Großer Bahnhof für Antonius Soest : Leiter der Gebrüder-Humboldt-Schule geht in den Ruhestand

Antonius Soest freut sich aufs Frühstücken mit seiner Ehefrau.
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Antonius Soest freut sich aufs Frühstücken mit seiner Ehefrau.

Herzliche und schwungvolle Gala für einen engagierten Pädagogen.

shz.de von
29. Januar 2015, 12:00 Uhr

Wedel | Alle waren gekommen, Vertreter des Ministeriums, der Wedeler Verwaltung und Schulen, des Elternbeirats und natürlich Kollegen und Schüler. Und alle hatten sich etwas Besonderes einfallen lassen, seien es herzliche Worte oder musikalische Abschiedsgrüße. Überhaupt ging es sehr schwungvoll zu in der Mensa der Gebrüder-Humboldt-Schule. Wohl auch, um der Wehmut keinen Raum zu geben. Denn eines wurde ganz klar: Alle werden Antonius Soest vermissen. Durch die zweistündige Ehrung des langjährigen Schulleiters führten der junge Lehrer Steffen Lehrke und – bezaubernd klar und souverän für ihre zwölf Jahre – Alicia Himm aus der sechsten Klasse. Ein gutes Beispiel für die pädagogische Arbeit von  Soest. Ihm ging es immer um Selbstvertrauen, Mut und angstfreies Lernen und Leben.

Zum schwungvollen Auftakt präsentierten die Kolleginnen auf Percussions eine Samba und der Chor des 5. Jahrgangs schmetterte vielsagend das „Besserwisser“-Lied der Wise Guys. Stolz verließen sie  die Bühne, selbst die Schüchternen hatten Grenzen überwunden, waren über sich hinausgewachsen. Soest strahlte.

Als Vertreterin des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Bildung und Kultur verabschiedete Dörte Nowitzki den Pädagogen mit Urkunde und herzlichem Händedruck aus dem aktiven Dienst. Nicht ohne zuvor noch einmal sein Lebensmotto zu zitieren: „Wenn du weißt, was du tust, kannst du tun, was du willst.“ Auch hob sie sein unermüdliches Eintreten für die Bildung aller hervor und dass das zentrale Anliegen von Schule sein solle, niemanden auszugrenzen, sondern alle zu fördern. Wissen, handeln, wollen und Willensfreiheit bestimmten Soests Leben. „Dein Denken war immer in Zusammenhängen, mit der Überzeugung, nur im Kontext könnten Lösungen gefunden werden.“ Er habe die Gesamtschule zu seiner Sache gemacht, die durch sein streitbares Engagement, tiefes menschliches Verständnis  und sicheres Urteilsvermögen heute anerkannt und fortschrittlich sei.

„Herr Soest gab niemals einen Schüler auf“Bürgermeister Niels Schmidt bemühte das schöne Bild: „Kapitän Soest verlässt das Schulschiff, das aber fest vertäut ist. Die Gebrüder-Humboldt-Schule ist fester Bestandteil der Wedeler Schullandschaft, und Sie haben der Schule Ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt.“ Schülersprecher Dominik Hoppe brachte die Hochachtung der jungen Menschen auf den Punkt: „Herr Soest gab niemals einen Schüler auf, und jeder durfte seine Meinung sagen. Sie sind unser Toni, den so schnell keiner vergessen wird.“

 

Sabine Foßhag, Leiterin der Moorweg Grundschule, ehrte ihn im Namen aller Wedeler Schulen für seine streitbare Offenheit, immer zum Wohle der Schüler, und den Umgang mit ihnen auf Augenhöhe. Der stellvertretende Schulleiter Joachim Feldmann blickte auf die schwierigen Anfangszeiten zurück und sagte: „Es war sehr mutig aus meiner Sicht, dass du dich damals auf die Schulleiterstelle beworben hast.“ Für die jetzige Gebrüder-Humboldt-Schule sei das ein Glück gewesen. Denn: „Bist du von einer Idee überzeugt, versuchst du, sie umzusetzen, egal wie schwer es ist.“ Mit dem Accapella-Stück „Goodnight, sweetheart“ nahmen die fünf Musiklehrer Abschied, alle anderen in einer Dia-Schau zum Lied „Au revoir“.

Soest hatte die ganze Zeit sichtlich gerührt und häufig strahlend lächelnd das Geschehen auf der Bühne und die durchweg herzlichen Reden aus der ersten Reihe neben seiner Ehefrau Helga Möller und den Kindern Nina und Nikolas verfolgt. Bevor das Büfett eröffnet wurde, ließ er es sich nicht nehmen, noch einmal das letzte Wort zu haben und dankte allen für die schöne Zeit, die ein Vergnügen gewesen sei, und die er nie vergessen werde. „Wir haben uns bewegt, wir sind eine tolle Schule.“  Und um unbelastet in den Ruhestand gehen zu können, nutzte er die Gelegenheit, sich bei einem der Gäste dafür zu entschuldigen, sich letztens im Eifer des Gefechts im Ton vergriffen zu haben – und bot dem einen Kollegen, den er immer noch siezte, per „letzter Dienstanweisung“ das Du an. Ganz Soest: immer gerade, einer, der sagt, was er will –  dabei stets dieses offene, freundliche Lächeln.Sarah Falkenberg

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