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Wedel : Kraftwerksdreck: SPD will drittes Partikel-Gutachten

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ein Arbeitskreis soll die streitenden Parteien an einen runden Tisch bringen. Das Vertrauen sei nachhaltig gestört, die Kommunikation ein Desaster. Hier gilt es laut SPD, anzusetzen.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 16:30 Uhr

Wedel | Sobald Hamburg in der Lage ist, Fernwärme für 120.000 Haushalte im Hamburger Westen bereitzustellen, könne das alte Kohlekraftwerk in Wedel abgeschaltet werden, betont Schleswig-Holsteins SPD. Politischen Druck auf den Nachbarn will sie trotz der Dringlichkeit der Probleme mit dem alten Meiler allerdings nicht ausüben. Sie geht den Weg der Diplomatie, wie die SPD-Landtagsabgeordneten des Arbeitskreises Umwelt, Energie, Agrar Thomas Hölck, Sprecherin Sandra Redmann und Kollege Stefan Bolln gestern in einem Pressegespräch erklärten.

Die verhärteten Fronten im Streit um die Giftigkeit von Partikeln, die das Kraftwerk seit Juli immer wieder auswirft, sollen mithilfe eines runden Tischs befriedet werden. Das Vertrauen sei nachhaltig gestört, die Kommunikation ein Desaster. Hier gelte es anzusetzen. „Wir wollen einen Weg finden, das Vertrauen wieder aufzubauen“, sagt Hölck, um die verfahrene Situation auf eine konstruktive Ebene zu bringen.

Hölck: „Wir haben bei Vattenfall echtes Bemühen erkannt“

Um sich ein umfassendes Bild zu machen, haben die drei SPD-Arbeitskreis-Mitglieder erst einmal mit allen Beteiligten gesprochen, deren Sichtweisen angehört. Zuletzt ließen sie sich gestern vom Werksleiter der Wedeler Anlage die Maßnahmen zur Minderung des Partikelausstoßes erklären. „Wir haben bei Vattenfall echtes Bemühen erkannt“, resümiert Hölck. Sie haben sich aber auch mit der Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ sowie besorgten Anwohnern zusammengesetzt und deren Forderungskatalog aufgenommen.

„Wir wollen“, fasst Hölck die Stoßrichtung der SPD zusammen, „dass ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben wird.“ Bisher liegen zwei Gutachten vor. Eines im Auftrag vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), der zuständigen Aufsichtsbehörde, das besagt, vom Auswurf gehe keine Gesundheitsgefahr aus. Und eins von der BI initiiertes, das dem ersten methodische Mängel attestiert und die gesundheitliche Unbedenklichkeit infrage stellt. Ein runder Tisch mit beiden Gutachtern, BI, Vattenfall, Ministerium, LLUR und der Stadt Wedel solle sich auf einheitliche Messmethoden, Parameter und auf die Stoffe, die zu untersuchen sind, einigen, um zu einem für alle annehmbaren Ergebnis zu kommen, so die SPD-Idee. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) habe der Forderung bereits zugestimmt, so Hölck. Allerdings unter der Prämisse, dass die Gremien der Stadt dies anschieben.

Spielplätze in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks

Darüber hinaus will die SPD die drei Spielplätze in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks erproben lassen. Das BI-Gutachten von Ökopol weise nach, dass in den Partikeln die Grenzwerte von Arsen und Nickel überschritten seien, so Hölck. Weil die Gifte wasserlöslich sind, sei eine Messung vorsorgender Gesundheitsschutz.

BI-Sprecherin Kerstin Lueckow freut sich über das SPD-Engagement, das „die gestörte Vertrauensbasis wieder auf eine normale Kommunikationsebene bringen will.“ „Wir freuen uns auf jeden runden Tisch“, sagt auch Hanne Harder. Die Mitstreiterin spielt damit auf einen weiteren Termin für ein Zusammenkommen an, den das LLUR den streitenden Parteien für den 22. Februar vorgeschlagen hat.

Eine gutachterliche Stellungnahme, die die BI in der Zwischenzeit beim Beratungsinstitut Fobig in Auftrag gegeben hat, sieht die größere Gefahr jetzt in den Luftschadstoffen, die eingeatmet werden. Nickel und Arsen müssten im Schornstein des Kraftwerks gemessen werden, lautet die Forderung. Die BI denkt zudem darüber nach, selbst für die Aufstellung von Auffanggefäßen für Ascheregen zu sorgen.  

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