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Technik aus Wedel : Keine Landung ohne Beleuchtung

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Flugplatzbefeuerung made in Wedel für internationale Airports.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Wedel | Eine Landung auf dem Flughafen in Hamburg oder dem Airport in Erfurt – ohne Technik aus Wedel undenkbar. Etwa 3000 Unterflurfeuer sind am Hamburger Flughafen verbaut, die Start- und Landebahn und Wege auf dem Flugfeld beleuchten. „Seoul, Dubai, Moskau, Madrid, Kuala Lumpur“, zählt Peter Hagedorn weitere Flughäfen aus, die aus Wedel versorgt wurden. Gefertigt wurde bei der „Honeywell Airport Systems GmbH“, bei der Hagedorn als Ingenieur in der Konstruktionsabteilung tätig war. „Ich bin kein Urbefeuerer. Die kamen damals alle aus Frankfurt“, erläutert Hagedorn, der mittlerweile im Ruhestand ist.

Buchstäblich ging für die Honeywell Airport Systems GmbH in Wedel am 17. Dezember 2010 das Licht aus. Das Unternehmen schloss seine Produktion in Wedel. Wedels Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) kritisierte damals die Entscheidung: „Für mich ist das nicht ganz nachvollziehbar, warum das Werk geschlossen wird.“ Das Unternehmen, das früher zur AEG gehörte, anschließend von der Daimler Benz Aerospace übernommen wurde und seit 1998 zum Honeywell-Konzern gehört, existiert aber weiterhin. Die Entwicklung wurde nach Glinde ausgelagert. „Das habe ich nicht mehr miterlebt“, sagt Hagedorn. Doch noch heute beschäftigen ihn die Unterflurfeuer. Er hat einige Stücke für das Wedeler Technicon gesichert. „Wir sind sehr froh, dass er sofort an uns gedacht hat und wir uns aus den Restbeständen bedienen durften“, sagt Heinz Gläser vom Technicon-Team. Hagedorn hat nicht nur die technischen Geräte für die Schau gesichert, sondern mittlerweile auch dafür gesorgt, dass die Ausstellungsstücke in Rot, Grün oder einfach nur Weiß leuchten.

Fliegt ein Pilot einen Flugplatz an, sind die fortlaufenden Blitzketten der Landebahn aus bis zu 40 Kilometern zu sehen. Die jeweiligen Landezonen sind durch unterschiedliche Farben markiert – ebenso wie das Ende der Fahrbahn. Grün ist der ideale Bereich, rot ist ein Warnhinweis, die Taxiwege sind blau gekennzeichnet. Hagedorn klopft auf eine der Lampen, die deutlich beschädigt ist. „Einen Jumbo verträgt sie, aber der Schneeschieber hat sie gekillt“, sagt er lachend. Mehrere Tonnen mussten die im Boden eingelassenen Beleuchtungselemente aushalten – dabei auch noch wetterbeständig und schnell auszutauschen sein.

Am Rande der Fahrbahn kommen dagegen die sogenannten Überflurfeuer zum Einsatz. Diese seien gleichen Witterungsverhältnissen ausgesetzt und müssten ebensolche Leistungen bringen wie die im Boden eingelassenen Unterflurfeuer. Die Besonderheit dabei: „Sie haben alle Sollbruchstellen. Wenn ein Flugzeug dagegen fährt, brechen sie direkt ab, damit kein großer Schaden am Fahrwerk entsteht“, erläutert Hagedorn. Ein Tritt gegen die Metallstange bringt nichts. „Da muss richtig Kraft hinter sein“, sagt Hagedorn. Einmal habe er die Theorie in der Praxis erlebt: „Die ganze Landebahn lag voller Trümmer, aber das Flugzeug war heil. Das wurde dann halt ausgetauscht.“

Egal, ob Unter- oder Überflurfeuer – jedes Element ist mit einem eigenen Trafo ausgestattet. „Man kennt das vielleicht von der Weihnachtsbeleuchtung: Ist ein Lämpchen kaputt, geht nichts mehr. Auf einem Flughafen muss die Beleuchtung weiterhin funktionieren. Daher die Trafos“, sagt Hagedorn. Jede Lampe werde softwaremäßig erfasst und sei einzeln steuerbar.

Der größte Kunde in Deutschland war übrigens der Berliner Flughafen. Hagedorn lacht laut auf, als er darüber spricht: „Unser Part ist schon längst abgenommen worden.“ Wann es war, weiß er nicht genau. Derzeit seien dort aber bereits zwei Mitarbeiter fest angestellt, die das Beleuchtungssystem warten. „Wenn das Ding irgendwann in Betrieb geht, ist die Rechnertechnik total veraltet. Vermutlich muss man dann alles sofort austauschen“, erläutert Hagedorn.

Mittlerweile sind viele Systeme auf energiesparende LEDs umgestellt. Statt 100 würden nur noch drei Watt pro Leuchtmittel verbraucht. „Wenn wir früher aufgedreht haben, dann konnte man mit der Energie eine Kleinstadt versorgen“, erinnert sich Hagedorn. Stromausfälle, tonnenschwere Flugzeuge – alles kein Problem für die Beleuchtungssysteme. Einen „natürlichen Feind“ gab es aber doch: Vögel. „Es war an den Lampen immer warm und da haben sie liebend gern gesessen“, sagt Hagedornd und ergänzt lachend: „Zum Glück war das Säubern Aufgabe des Reinigungspersonals.“

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