Kinder auf den Spuren ihrer Ahnen

Die Reepschläger zeigten den Kindern das Seildrehen, hier Gerd Richert mit Julian (9) am Rad des Seilgeschirrs.
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Die Reepschläger zeigten den Kindern das Seildrehen, hier Gerd Richert mit Julian (9) am Rad des Seilgeschirrs.

Drittklässler der Grundschule Haseldorf sind im Heimatmuseum Haselau zu Gast / Reepschlägerhandwerk kennengelernt

shz.de von
07. Juni 2018, 16:00 Uhr

Der letzte Besuch einer Schulklasse im Haselauer Heimatmuseum lag lange zurück. Immer wieder wurde im „Verein für Sammlung und Erhalt historischer Gegenstände“ unter seinem Vorsitzenden Dieter Günther beratschlagt, was zu tun sei, um neben dem Besuch vieler Touristen auch die Kinder aus der Region für das Leben ihrer Ahnen zu interessieren. Umso größer war die Freude bei den Mitgliedern des Vereins, als sich die dritte Klasse der Grundschule Haseldorf mit ihrer Sachkundelehrerin Marina Pflüger zu einer Führung anmeldete.

Am Dienstag wurden die Mädchen und Jungen, ihre Lehrerin sowie die Schulbegleiterinnen Filiz Waage und Katharina Hetzer von den Haselauer Reepschlägern Gerd und Dieter Richert, Klaus Schwerin, Jonny Carstens und Uwe Schättiger in Empfang genommen. Sie gehören mit vier weiteren Seilherstellern zu einer eigenständigen Gruppe innerhalb des Vereins.

Noch vor der Besichtigung der beiden Museumshäusern diesseits und jenseits der Haseldorfer Chaussee 50 a zeigten die Reepschläger den Grundschülern vor dem Museum das alte Handwerk. Fasziniert schauten die Jungen und Mädchen zu, wie Seile früher in Handarbeit entstanden. Einige von ihnen durften sogar selber an das Gerät. Die Reepschläger erklärten den Drittklässlern das alte Handwerk ganz genau und demonstrierten die Technik an dem Seilgeschirr. Das ist ein feststehendes Holzgerät mit vier drehbaren Haken, den so genannten Warbeln, und dem beweglichen Schlitten, der einhakigen Spinnmaschine. Zwischen diesen beiden Blöcken wird ein Seil mit drei oder vier Strängen hin und her gezogen und dann durch das Drehen des Rades zu einem Seil zusammengedreht. Mit Hilfe eines vierschäftigen Leitholzes - einer Lehre – werden die einzelnen Stränge vor dem Schlitten auseinander gehalten. Früher sei das „Reep“ – das Seil – aus Hanf geschlagen worden, erzählten die Haselauer Reepschläger. Heutzutage würden sie meist Plastikseile in verschiedenen Farben verwenden. Das Resultat konnte sich sehen lassen und wurde auch gleich als Seilspringen eingesetzt. Ein Kinderspiel, welches holländische Auswanderer vermutlich im siebzehnten Jahrhundert nach Amerika exportierten und auch heute noch überall im Einsatz ist.

Mit großem Interesse bestaunten die Kinder die alten Gebrauchs- und Arbeitsgegenstände ihrer Vorfahren aus der Marsch und konnten kaum glauben, wie hart die Menschen damals für Essen, Trinken, Kleidung und Unterkunft arbeiten mussten. In ihrem Unterricht werden sie den Vergleich zwischen dem Leben von damals und von heute ziehen. Ihre Lehrerin hatte sich gewünscht, zu diesem Thema alle Sinne ihrer Schüler in dem Museum aktivieren zu können. Pflüger wurde nicht enttäuscht. Sie sagte, sie freue sich sehr über das Anschauungsmaterial und die vielen Erzählungen der Museumsmitglieder, welche den Haseldorfer Schülern und ihr die Möglichkeit geboten hätten, direkt vor Ort „nachvollziehbar über die Vergangenheit“ zu erfahren, so die Pädagogin.

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