Kraftwerk: Bürger lassen Dampf ab

Auf dem Podium diskutierten Dr. Monika Schaal (von links), Thomas Hölck, Kerstin Lueckow und Lothar Barop.
Auf dem Podium diskutierten Dr. Monika Schaal (von links), Thomas Hölck, Kerstin Lueckow und Lothar Barop.

Podiumsdiskussion: Hamburger SPD-Umwelt-Fachsprecherin hält Mailer-Abschaltung 2022 für fraglich

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17. Februar 2018, 16:00 Uhr

Es ging mal wieder um die Zukunft des Vattenfall-Kohlekraftwerks in Wedel. Die SPD hatte zu einer Podiumsdiskussion in den „Freihof am Roland“ eingeladen. Und obwohl frischer Schneematsch auf den Gehwegen den Weg für manche zur Schlitterpartie machte, war der Raum brechend voll. Mehr als 40 Zuhörer füllten die Reihen vor dem Podium.

Auf dem Podium diskutierten Dr. Monika Schaal, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende in der Hamburger Bürgerschaft und Fachsprecherin für Umwelt und Energie, der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Hölck, Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ und der Wedeler SPD-Chef Lothar Barop, der spontan für den erkrankten Ratsherrn Wolfgang Rüdiger eingesprungen war. Rüdiger selbst schaffte es noch, sein kurzes Referat über die „Haltung der Wedeler Verwaltung zum Kraftwerk“ vorzutragen, ehe er an Barop abgab.

Schaal brauchte sehr viel mehr Redezeit. Ihre Ausführungen zur Hamburger Sicht auf das Wedeler Kraftwerk waren zwar von einer bilderreichen Präsentation begleitet, enthielten aber keine verbindlichen Aussagen zum Anliegen der Wedeler, nämlich einem sofortigen Ende der Partikelberegnung in der Nachbarschaft der Anlage und einer möglichst zeitnahen endgültigen Ausmusterung des Vattenfall-Betriebs. Was da in Kraftwerksnähe herabrieselt und sich tief in Autolack, Glasscheiben und Terrassenböden hineinfrisst, illustrierte schließlich die Sprecherin der Bürgerinitiative mit aussagekräftigen Fotos.


Keine Neuigkeiten

Aber wirkliche Neuigkeiten konnte keiner vortragen, auch Hölck nicht, so sehr er sich auch mit seiner Forderung ins Zeug legte, das Kraftwerk dürfe für den Rest seiner Laufzeit keine Gefahr für die Gesundheit sein und keine Sachschäden verursachen. Ansonsten sei es sofort vom Netz zu nehmen.

Nur, ob und wann und wie das zu realisieren sei, blieb vage. Die Hamburger Fachsprecherin erwähnte zwar 2022 als angepeilten Zeitpunkt der Abschaltung, aber nur, wenn bis dahin alle Bauten und sonstigen Maßnahmen für eine ununterbrochene sichere Wärmeversorgung Hamburgs abgeschossen seien. Und genau davon war sie nicht überzeugt. Im Übrigen falle das Wedeler Problem in schleswig-holsteinische Zuständigkeiten. Vattenfall wiederum habe kein Interesse, viel Geld zur Sanierung der Filteranlagen aufzuwenden, wo das sichere Ende des Kraftwerks schon absehbar ist, urteilten mehrere Sprecher.

Und die zuständige Behörde LLUR, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume? Von der fühlten sich alle Diskussionsteilnehmer erst recht im Stich gelassen. Barop seufzte, er verliere angesichts der behäbigen und selbstgerechten Ämteruntätigkeit – und dabei schloss er die eigene Stadtverwaltung ein – langsam den Glauben an die Demokratie. Noch deutlichere Worte kamen aus dem Publikum. Da war sogar von Korruption die Rede. Und: „Warum ist der Bürgermeister eigentlich nicht hier? Ist dem das so egal, welche Bedrohungen unserer Gesundheit und welche Beschädigungen an unserem Eigentum wir hinnehmen müssen?“, wollten empörte Zuhörer wissen.

Nach zwei Stunden waren alle Fragen noch da, nur dass der Bürgerzorn eine Chance hatte, sich zu artikulieren. „Nehmen Sie wenigstens diesen Eindruck mit nach Hamburg“, baten die Wedeler die Umwelt-Fachsprecherin aus der Hansestadt.

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