Wedel : Kita-Gebühren: „Schmerzgrenze überschritten“

Die neunte Betreuungsstunde wird ab dem kommenden Kita-Jahr in Wedel gesondert abgerechnet.
Die neunte Betreuungsstunde wird ab dem kommenden Kita-Jahr in Wedel gesondert abgerechnet.

Kreiselternvertreterin Nadine Mai äußert Kritik am Umgang von Teilen der Politik und Verwaltung mit den Protesten der Kita-Eltern.

shz.de von
21. Mai 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Mittwochvormittag vor dem Rathaus Wedel: Erzieherinnen und andere Pädagogen aus dem ganzen Kreis demonstrieren für mehr Geld und mehr Anerkennung. Von der Kreiselternvertretung (KEV) erhalten die Streikenden vorerst Rückendeckung. Dabei sind gerade die Wedeler Eltern selbst auf Zinne. Um den Haushalt zu konsolidieren, hatte die Politik zuletzt beschlossen, die neunte Betreuungsstunde gesondert abzurechnen. Für die stellvertretende Vorsitzende der KEV, Nadine Mai, war die Schmerzgrenze allerdings schon vorher überschritten.

332 Euro monatlich für einen Elementarplatz seien zu viel. Familien mit drei Kindern würden derzeit mit mehr als 1000 Euro im Monat belastet. „Die Folgen sind klar und werden bereits sichtbar“, so Mai im Gespräch mit dieser Zeitung: Umzüge von Familien, Reduzierung von Arbeitszeiten, weniger Kinder. „Unterm Strich gehen Wedel so Steuereinnahmen und Gemeindemitglieder verloren.“ Das Argument, es sei gerecht, dass Eltern die eine neunte Betreuungsstunde benötigen, diese auch bezahlen, kontert Mai: „Die Kernöffnungszeiten orientieren sich nicht am Bedarf der Familien.“ Ganztagsbetreuung müsse bedeuten, dass Eltern eine Vollzeitstelle besetzen können. In einer Pendlerstadt wie Wedel sei dies mit nur acht Stunden Betreuung in der Tagesstätte unmöglich. „Zum Hauptbahnhof Hamburg fährt ein Regionalzug von Wedel 45 Minuten. Diese Fahrtzeit wird nicht vom Arbeitgeber bezahlt, muss aber in vielen Fällen an die Kita gezahlt werden“, beschreibt Mai die Problematik.

Die Eltern hatten mit vielfältigen Protestaktionen versucht, die kostenpflichtige neunte Betreuungsstunde zu verhindern, diskutierten in den Gremien mit den Politikern. Die Form der Debatte sieht Mai zwiespältig: „Die Gesprächsbereitschaft von Verwaltung und Politik war immer sehr hoch“, lobt die KEV-Vertreterin. Allerdings habe man das Gefühl gehabt, dass bereits verfestigte Meinungen zu diesem Thema existiert hätten. „Besonders hart für mich ist, dass angeführte Sorgen, etwa um die finanzielle Existenz, von einigen Fraktionen und auch dem Bürgermeister heruntergespielt wurden“, kritisiert Mai. Ihr vorläufiges Fazit zu den Protesten: „Wir haben alles getan.“ Neue Ideen, wie man auf die enorme Belastung der Eltern aufmerksam machen könne, würden aber diskutiert. „Wir werden diese Probleme weiter ansprechen.“

Der Wunsch der KEV: eine einkommensabhängige Staffelung der Kita-Gebühren - zusätzlich zur Sozialstaffel für Härtefälle. Ein mögliches Konzept sei die „Zehn-Prozent-Regel“: Keine Familie soll mehr als zehn Prozent des Familieneinkommens für Kita-Gebühren zahlen müssen.

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