Kritik am Hafenkonzept

Sprechen für die besorgten Anwohner: Ekkehard Kniffka (links) und Dittmer Lorenz.
Sprechen für die besorgten Anwohner: Ekkehard Kniffka (links) und Dittmer Lorenz.

In einem Offenen Brief kritisieren Anwohner die Pläne für einen Traditionshafen in der Maritimen Meile / Ideenwettbewerb gefordert

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18. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Keine Nutzungsmöglichkeit für private Segler und Motorsportboote: Führt das Traditionshafen-Konzept von Edmund Siemers und seinen Mitgesellschaftern zu einem „toten“ Hafen? Das jedenfalls befürchten Anwohner, die in einem Offenen Brief an Bürgermeister und Politik das Konzept kritisieren. „Die Stadt Wedel darf sich nicht von einem potentiellen Hafenbetreiber drängen lassen, auch wenn es seit mehr als sechs Jahren nicht gelungen ist, einen geeigneten Betreiber zu finden“, sagen Jürgen Lowalt, Ekkehard Kniffka und Dittmer Lorenz im Namen „der besorgten Bürger“.

Das Konzept „Traditionshafen Schulau“, das der Hamburger Unternehmer Siemers gemeinsam mit Reeder Stephan Bracker und Andreas Bätjer, ehemaliger Betreiber von Schnalles Hafen, der Politik vorstellte, geht von einem Ensemble aus Pontonaufbauten und historischen Bauhüttenschiffen, so genannten Liegern, sowie einem Anleger für Traditionsschiffe aus. Zudem ist ein Wassertaxibetrieb vorgesehen. Eine offene Anlage zum Flanieren werde es nicht geben, hatte Siemers auf Nachfrage bestätigt.

Diesen fehlenden öffentlichen Zutritt und den Zustand der Lieger, die Siemers bereits im Hamburger Spreehafen liegen hat und nach Wedel umsiedeln will, sind ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner. Sie hätten sie sich angesehen und seien entsetzt über deren sehr alten und reparaturbedürftigen Zustand. „In einen modernen, 20 Millionen Euro teuren Hafen (plus 8 Millionen für die Ostpromenade) passen keine Hafen- und Schlicklieger oder schwimmende ‚Werkstattbaracken‘, die voraussichtlich sogar Entsorgungsprobleme, Lärm und Geruchsbelästigungen verursachen würden“, lautet ihr Fazit. Für eine nachhaltige und zukunftsfähige Lösung für einen modernen und von Wedelern sowie Besuchern geschätzten und genutzten Hafen wünschen sich die Konzeptkritiker einen Ideenwettbewerb, der die Bürger mit einbezieht. Da die Stadt bei dem vorgelegten Traditionshafen-Angebot in den nächsten zehn Jahren auf Hafenbetrieb-Einnahmen verzichten wolle, sei dafür dann ja auch ohne finanziellen Druck genügend Zeit vorhanden.

„Wir glauben nicht, dass der Hafen einen toten Eindruck machen wird“, sagte gestern Martin Schumacher, planungspolitischer Sprecher der FDP, auf Nachfrage. Er war vor Ort vom NDR-Fernsehen fürs Schleswig-Holstein Magazin befragt worden, die Liberalen hatten sich früh für das Traditionshafen-Konzept ausgesprochen. Die Pläne sähen vor, dass in den Liegern soziales Leben stattfinde, wie etwa Unterricht für Schulklassen. Auch Hochzeiten seien eine Idee, so Schumacher. Zudem sorgten die historischen Schiffe für Bewegung. Die machen nicht endgültig am Anleger fest, sondern seien durchaus noch unterwegs.


Auch private Segler sollen anlegen können

Dennoch wollen auch die Liberalen, dass zukünftig ebenso private Segler und Motorsportler im Hafen anlegen können. Das könnte zum Beispiel ein kommunaler Anleger im noch freien Teil des Hafens leisten, der vom Segel-Verein Wedel-Schulau betreut wird, so Schumacher. Die FDP hat für den Planungsausschuss am 23. Oktober, in dem das Thema auf der Tagesordnung steht, einen Antrag gestellt, um die Option durchrechnen zu lassen.

Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos), der sich ebenfalls gestern vor den NDR-Kameras äußerte, findet die Kritik der Anlieger vorschnell. „Die Kritik ist zum jetzigen Zeitpunkt unangemessen“, sagte er gegenüber unserer Zeitung, denn die Pläne seien noch gar nicht ausdiskutiert. Das Konzept sei so gut und interessant, dass er der Politik empfehlen wolle, ein positives Signal zur Machbarkeit zu geben. Das schließe Weiterverhandlungen ein, so Schmidt. Auch er befürworte es, dass Privatpersonen im Hafen anlegen können. Die Möglichkeit sei noch nicht ausgeschlossen. Das Konzept gebe den Investoren das Verfügungsrecht über den vorderen Teil des Hafens, nicht über den ganzen Bereich, betonte Schmidt. Zudem sei auch mit den Planern die Option für Gastliegeplätze noch nicht zuende besprochen. Und auch die öffentliche Zugänglichkeit sei noch nicht ausdiskutiert.

Die Behauptung der Kritiker, die Lieger machten einen schlechten und reparaturbedürftigen Eindruck, ärgert Schmidt. Ganz im Gegenteil, sie würden sehr gepflegt, sagte er. Auch ästhetisch findet der Verwaltungschef die Pläne reizvoll. „Das Traditionshafen-Konzept bildet einen interessanten Kontrapunkt zur modernen äußeren Hafengestaltung“, erläuterte Schmidt. Zudem erwartet der Bürgermeister weder Geruchs- noch Lärmbelästigungen. Da würden keine Werkstätten aufgebaut. Lediglich kleinere Reparaturen auf den Schiffen seien geplant.

Den dauernden Verweis auf die Traditionen haben die Kritiker gründlich satt: „Wir gucken nicht zurück, wir gucken in die Zukunft“, stellt Kniffka klar.

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