zur Navigation springen

Neue Schilder : Kampf für ein barrierefreies Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Stadt installiert 24 neue Straßenschilder auf Kopfhöhe für sehbehinderte Menschen. Volker König betreibt das Projekt seit 2013.

Wedel | 2,50 Meter über dem Boden sind Wedels Straßenschilder angebracht. Weiße Schrift auf blauem Grund. Für die meisten Bürger reicht das zur Orientierung aus. Wer jedoch mit Sehbehinderungen wie getrübten Linsen lebt, der kann den Straßennamen in dieser Höhe kaum entziffern. Abhilfe schaffen kleine Schilder, die in Sichthöhe am Schildermast angebracht werden. So können Menschen mit Seheinschränkung ganz nah herantreten, eine Lupe benutzen oder den erhaben gearbeiteten Schriftzug ertasten. 2013 wurde der erste Schwung dieser praktischen Alltagshilfen angebracht. Jetzt folgen 24 weitere Schilder im Bereich Rollberg, Parnaßstraße, Schulauer Straße, Marktplatz und Mühlenstraße.

Hinter dem Projekt steht das unermüdliche Engagement von Volker König. Der 70-jährige Wedeler ist selbst blind und kämpft bereits seit Jahrzehnten für eine barrierefreie Rolandstadt. Unterstützung erhält er von der Stadt, dem Arbeiter-Samariter-Bund, der Stiftungsgemeinschaft der Sparkasse, der Firma Fielmann und der GSL mbH. 4117,40 Euro haben die neuen Schilder gekostet – eine Zahl die König bis auf den Centbetrag im Kopf hat. Um sicher zu gehen, dass die blauen Manschetten auch um die Masten passen, haben der 70-Jährige und seine Frau eine große Vermessungsaktion gestartet. „In der Höbuschentwiete war der Mast zu schmal“, so König.

Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) kommentiert: „Wir sind froh, dass wir dieses innovative Projekt fortsetzen können.“ Der Rathauschef würdigt Königs Einsatz: „Sie haben viel dazu beigetragen, dass Wedel ein bisschen barrierefreier geworden ist – wer selbst betroffen ist, geht oft viel pragmatischer an diese Themen ran.“

Die blauen Manschetten mit Straßennamen werden auf Sichthöhe an den bestehenden Masten für Straßenschilder angebracht. Die Buchstaben sind erhaben und können auch ertastet werden. (Foto: Willuhn)
Die blauen Manschetten mit Straßennamen werden auf Sichthöhe an den bestehenden Masten für Straßenschilder angebracht. Die Buchstaben sind erhaben und können auch ertastet werden. (Foto: Willuhn)
 

König selbst betont, dass sich die Situation für behinderte Menschen deutlich verbessert habe. „1981 haben wir das erste Mal mit Hilfe von Schulklassen eine Erhebung zur Barrierefreiheit gemacht – zuletzt 2014.“ Die Fortschritte seien deutlich sichtbar. Die Welau Arcaden seien mittlerweile barrierefrei, beim Hafenneubau werde ein Geländer am Wasser eingeplant. Auch über die neuen Bänke in der Bahnhofstraße und am Elbwanderweg freut sich König. Für ältere Menschen gebe es immer mehr Gelegenheiten für eine Verschnaufpause. Wünsche für die Zukunft sind unter anderem eine Rampe, welche die Stufen vom Schulauer Fährhaus Richtung Elbhöhenwanderweg für Rollstühle und Rollatoren tauglich macht. Straßen wie der Roggenhof könnten für König neu befestigt werden. „Derzeit sind sie ein bisschen uneben.“ Dem 70-Jährigen ist aber klar, dass die finanziell klamme Stadt solche Maßnahmen nicht einfach stemmen kann. Er selbst wird sich weiter für Verbesserungen in Wedel stark machen. „Bei den Straßenschildern habe ich mir eine Zielmarke von 300 gesetzt“, so König.

Spenden für das Schilderprojekt können auf das Konto des Arbeiter-Samariter-Bunds mit der IBAN DE0722151730000057541 überwiesen werden.
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 22.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen