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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. August 2017 | 23:02 Uhr

Wedel : Kunst, die in Erinnerung bleibt

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Große Resonanz bei Verleihung des Ernst-Barlach-Preises an den spanischen Expressionisten Jorge Rando.

„Hier kommt man auch nicht mehr durch“, stellte Heike Stockhaus, Leiterin des Ernst-Barlach-Museums, vor der Verleihung des Ernst-Barlach-Preises an Jorge Rando und der Eröffnung seiner Ausstellung „Neuer Expressionsmus aus Spanien“ fest. Auch Ignacio Sánchez de Lerín García-Ovies, Stellvertreter des spanischen Botschafters Pablo Garcia-Berdoy in Berlin, musste sich durch die weit mehr als 100 Besucher kämpfen. „Ich wurde seltsam angeschaut, als ich sagte, ich muss in die erste Reihe. Jetzt wissen ie warum“, scherzte er in seinem Grußwort.

„Jorge sorgt dafür, dass die Verbindung zwischen Málaga und Hamburg sehr stark ist“, sagte Francisco de la Torre Prados, Bürgermeister von Randos Heimatstadt Málaga, für den der Künstler selbst übersetzte und bei der Übersetzung korrigiert: „Auch zwischen Málaga und Wedel.“ Wedels Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) begrüßte die geladenen Gäste und die „Kunstfreunde“ auf Spanisch und räumte ein: „Damit sind meine Spanischkenntnisse voll ausgereizt.“ Drei Gründe hätten auch ihn überzeugt, dass die Wahl des Ernst-Barlach-Preisträgers richtig war: „Ich fühle mich Spanien sehr verbunden, seit meine Tochter drei Jahre in Madrid gelebt hat.“ Sie habe ihm auch die Begrüßung geschrieben und eine Sprachdatei zum Üben gesendet. „Ich sehe es als Zeichen, dass Europa nur gemeinsam existieren kann, wenn wir in einer Kleinstadt einem spanischen Künstler einen solchen Preis verleihen können“, sagte Schmidt. Der dritte Grund war sehr persönlich: „Diesen gibt es erst seit zehn Minuten. Ich finde, dass Jorge Rando ein unglaublich sympathischer Künstler ist.“ An Málagas Bürgermeister gerichtet, sagte Wedels Stadtoberhaupt: „Es ist Ihnen hervorragend gelungen, für ihre Stadt zu werben. Málaga steht ab sofort auf meiner Reiseliste weit oben.“

„Ich wollte die Ausstellung erst nicht zeigen“, sagte Kuratorin Stockhaus und erläuterte: „Religiöse Elemente sind mit der Gegenstandskunst nicht vereinbar.“ Dies werde aktuell in der Kunstwelt diskutiert. Dies sei aber ein zentrales Element seiner Serie „Passion“. Als sie die Werke immer wieder gesehen habe, sei ihr klar geworden, dass sie die Ausstellung zeigen müsse. „Sie wurde immer revolutionärer für mich. Religion in der Kunst verhält sich wie Homöopathie in der Medizin, sie tut nicht weh, aber kann anregend wirken“, sagte Stockhaus.

Im Erdgeschoss des Museums sind die Abbildungen von Prostituierten zu sehen. „Es gibt auch viele Bilder, die die Kunden zeigen. Die wollte ich aber nicht sehen“, erläuterte Stockhaus, warum nur Frauen gezeigt werden. „In ihnen sehe ich Maria Magdalena“, sagte Stockhaus und appellierte kritisch an potentielle Kunden der Liebesdamen: „Zahlen Sie doch zukünftig das Doppelte. Vielleicht hilft das den Frauen, ihre Zukunft anders zu gestalten.“

Nach der Laudatio von Robert Lucander, Professor an der Universität der Künste in Berlin, überreichte Jürgen Doppelstein, Vorsitzender der Ernst-Barlach-Gesellschaft, den mit 5000 Euro dotierten Preis mit den Worten: „Du schaffst Kunstwerke, die in Erinnerung bleiben. Sie sind wie ein Schlag gegen die Augenlider von innen.“ Rondo flüsterte bei der Übergabe leise und sichtlich berührt: „Dankeschön“.

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erstellt am 15.Mär.2016 | 16:00 Uhr

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