Konzert-Premiere am Karfreitag

Der Chor Cantate Appen-Moorrege tritt am Freitag in der St.-Gabriel-Kirche auf.
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Der Chor Cantate Appen-Moorrege tritt am Freitag in der St.-Gabriel-Kirche auf.

In der Haseldorfer St.-Gabriel-Kirche gibt es eine Haydn-Komposition in einer Neufassung zu hören

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28. März 2018, 16:00 Uhr

In der Haseldorfer St.-Gabriel-Kirche gibt es wieder einmal eine Premiere. Kantor Jörg Dehmel (Foto) hat sich für das traditionelle Karfreitagskonzert von Joseph Haydn inspirieren lassen. „Es ist etwas Besonderes, weil die Musik in dieser Form noch nie erklungen ist“, betont Dehmel. Zur Aufführung kommt das Werk „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“.

Bereits im frühen Mittelalter wurde begonnen, die vier Evangelien als eine einzige zusammenhängende Geschichte zusammenzufassen, es entstanden die sogenannten Evangelienharmonien, sagt Dehmel. So bildete sich auch eine gemeinsame Betrachtung der auf die verschiedenen Evangelien verteilten Worte Jesu am Kreuz heraus, die sich schnell großer Beliebtheit erfreute. Denn hier war abseits der offiziellen Liturgie der individuelle und affektive Zugang zum Leiden Christi für jeden einzelnen Gläubigen möglich. Dabei spielte die Musik eine gewichtige Rolle, so dass zahlreiche Vertonungen der „sieben Worte“ existieren. 1785 wurde Haydn beauftragt, für den Karfreitagsgottesdienst in Càdiz dazu eine Instrumentalmusik zu schreiben. Die Komposition war in der ersten Fassung eine reine Instrumentalkomposition für großes Orchester.

Um es einer breiten Zuhörerschaft zugänglich zu machen, arbeitete Haydn seine Komposition für Streichquartett um und ließ einen Klavierauszug anfertigen. Wahrscheinlich 1794 wohnte er einer Aufführung der „Sieben Worte“ in Passau bei. Der dortige Domkapellmeister Joseph Friberth hatte in Anlehnung an den Oratoriumstext „Der Tod Jesu“ von Karl Wilhelm Ramler einen deutschen Text verfasst und in die Haydnsche Instrumentalkomposition Singstimmen hineingeschrieben, ohne den originalen Orchestersatz zu verändern. Haydn war von dieser Idee im Prinzip sehr angetan, nur hielt er die Komposition der Gesangsstimmen für nicht gelungen. Dehmel: „So kam es zu dem seltenen Fall in der Musikgeschichte, dass ein Komponist die Bearbeitung seines Werks durch einen Fremden selbst noch einmal überarbeitete.“ Der Haseldorfer Kantor hat nun abermals eine Veränderung vorgenommen und den Text sowie die Gesangsstimmen ausgetauscht.

Haydn hat in seiner Orchesterfassung jeweils am Beginn der Stimme der ersten Violine den lateinischen Text des Titels unterlegt, so dass deutlich wird, dass er sich von den Worten direkt hat inspirieren lassen. Diese Verbindung von Wort und Musik geht in der deutschsprachigen Fassung vollständig verloren. „Deshalb haben wir zunächst auf die originalen Bibeltexte in lateinischer Sprache, die Haydn offensichtlich vorgeschwebt hatten, zurückgegriffen“, erläuterte Dehmel. Mithilfe der früheren Pröpstin Monika Schwinge, die in das Werk einführen wird, wurden weitere Bibeltexte – vor allem des Propheten Jesaja und aus dem Psalter – konsequenterweise auch auf lateinisch – ergänzt. Dies führte dazu, dass die Gesangsstimmen erheblich umgearbeitet und quasi neu konzipiert werden mussten. Mitwirkende sind Daniela Specker (Sopran), Kerrin Brinkmann (Alt), Fridtjof Schultz-Falke (Tenor), Malte Schulz (Bass), der Chor Cantate Appen-Moorrege und das Ensemble mit historischen Instrumenten.

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