Entscheidung gefordert : Keine zusätzliche Kraft fürs JRG

Der Antrag der CDU setzte auf eine Kontingentverschiebung.
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Der Antrag der CDU setzte auf eine Kontingentverschiebung.

Ausschussmitglieder vertagen die Entscheidung über Stundenaufstockung für Schulsozialarbeit am Gymnasium.

shz.de von
31. März 2017, 12:00 Uhr

Wedel | Soziale Probleme im Schulalltag erreichen in massiver Weise auch das Johann-Rist-Gymnasium: Die Schule stellte ihre dramatische Situation im Bildungsausschuss dar, doch die Kommunalpolitiker mochten nicht sofort handeln. Mit der Mehrheit von CDU, SPD und Grünen wurde in der jüngsten Sitzung das Thema Stundenaufstockung für die Schulsozialarbeit am Gymnasium aufs kommende Treffen Mitte Mai vertagt, um eine Anhörung aller Schulleiter zu ermöglichen.

Der Jahresbericht der Verwaltung zur Schulsozialarbeit, der unter anderem aufzeigt, dass dem JRG mit 30 Wochenstunden nur etwa die Hälfte des Kontingents der anderen weiterführenden Schulen zur Verfügung steht, sowie ein Brandbrief von Personalrat und Schulleitung hatten für Anträge von WSI und CDU gesorgt.

Die WST forderte eine zusätzliche 30-Stunden Stelle. Ideen für eine haushaltsneutrale finanzielle Kompensation möge die Verwaltung finden, so die schriftliche Formulierung des Antrags. Mündlich schob Birgit Neumann-Rystow allerdings einen Vorschlag nach: Die durch die Absenkung der Sozialstaffel in Wedel frei gewordenen 45.000 Euro, „die noch irgendwo im Etat rumschwimmen“, könnten für die Sofortmaßnahme genommen werden.

Der Antrag der CDU setzte auf eine Kontingentverschiebung. Die Pestalozzischule wandle sich zum Zentrum für sonderpädagogische Aufgaben, da würden möglicherweise Kapazitäten in der Schulsozialarbeit frei, begründete Sprecherin Heidi Garling. Zudem müsse die Gesamtsituation für einen etwaigen neuen Zuschnitt betrachtet werden. Heidi Keck von der SPD sah dort einen Anknüpfungspunkt. Dass vor der Entscheidung geprüft werden solle, sei richtig. Wenn nicht nur die Pestalozzischule, sondern auch die anderen Schulen in den Blick genommen würden, gehe die SPD mit.

Fehlende Information

„Das Stundenabziehen von anderen Schulen unterstützen wir nicht“, sagte Petra Kärgel für die Grünen. Ihr fehle in der Diskussion die Information über den wirklichen Bedarf an Stunden. Auch die 45.000 Euro wollte die Grüne nicht anrühren: „Ich bin dagegen, die Stelle mit dem Geld zu kompensieren, mit dem die Eltern entlastet werden sollen“, sagte sie. Auch Detlef Murphy (Linke) sprach sich gegen ein Umschichten aus. Am Förderzentrum dürfe nicht gespart werden. Er unterstütze den schriftlichen Antrag der WSI, allerdings mit dem Zusatz, die Suche nach Kompensation auch auf andere Fachbereiche auszuweiten: „Nicht ressortübergreifende Gegenfinanzierung ist gerade im Bildungsbereich Gift“, bekannte er. FDP-Ausschussmitglied Peter Heinze zog da mit. Er wünsche sich allerdings auch mehr Ursachenforschung, so Heinze.

Die Frage des Gremiums, warum jetzt auch im Gymnasium so massive soziale Probleme auftauchten, beantwortete Schulleiter Bertram Rohde mit drei Fallbeispielen. Bei Schülern, die abgeschoben werden sollen, die trotz Schulbegleitung verstörendes agressives Verhalten zeigen oder die ein Trauerfall aus der Bahn wirft, benötigten häufig auch Klassenkameraden sozialtherapeutische Begleitung. Das alte Gymnasium, das allein Fachwissen lehrt, gebe es nicht mehr. G8 und der Wegfall der Schulartempfehlung verschärften das Problem. Dennoch: „Wir sind Teil der Gesellschaft, wir sind ein ganz normales Gymnasium 2017“, sagte er.  
 

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