Klimaschützerin im Selbstversuch

Simone Zippel will mit der Plastikvermeidung weitermachen.
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Simone Zippel will mit der Plastikvermeidung weitermachen.

Ohne Plastik leben – geht das? Simone Zippel hat es ausprobiert

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26. Januar 2018, 16:00 Uhr

„Es ist ziemlich hart“, bekennt Simone Zippel entwaffnend ehrlich. Die Wedeler Klimaschutzmaganerin lebt gerade im Selbstversuch. Seit Montag vergangener Woche, also seit elf Tagen, versucht Zippel, plastikfrei zu leben. Und stößt dabei durchaus an ihre Grenzen. Aber das entmutigt die Klimaschützerin nicht: „Es geht um die Idee, es geht darum, neue Wege zu gehen“, sagt sie zuversichtlich.

Den Einfall zu dem Experiment bekam Zippel durch ihre Kollegen. Die Klimaschutzmanager Schleswig-Holsteins haben sich zu einem informellen Netzwerk zusammengeschlossen, das neben Austausch und Unterstützung seit dem vergangenen Jahr auch gemeinsame Aktionen durchführt. Eine davon: der Klima-Blog Schleswig-Holstein. Das Web-Tagebuch, das seit dem 8. Januar online steht, ist das Sammelbecken für die Selbstversuche. Unter Überschriften wie „Eine Woche Stromkontrolle“, „Eine Woche vegan“ oder „Eine Woche E-Auto-Praxistest im Winter“ berichten die Klimaschützer von ihren persönlichen Erfahrungen, von Höhen und Tiefen im Selbstversuch.

„Das Plastikthema brennt mir unter den Nägeln“, bekennt Zippel zu ihrer Aufgabenstellung. Wieso ist der Eimer für den Gelben Sack eigentlich immer voll, habe sie sich gefragt – und letztlich ohne sich groß Gedanken zu machen mit der Plastikvermeidung angefangen. „Die erste Woche war ich komplett überfordert“, gibt sie zu und lacht. Eine immer wiederkehrende Frage, die sie sich stellte, lautete: „Wo beginnt mein Engagement, wo endet es?“ Ihre elektrische Zahnbürste mochte Zippel beispielsweise nicht gegen eine Holzzahnbürste tauschen. Tomaten ohne Plastiktütchen einzukaufen war hingegen ein Kinderspiel. Im Supermarkt hat sie nur loses Gemüse genommen und die Preisaufkleber, die sie wegen empfindlicher Haut nicht direkt aufbappen mochte, einfach mit auf andere Schalen geklebt.

Sie habe auf Großpackungen verzichtet, dafür aber schmackhaftere Produkte bekommen, sagt Zippel, „also absolut kein Opfer“, resümiert sie. Der Unverpacktladen „Stückgut“ in Hamburg-Ottensen war der Testerin eine Offenbarung. Ihre Lieblingsschokolade gab es dort im Bruch – und sogar billiger als üblich. Aber auch Cerealien, Nudeln und sogar Waschmittel werden dort lose verkauft. Beim Deo aus dem Drogeriemarkt musste Zippel Kompromisse schließen. Ist das Gehäuse aus Glas, bleibt oft der Deckel aus Plastik. Gibt es für Käse und Fleisch im Supermarkt keine Theke, ist es laut Zippel ein Trauerspiel. Aber auch mit Theke bleibt das Plastiktütenproblem. Die Testerin rät, sich zu informieren. Mitgebrachte Behälter dürfe man auf die Ablage stellen. Die Verkäufer nehmen sie entgegen und befüllen sie.

Schwierig wird’s für Zippel bei Pflegeprodukten. Die enthalten häufig Mikroplastik. Hier müsse sie sich erst langsam herantasten. „Die man mag, verlässt man nicht so gern“, sagt sie selbstkritisch. Sonst aber ist die Klimaschützerin sehr fürs Umdenken. Sie will mit ihrem Blog-Eintrag andere motivieren. „Augen offenhalten, neues ausprobieren“, rät sie. Verbraucher sollten gern auch mal im Supermarkt nachfragen, wieso es keine Papiertüten fürs Obst gibt. Denn nur, wenn man die Probleme anspricht, setze ein Umdenken ein.

„Plastikfrei geht nicht, ich hab immer noch mein Smartphone“, räumt Zippel ein. Ihr geht es ums Bewusstwerden. „Man blickt mit anderen Augen die Welt an“, ist ihre Erfahrung. „Und die ist in Plastik gehüllt“, stellt die Klimaschützerin durchaus schockiert fest.

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