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Voller Einsatz für Gambias Zukunft : Lehrerin aus Wedel baut in Westafrika eine Schule auf

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die 51-jährige Katrin van der Lubbe ist für dem Aufbau extra für ein Jahr vom Schuldienst freigestellt. Der Rohbau ist bereits fertig.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2016 | 13:00 Uhr

Wedel/Fajikunda | Katrin van der Lubbe ist 51 Jahre alt, wohnt seit 1997 in Wedel und ist Lehrerin an der Schule Marschweg in Rissen. Ein sicherer Job, ein geordnetes Leben, erwachsene Kinder. All das hat van der Lubbe für ein Jahr hinter sich gelassen. Stattdessen schläft sie auf einer Matratze auf dem nackten Fußboden, isst an manchen Tagen nur Orangen und Nüsse, hat bereits 15 Kilo abgenommen. Die Wedelerin ist eine Frau mit einer Mission. In Fajikunda, einem Ort im westafrikanischen Gambia, baut sie seit Juni 2015 eine Schule auf, in der Kinder aus der Nachbarschaft Englisch sowie Lesen und Schreiben lernen.

Die Initialzündung für das Mammutprojekt geschah in den Weihnachtsferien 2014. Bei einer Reise in den westafrikanischen Staat lernt van der Lubbe den Künster Lamin Badjie kennen. Er sprach nur gebrochen Englisch und war Analphabet. „Ich war wie vom Donner gerührt, da ich einen sehr intelligenten Mann vor mir hatte.“ Die Lehrerin stellte spontan einen kleinen Englisch-Crashkursus auf die Beine und war gerührt, als Badjie vor Freude über die raschen Lernfortschritte in Tränen ausbrach. Van der Lubbe: „Englisch ist in Gambia Amtssprache, aber viele Menschen sprechen es nur gebrochen und können es schon gar nicht lesen.“ In der Wedelerin erwachte der Wunsch, dies zu ändern. Da zeigte ihr der gambische Künstler die Grundschule von Fajikunda. Das Gebäude war verfallen und sollte geschlossen werden. Van der Lubbe fackelte nicht lange. In Deutschland ließ sie sich für ein Jahr unbezahlt vom Schuldienst freistellen und reiste im Sommer zurück nach Gambia. Unterstützt von 25 Sponsoren kämpft sie seitdem für die Zukunft der Kinder von Fajikunda.

Derzeit unterstützen drei gambische Lehrer die Deutsche.
Derzeit unterstützen drei gambische Lehrer die Deutsche. Foto: PT

Inzwischen steht der Rohbau für ein neues Klassenzimmer auf einem Privatgrundstück. 52 Kinder lernen von der Wedeler Lehrerin und ihrem mittlerweile dreiköpfigen Team vor allem Lesen und Schreiben sowie Englisch. „Wir können den Unterricht aber immer mit Themen verbinden, die den Kindern auch Wissen über die Welt vermitteln“, betont van der Lubbe. Gerade etabliert sie Brieffreundschaften mit Kindern aus ihrer Schule in Rissen.

Das Geld der Sponsoren fließt in Unterrichtsmaterialien für die Schüler, kleine Gehälter für die Lehrer und den Aufbau der Infrastruktur vor Ort. Außerdem unterstützt sie ihr Team, immer wieder in finanziellen Notlagen. Für die Wedelerin selbst bleibt wenig zum Leben übrig. Sie wohnt spartanisch, fast ohne Möbel. Auf die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung kann sich van der Lubbe jedoch verlassen. Als es einmal eine Woche Probleme mit ihrer Kreditkarte gab, wurde die Deutsche mit Essenseinladungen überschüttet.

Im Juli dieses Jahres wird der Aufenthalt in Westafrika zu Ende gehen. Die Schule soll dann erst richtig durchstarten. Van der Lubbe ist sicher, dass ihr Team den Unterricht auf gewohntem Niveau weiterführt. In Deutschland gründet die 51-Jährige gerade einen Verein, der das Projekt weiter betreuen soll. Es ist ein langer Weg – doch van der Lubbe wird ihn weitergehen: „Seit meinem ersten Besuch ist mir klar, wie unverzichtbar Bildung für die Menschen ist.“

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