zur Navigation springen

SHMF in Haseldorf : Klangfülle mit Stereoeffekt beim letzten Haseldorf-Konzert

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Von Subkontrabassflöte bis Piccolo: Im vollen Rinderstall begeisterten „14 Berliner Flötisten“ beim letzten Haseldorf-Konzert der Saison.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2015 | 17:00 Uhr

Haseldorf | Auf der Bühne in Haseldorfs Rinderstall stapelten sich am Montag riesige gebogene Metallrohre. Dabei handelte es sich nicht um „abgebrochene Teile einer Raumstation“, wie der Moderator des Konzertabends, Klaus Wallendorf, vermutete – sondern um Bassflöten. Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals reiste das Ensemble „14 Berliner Flötisten“ an und hatte neben den allseits bekannten Querflöten, Goldflöten und Piccolos auch diese Exoten im Gepäck.

Die außergewöhnliche Besetzung und das ausgewogene Programm von Mozart über Tschaikowsky bis zu Siegfried Matthus füllten die Reihen: alle 1200 Karten waren verkauft. Die vielen Besucher wurden begrüßt von Wallendorf, der nicht nur Hornist der Berliner Philharmoniker ist, sondern laut Programmheft auch „Möchtegern-Kabarettist und Buchautor“. Mit gewichtiger Mine trug er im Stil einer Klassik-Moderation ordentlich Seemannsgarn mit russischem Akzent zu den Stücken und Komponisten vor. Er erfüllte aber auch Musikwünsche, wie Rimsky-Korsakoff: „Der Madrigalchor der Steuerfahndung Elmshorn wünscht sich den Hummelflug.“

Die 14 Flötisten demonstrierten ein harmonisches und ausgewogenes Zusammenspiel mit lauter Publikumslieblingen – darunter „Die Hochzeit des Figaro“, „Der Nussknacker“ und Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“. Ihre Arrangements sorgten für einen Stereoeffekt, dadurch, dass die Melodieführung regelrecht durch den Raum wanderte.

Hiko Iizuka (l.) und Klaus Schöpp zeigen ihre Bassflöten. (Foto: Kowalewski)
Hiko Iizuka (l.) und Klaus Schöpp zeigen ihre Bassflöten. (Foto: Kowalewski)
 

Erstaunlich waren die unterschiedlichen Klangfarben, die das Flötenensemble dabei hervorbrachte: Die Holzflöte vom Ensembleleiter Andreas Blau hell und durchdringend, die Goldflöten dunkel, die Bässe dumpf. Vor allem die füllende Tiefe der Bass- und Kontrabassflöten sowie der Subkontrabassflöte, von der es nur wenige weltweit gibt, ließen vergessen, dass nur Flöten spielten. Richtig schrill wurde es nur einmal: Matthus’ modernes „Des Meeres und der Flöten Wellen“ erforderte am Ende ausschließlich Piccolos im forte – ein komponierter Tinnitus.

Das Publikum war fasziniert und harrte lange aus. Auch Gastgeber Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden kommentierte zum letzten Haseldorfer SHMF-Konzert dieses Jahres: „Das war mit das längste Konzert, das wir hier hatten. Es war herrlich, so etwas haben wir hier noch nicht erlebt.“ Auch dieses Jahr zeigte sich: Die Exoten locken die Massen, das neue Festivalkonzept geht auf.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen