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Kultur in Wedel : Kräftiger Applaus für „Was ihr wollt“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Premiere im Theater Wedel: Die Schauspieler überzeugen in Hagemanns Inszenierung von Shakespeares Komödienklassiker.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Mit heftig-rhythmischem Applaus hat das Premierenpublikum das Ensemble des Theater Wedels für seine Vorstellung von William Shakespeares turbulentem Komödienklassiker „Was ihr wollt“ belohnt. Mit geschlossener Leistung vergnügte die Mimengruppe gekonnt mit Liebeswirren, Lächerlichkeiten und geistreichem Wortwitz. Mit einem stillen Trauermoment wurde – bevor der Vorhang sich öffnet – dem kürzlich verstorbenen ehemaligen Intendanten Andrew „Andy“ B. Neil gedacht.

Viola (Davia Krogmann) entkommt nach einem Schiffbruch nur knapp dem Ertrinken und kann sich an die Küste Illyriens retten. Ihren Zwillingsbruder Sebastian (Timo Sauer) wähnt sie in den Fluten verloren. Zum eigenen Schutz gibt sie sich als Mann aus und tritt in die Dienste des Herzogs Orsino (Marko Lohmann), dem Herrscher Illyriens, für den sie schnell entflammt. Doch Orsino schmachtet unglücklich nach der schönen Gräfin Olivia (Barbara Kailuweit), die seine Werbungen jedoch zurückweist, weil sie um ihren verstorbenen Bruder trauert. Als der Herzog seinen „Bediensteten“ Viola als Liebesboten zur Gräfin schickt, wird die Verwicklung komplett: Olivia verliebt sich in den scheinbaren Mann. Und nicht genug: Auch Ritter Andreas (Jon Entichnap) würde die Gräfin gerne heiraten und ihr Hofmeister Malvolio (Gerhard Seel) hat ebenfalls ein Auge auf sie geworfen. Keine Hilfe sind ihr trinklustiger Onkel Tobias (Fritz Peleikis), Zofe Maria (Erika Wildgruber), Narr Feste (Hans-Michael Reimer) und Höfling Fabian (Wolfgang Muschter), die eigene Ziele verfolgen und Brandbeschleuniger des leidenschaftlichen Treibens Illyriens sind.


Geschlossene Leistung des Ensembles


Shakespeares Komödie lebt von ihrem heiteren Trubel, bei dem sich das Pathos der leidenschaftlich Entflammten, vergnügliche Komplotte und Lächerlichkeiten abwechseln. Mit Zeit, das Genre selbst zu persiflieren: Der gute Geist der Komödie beschworen, Malvolio solle den Brief doch laut vorzulesen. Geistreicher Wortwitz und eine reiche Metaphernsprache zeichnen auch dieses Stück des Dichtertitanen aus: Wie alt der Bote sei? „Nicht alt genug für einen Mann und nicht jung genug für einen Knaben. Wie eine Hülse, bevor Erbsen drin sind“, so Malvolio.

Der erforderlichen Turbulenz wird das Ensemble unter Regie von Günter Hagemann mit einer geschlossenen Leistung gerecht. Lohmann spielt die Grandezza des Herzogs Orsino mit Stolz und Begehrlichkeit angeschwellt. Kailuweit gelingt es, die jugendliche Lieblichkeit der schönen Gräfin zu versprühen. Als vorgetäuschter Mann versteht es Krogmann nicht nur breitbeinig wie ein Kerl zu sitzen, sondern bereitet mit ihrem wohltuend zurückgenommen Spiel dem Treiben der Nebenfiguren das Feld. Urheber des Vergnügens sind vor allem Peleikis, der bezaubernd den notorisch angetrunken Tobias und dessen Strolchen voller Energie auf die Bühne bringt, sowie Entichnap als zügellos lächerlicher Ritter. Seel macht nicht nur als steif-herrischer Malvolio eine gute Figur, sondern belustigt in gelben Socken auch liebestoll. Hämische Inbrunst kann man gekonnter kaum sehen als bei Muschters Fabian. Sauer gibt den weibischen Zwillingsbruder Violas, ohne zu überziehen, glänzend. Als Männer-Fuchtel mit Hang zur Intrige überzeugt auch Wildgruber und Reimer gelingt ein maliziöser Narr, der dem komödiantischen Schwall Brüche zu verleihen versteht. In weiteren Rollen zu sehen sind: Malte Gauger als Orsinos Höfling Curio, Hans Kall als Schiffshauptmann Antonio, Jason Lumpe als Kapitän und Gerta Hellriegel und Sabine Semprich als Wachen.


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