letzten Leuchtfeuerwärterpaares Anna und Andreas Eilers fand in den 50er Jahren nach dem Tod des Vaters bei seinen Großeltern Unterschlupf. Strom, Gas, Leitungswasser gab es alles nicht. Der Regen wurde in einer Zisterne gesammelt und bei Bedarf von Hand ins Haus gepumpt. Das Plumpsklo entsorgte die Tiede zweimal täglich. Einmal im Jahr kam ein Boot und brachte Kohlen für den Herd. Brennholz wurde am Elbufer aufgelesen. Der sieben Kilometer lange Schulweg nach Hetlingen forderte Sprünge über sechs Priele. Selles Erzählung hörte sich an wie ein Bericht aus einer anderen Welt.

Die Sturmflut von 1962 trieb die Familie ins Obergeschoss. Dort blieb es zwar trocken, doch „von da an ging es bergab“, so Selles Erinnerung. 1967 zogen die Bewohner aus. Das Leuchtfeuer wurde automatisiert und war noch bis 2010 im Dienst. In seiner Art sei es einmalig in Deutschland, bestätigte der Redner. Doch der Verfall sei weit fortgeschritten. Eine Rettung wäre sehr teuer und problematisch: Der Bau befinde sich inmitten eines Naturschutzgebietes und sei deshalb nicht frei zugänglich.

Auf diesen Zwiespalt ging Uwe Helbing ein. Er hatte sehr schöne Mappen mit Fotos des Kleinen Kohn dabei. Eine Touristenattraktion dürfe das Bauwerk niemals werden, stellte er klar, doch hin und wieder könne es für Interessenten Führungen geben. Dazu lädt der Nabu-Schutzgebietsbetreuer für Sonntag, 2. August, ein. Der Fußmarsch, gut eine Stunde pro Strecke, beginnt um 14 Uhr. Treffpunkt ist der Parkplatz am Hof Hetlinger Schanze.

 

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