Klassik vor Feuerwerks-Kulisse

Die Kantorin an der Immanuel-Kirche, Susanne Krau, hatte das Programm zusammengestellt und sich für ihr letztes Silvesterkonzert besonders schöne Stücke an der Orgel herausgesucht.
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Die Kantorin an der Immanuel-Kirche, Susanne Krau, hatte das Programm zusammengestellt und sich für ihr letztes Silvesterkonzert besonders schöne Stücke an der Orgel herausgesucht.

In Wedeler Immanuel-Kirche erklangen spannende Werke bekannter und weniger bekannter Komponisten / Draußen wurde geböllert

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02. Januar 2018, 16:00 Uhr

Wenn in der Immanuel-Kirche das Silvesterkonzert ansteht, müssen die Mitglieder der ausrichtenden Kirchengemeinde Wedel ganz schön schleppen. So auch am letzten Tag des vergangenen Jahres: Da galt es, Stühle, Stühle und nochmal Stühle in jedem freien Eckchen des Gotteshauses aufzustellen, denn die Kirchenbänke reichten ganz und gar nicht, um die vielen Musikfreunde aufzunehmen, die vor der ganz großen Ballerei noch einmal wohlige Klänge genießen wollen. Und wenn es draußen rund um die Kirche auch mal böllerte und durch die gefärbten Kirchenfenster Sternengefunkel drang – das passte irgendwie zum Konzert und war durchaus kein Störfaktor.

Die Trompetenspieler Moritz Kröger, Ingo Noelle und Michael Ohnimus sowie Rüdiger Funk an der Pauke und Susanne Krau an der Orgel begrüßten ihr Publikum von der Empore aus ganz tagesaktuell mit der Ouvertüre der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel.
Händel hat die Feuerwerksmusik zum Aachener Frieden für den britischen König Georg II. im Jahr 1749 geschrieben. Der König wollte die Musik zu einem Feuerwerk in London militärisch, Händel dachte da eher an tanzbare Melodien, mit denen die Londoner Bevölkerung das Ende des Österreichischen Erbfolgekrieges viel fröhlicher feiern konnte. König Georg bestand auf ausschließlich militärische Instrumente wie Pauken und Trompeten. Händel schummelte in seine Komposition trotzdem reichlich Streichinstrumente hinein, Fideln, also Geigen, die der König ganz und gar nicht wollte.

In der Immanuel-Kirche erklang also die Königs-Variante, allerdings mit nur drei Trompeten und einer Pauke. Die reichten aber, um das doch nicht gerade große, blau gekachelte Kirchenschiff mit der enormen Akustik furios zu füllen. Als die Musiker zum Abschluss von der Empore auf den Boden des Kirchen-Events zurückkehrten, wurde deutlich, dass drei Trompeten bei der Zugabe von „Bugler's Holiday“ etwas gedämpfter durchaus eindrucksvoll sind.
Susanne Krau hatte sich gleich für zwei Stücke den nicht allzu bekannten französischen Orgel-Komponisten Alexandre Guilmant (1837-1911) herausgesucht, dessen Kompositionen einen ganz eigenen französischen Orgel-Romantik-Stil hervorgebracht haben, wunderschön anzuhören und von Susanne Krau fröhlich und temporeich interpretiert.

Eine ähnliche Auswahl traf sie mit einem Werk des französischen Orgelmusikers Lefébure-Wély, der in seiner Schaffenszeit volkstümliche Elemente des Can-Can, der Salonmusik und der Operette mit der französischen Romantik in seinen Orgelkompositionen verband. Die Trompeten glänzten besonders mit der Sonata Grossa in D-Dur von Johann Melchior Molter, dem „italienischsten“ Komponisten seiner Zeit (1696-1765). Hier sei auch noch einmal speziell Rüdiger Funk mit seiner Pauke erwähnt, der sie nicht aufdringlich einsetzte, sondern wohltuend und sie für die gesamte Musik förderlich schwungvoll im Hintergrund betonte.

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