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Niederdeutscher Poetry Slam : Ladiges und Kamin sind Platt-Könige

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Holmer und Wedeler Bühnendichter siegen bei der NDR-Ausscheidung im Hamburger Ohnsorg Theater.

Der Olymp der plattdeutschen Bühnendichterei liegt zwischen Wedel und Holm. Am späten Sonntagabend ließen die Poetry Slammer Jan Ladiges (Holm) und Sven Kamin (Wedel) die niederdeutsche Autorenelite hinter sich und teilten sich im Hamburger Ohnsorg Theater nach spannendem Finale den ersten Platz. In den „Heiligen Hallen“ der niederdeutschen Sprache (Kamin: „Dat is as Tennisspeelen in Wimbledon“) hatte das Publikum das Duo mit frenetischem Applaus zu Siegern des NDR Poetry Slams op Platt gekürt.

Der NDR hatte den Dichterwettstreit, der als inoffizielle Slam op Platt Weltmeisterschaft gilt, zum dritten Mal ausgerichtet und acht der profiliertesten Platt-Autoren gegeneinander antreten lassen. Erneut trafen Poetry Slammer, die sonst zumeist auf Hochdeutsch texten, auf die besten Autoren der Plattdeutsch-Szene. Neben Ladiges und Kamin waren Helge Albrecht aus Kiel und der gebürtige Leeraner Andy Strauß auf Slammerseite angetreten, um den textenden Landwirt und Medienliebling Matthias Stührwoldt (Stolpe), den Ohnsorg-Schauspieler Nils Owe Krack und die NDR-Plattsnacker Ilka Brüggemann (Hannover) sowie Jan Graf (Buxtehude) mit ihren Texten auszustechen.

Im K.O.-Modus hatte jeder Poet sechs Minuten Zeit, um mit seinen selbstgeschriebenen Ergüssen das Publikum zu überzeugen. Während der Wedeler Kamin, der bereits beim ersten NDR Platt-Slam den Titel geholt hatte, Ohnesorg-Spieler Krack und den eloquenten Slammer Albrecht ausschaltete, setzte sich Ladiges gegen einen kernigen NDR-Schnacker Graf und den deutschen Ex-Vize-Slam-Meister Strauß durch. Letzterer hatte Goethes Zauberlehrling kongenial aus der Sicht des Besens neu gedichtet.

Ladiges selbst rappte sich mit Texten über Rapschnuten und einen turbulenten Banküberfall in die Herzen des Publikums. Kamin schilderte in einem Text, wie steinig sein Weg als nicht gebürtiger Plattschnacker in die Sprache seiner Heimat war („Bi us to Hus hüng keen Schild ,Wi snackt Platt’, wiel bi us to Hus keen een Platt snackt hat.“).

Im Finale schließlich trafen der Slam-Newcomer, aber alte Platt-Hase Ladiges, der beim Wedeler Slam-Wettbewerb Wedel-Schädel seine ersten Slam Erfolge gefeiert hatte, auf den alten Slam-Hasen, aber Platt-Newcomer Kamin. Der Wedeler legte mit einem Mitmach-Text über einen HipHop-Winneworp (Maulwurf) vor, indem er das gesamte Publikum zum Plattenspieler umfunktionierte. Gärtner Ladiges konterte mit einer rasant-autobiografischen Achterbahn-Fahrt mit dem Minibagger. Als das Publikum für beide Poeten gleich ausdauernden Applaus spendete, erklärten die Moderatoren Ines Barber und Björn Högsdahl einfach beide zum Sieger eines beeindruckenden Abends.

Auch Ohnsorg-Intendant Christian Seeler freute sich anschließend über eine gelungene Platt-Poetry-Show, die im kommenden April in Husum ihre nächste Auflage erleben soll: „Das war ein wirklich toller Abend, und ich bin glücklich, dass wir ein altersmäßig so gemischtes Publikum von 16 bis 78 erstmals für die plattdeutsche Sprache begeistern konnten.“

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erstellt am 01.Okt.2013 | 16:00 Uhr

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