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Notfallübung in Hetlingen : Katastrophe im Hetlinger Düker

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Feuer im Container, Schwerverletzte in der Röhre: So sah das Übungsszenario für Feuerwehr und Erstschutzhelfer aus.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 12:15 Uhr

Hetlingen | Zwei blutverschmierte Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Elbedüker (ARGE) spazierten wohlgemut zur Düker-Baustelle an der Hetlinger Schanze, überzeugend herausgeputzt von Schminkexperten im Sanitätscontainer. Die beiden waren ausersehen, als schwerverletzte Opfer aus der elf Meter tiefen Spundgrube, dem Ausgangspunkt der Tunnelbohrung, gerettet zu werden. So das Szenario der überraschend angesetzten Übung, die das Sicherheitskonzept der ARGE auf den Prüfstand stellen sollte.

Als Komplikation hatten sich die Planer zusätzlich ein Feuer im Container ausgedacht. Hier dienten zwei Mannequins als rauchvergiftete Opfer, die es zu bergen galt. Kaum waren alle am richtigen Platz angekommen, da quoll auch schon erster Theaterqualm durch die Türritzen ins Freie. Im nächsten Moment, genau um 18:49 Uhr, heulten die Alarmsirenen der Baustelle auf. Es klang wie ein Vuvuzela-Konzert.

Sekunden später trug der Wind das Heulen der Hetlinger Feuerwehrsirene zur Unglücksstätte. Damit war die erste Probe schon bestanden: Die Alarmierung hätte nicht besser funktionieren können. Sechs Minuten später rollten zwei voll besetzte Einsatzfahrzeuge der Wehr auf das Gelände. Etwa 20 Feuerwehrleute sprangen heraus, über die Hälfte der 39 Aktiven, die den Brandschutz der Gemeinde sicherstellen. Großartiges Ergebnis für eine unangekündigte Übung, urteilte der stellvertretende Wehrführer Martin Steg: „Wir wissen ja eigentlich nie genau, wer gerade abkömmlich ist.“

Schnellstens hatten die Einsatzkräfte die Lage unter Kontrolle. Auch die Wasserbeschaffung auf dem weitläufigen Gelände war für sie kein Problem. Etwa gleichzeitig mit den Brandbekämpfern erreichten Sanitäter der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) den Ort des Geschehens. Viel zu tun bekamen sie allerdings nicht, denn Erstschutzhelfer der ARGE hatten zu der Zeit bereits alle Gefährdeten in Sicherheit gebracht und ihre Wunden versorgt. Dass sich der eigene Schutzdienst so gut bewährte, war für den Sicherheits- und Gesundheitskoordinator an der Baustelle, Johannes Bolland, ein besonders befriedigendes Ergebnis der Übung. „Jeder Handgriff war perfekt“, so das Lob für die firmeneigenen Retter.

Und das unter recht ungewöhnlichen Bedingungen. „Eigentlich gibt es im Container gar nichts, was in Brand geraten kann“, kommentierten Mitarbeiter. Und auch am Grunde des Spundlochs sei normalerweise kein Mensch im Einsatz. Trotzdem sei es wichtig, auf alle Eventualitäten eingestellt zu sein, hob Pressesprecher Philipp von Bergmann-Korn hervor. Denn: „Uns geht es hier von Anfang an um ein lückenloses Sicherheitskonzept.“ Und dazu gehört eben auch ein Förderkorb, der vom Kran in die Tiefe gelassen werden kann, um Verletzte zu bergen. Auch dieser Teil der Übung wurde mit geradezu spektakulärer Präzision erfüllt.

All das war Grund genug für beste Stimmung in der Feuerwache, wo sich die Beteiligten nach Ende der Übung zur Manöverkritik versammelten.

Von der Hetlinger Schanze aus bohrt sich Tunnelvortriebsmaschine Helene durch den Grund der Elbe in Richtung Lühesand. Hinter ihr wird eine Stahlbeton-Rohrleitung verlegt, drei Meter im Durchmesser. Jedes Teilstück ist vier Meter lang und wiegt 25 Tonnen. Für die gesamte Strecke von 1540 Metern werden fast 400 Rohrteile benötigt. Gut 500 Meter sind bereits installiert. Bis Ende April 2015 soll der Neubau fertig sein. Dann folgt der Rückbau des alten Dükers, durch den die Hauptschlagader der Gasunie Deutschland für Gaslieferungen in Richtung Skandinavien sowie etliche Telekommunikationskabel bisher verlaufen. Der alte Düker liegt nämlich nur fünf Meter unter dem Elbgrund  und damit inzwischen nicht mehr tief genug. Der neue Düker wird deshalb fast zehn Meter tiefer vorangetrieben.
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