Kirchenmusiker aus Leidenschaft

Die spieltechnische Fülle reizt den Musiker. Daniel Cromm an seinem Arbeitsplatz: die Orgel der Immanuelkirche
Die spieltechnische Fülle reizt den Musiker. Daniel Cromm an seinem Arbeitsplatz: die Orgel der Immanuelkirche

Wedels neuer Kantor Daniel Cromm (28) tritt in der Immanuelkirche seine erste feste Stelle an

shz.de von
04. August 2018, 16:00 Uhr

Sein Weg zum Kirchenmusiker war beeindruckend gradlinig. Und auch wenn Daniel Cromm mit seinen noch recht jungen 28 Jahren bereits reichlich Erfahrungen sammeln konnte, steht der neue Kantor der Immanuel-Kirchengemeinde doch mit reichlich Respekt vor den Aufgaben seiner ersten festen Stelle. Herausgefordert fühle er sich, sagt er und lacht. Dabei ist zu spüren, dass er sich auf das, was kommt, freut. Er sei aber auch ein wenig erschlagen, gibt der junge Kirchenmusiker unumwunden zu. In erster Linie von der enormen Dicke des Übergabeordners, den er bereits ausgehändigt bekommen und auch schon durchgearbeitet hat. Seit dem 1. August ist Cromm offiziell als Kantor der Immanuelkirche im Amt.

Aufgewachsen ist Cromm in einem Dorf in der Nähe von Karlsruhe. Doch einen badensischen Klang hört man in seiner Stimme nicht. „Richtig Dialekt habe ich eigentlich nicht gesprochen“, sagt er nach einigem Nachdenken. Doch dann fällt ihm seine Oma ein, mit der schon. Wie er Noten gelernt hat, daran kann sich der Vollblutmusiker gar nicht mehr erinnern. Im Kindergarten bekam er nicht nur musikalische Früherziehung, sondern auch den ersten Blockflötenunterricht. „Mit sieben Jahren hab ich dann mit Klavier angefangen.“

Zur Orgel ist Cromm während seiner Konfirmandenzeit gekommen. Dort gabs für den 14-Jährigen den ersten intensiven Kontakt mit dem Instrument. Der Organist, bei dem er Unterricht nahm, war nicht nur ausgebildeter Orgelspieler, sondern auch Musikpädagoge. Ein Glücksfall, sagt Cromm. „Nach einem Jahr habe ich zum ersten Mal im Gottesdienst gespielt.“ Danach wurde der Junge schnell fest in die Kirchendienste eingeplant.

Cromm sammelte in der Folgezeit reichlich Spielerfahrung. Doch aus dem Orgelbuch die Stücke einfach runterspielen, das war nichts für ihn. Er wollte improvisieren. Die Begleitung – im Gesangbuch steht nur die Melodie – und das Vorspiel selbst erarbeiten. „Das fiel mir sehr leicht“, bekennt er. Auch heute noch ist die Orgel für ihn die Königin der Instrumente. Jede sei anders, erklärt er begeistert. Sie ist sehr komplex zu bespielen. „Diese Möglichkeiten den Klang zu gestalten, das hat man an keinem anderen nicht elektronischen Instrument. Eine große Spielwiese“, schwärmt Cromm. Schon zu Schulzeiten machte der Junge die kirchenmusikalische D-Ausbildung. Trotzdem war Cromms Weg zum Organisten nicht vorgezeichnet. Mediziner, Pfarrer und Lehrer habe er sich auch vorstellen können.

Den Ausschlag gab Cromms erste Berührung mit Chorarbeit. „Chorleitung, da habe ich schnell gemerkt, dass es meins ist“, sagt er und lacht. Aber auch sein erstes Kantoreikonzert, „Elias“ von Mendelssohn, schlug gewaltig bei ihm ein. Danach hatte er über seinen Berufswunsch Gewissheit: „Das und nichts anderes muss es sein“, stand für ihn fest. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in der Altenpflege studierte Cromm Kirchenmusik in Heidelberg und machte 2017 mit dem A-Examen seinen Abschluss.

In Wedel habe er sich ganz bewusst beworben. Cromm wollte nach Norddeutschland. „Die Nordsee ist für mich total anziehend.“ Auf dem Deich könne er stundenlang entlanglaufen, bekennt er. Und Hamburg sei die einzige Metropole, die er überhaupt möge. „Ich möchte unbedingt meinen Bootsführerschein machen“, sagt er. Dass er ein glückliches Los gezogen hat, beweisen ihm auch die Kommentare aus der alten Heimat auf ein Bild von der Elbe, das er postete. „Die waren alle todneidisch“, sagt er lachend.

An die Orgel in der Immanuelkirche muss sich Cromm allerdings noch gewöhnen, gibt er freimütig zu. „Man sitzt hier direkt vor den Pfeifen.“ Das ist laut. Aber es gibt ja auch Ohrstöpsel. Das Instrument, das aus den 1950er Jahren stammt – für den Orgelbau eine schwierige Zeit – habe einen sehr schönen homogenen Klang. Die „7 x 31“-Konzertreihe, die die Orgel in regelmäßigen Abständen mit anderen Instrumenten zusammenbringt, will er auch im nächsten Jahr auf alle Fälle fortsetzen.

Cromm ist angekommen. Zwar wohnt er noch mit seinem Ehemann zusammen im benachbarten Rissen. Doch nur vorübergehend. Im September können der Erzieher und Wedels neuer Kantor ihre Bleibe in der Rolandstadt beziehen.

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