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Igel-Mama in Holm : „Keine Milch, die macht Bauchweh“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Seit vier Jahren päppelt Mandy Rehn Igel auf. Zwölf Tiere hat sie schon gerettet. Jeder hat seinen ganz eigenen Charakter.

Auch Mütter sind nicht davor gefeit, ihre Lieblinge zu haben. Mandy Rehn (48) ist Holms Igelmutter mit heimischer Aufpäppel-Station. Wenn sie „‚Friedo‘, ‚Friedo‘, Essen ist da“ rief, kam der Igel, der mit 1300 Gramm beim Verlassen der Station besonders proper war, aus seinem Häuschen gelaufen. Sogar sein Öhrchen ließ er sich kraulen. „Auf ‚Friedo‘ war Verlass“, sagt Rehn über ihren „Wonneproppen“. Wenn Freunde oder Kinder sein Zutrauen sehen wollten – „Friedo“ kam und bewies zur Freude Rehns, dass er als scheues Wildtier keine Gefahr ist. Wenn sie über ihre Igelmutterschaft spricht, erzählt die Holmerin von etwas, das sie glücklich macht.

„Jetzt hast du ein Haus – hast du auch mal Lust, Igelmama zu werden“, wurde Rehn vor vier Jahren von ihrer Freundin Michaela Lenz gefragt, die in Wedel eine Igelstation betreibt. Und Rehn wollte: „Gib mir eine halbe Stunde, um meinen Mann zu überreden, dann sage ich ja.“ Seitdem hat die Holmerin zwölf Igel in Pflege gehabt. Durchschnittlich drei bis vier pro Winter. Platz ist in der Tiefgarage des Hauses für fünf. Dort herrschen ideale Bedingungen: Es ist ruhig, mit zehn Grad kühl und es gibt keinen Durchzug. Jeder Igel hat sein eigenes Domizil in einem großen Hamsterkäfig mit Häuschen. Zeitungen und Heu sind ausgelegt. Ehemann Georg muss seine Heimwerkstatt im Winter stilllegen. „Aber er ist so geduldig“, schätzt Rehn die Unterstützung ihres Mannes.

Die Kümmersaison beginnt für Rehn ab Oktober. Dann erhält sie Igel von ihrer Freundin aus Wedel oder bekommt einen Anruf wie im vergangenen Herbst. Wedeler Zwillingskinder fanden „Popsi“ und brachten sie mit nach Hause, weil sie ihnen zu klein erschien. Aber auf der Küchenwaage wiegen? Das erschien der Mutter unangemessen. Doch Rehn bestätigte: Wiegen. Ab 500 Gramm sollten Igel kein Problem haben, durch den Winter zu kommen. Popsi wog 240 Gramm. „Gut gemacht, Kinder“, gab Rehn weiter.

Zweimal täglich schaut Rehn im Winter nach ihren Schützlingen und prüft die Gewichtszunahme. Minutiös dokumentiert sie alle Daten. Katzenfutter gemischt mit Igelfutter gibt es. „Bloß keine Milch. Die macht Bauchschmerzen“, sagt Rehn. Irgendwann, wenn sie groß genug sind, schlafen die Igel dann im Winter ein. Im März oder April erwachen sie in der Regel. Freigelassen werden die Tiere in den Häuschen im Garten, damit sie sich in Ruhe gewöhnen können. Auf manchen Igel muss Rehn bis zu drei Stunden warten, bis er sich heraus traut. Dann kann es wie bei Liebling „Friedo“ ein Schauspiel geben, das befremdlich wirken kann: Der Igel dreht sich auf den Rücken, macht Verrenkungen und bespuckt sich selbst mit seinem weißen Speichel. „Man könnte meinen, das sei Tollwut“, sagt Rehn. Doch es ist die Euphorie der neuen, aufregenden Erlebnisse, so die Igelmutter, vergleichbar mit einem Luftsprung beim Menschen.

„Es ist so ein Erfolgserlebnis, wenn die Kleinen in Freiheit sind“, sagt Rehn. Ihre Erlebnisse schreibt sie in Tagebüchern auf. Kein Igel gleicht charakterlich dem anderen. „Buttons“ beispielsweise war entgegen der sonst eher streitlustigen Igelnatur sanftmütig. „Er ließ sich nie aus der Ruhe bringen. Ihn hätte man aufhängen können“, so Rehn. „Buttons“ ursprünglicher Name war „Knöpfchen“ – für die Engländerin, die vor 30 Jahren als Au-pair-Mädchen für Turnierpferde nach Deutschland kam, aber ein lästiger Stolperstein. So wurde er umbenannt.

Im Sommer genießt Rehn die Freuden der Igel-Vitalität. Abends sitzt sie in aller Ruhe bei den zwei Häuschen vorm Gartenhaus und beobachtet das Treiben von bis zu neun Igeln, die zu einem „Drive-in-Imbiss“, wie Rehn das täglich in den Häuschen bereitgestellte Futter nennt, vorbeikommen. „Manchmal geht es auch zu wie beim Autoscooter und der kleinere gibt nach“, sagt Rehn. Oder im Gebüsch wirbt ein Männchen laut schnaufend um die Gunst eines Weibchens.

Der Hain hinter ihrem Grundstück ist ideal für Igel. Erweitert hat Rehn das „Igel-Paradies“ durch eine „unordentliche Ecke“. „Die sollte jeder in seinem Garten haben“, so die Igelmutter. Warum sie auch im Sommer füttert, fragen sie manche. „Es ist nur ein Drive-in für die Igel, auf den sie sich verlassen können“, sagt die Holmerin. Vor kurzem hat er wohl einem Igel das Leben gerettet, der sich mit einem tennisballgroßen Abszess ins Häuschen geschleppt hatte. Rehn brachte ihn zum Tierarzt, der mit dem „Tierschutzverein Tornesch“ zusammenarbeitet. In ihm ist Rehn Mitglied und sie tauscht sich einmal jährlich mit Gleichgesinnten und Experten aus. Der Igel wurde operiert, finanziert durch die Spenden des Vereins. Rehn päppelte ihn wieder auf: „Dann fühlte er sich so wohl.“

Für die Holmerin steht fest: Igelmutter will sie immer bleiben.



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erstellt am 31.Aug.2013 | 16:00 Uhr

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