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Intime musikalische Momente : Kammerorchester Wedel spielt Joseph Haydn

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der 1732 geborene Komponist gehört wie Mozart und Beethoven zu den Vertretern der Wiener Klassik, die sich durch eine spezielle, lebendige Kompositionsweise auszeichnet.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2015 | 16:00 Uhr

Wedel | Das Konzert „Haydn am Nachmittag“ hatte bei herrlichem Sommerwetter etwa 140 Zuhörer in den Ernst-Barlach-Saal gelockt. Auf dem Programm des Wedeler Kammerorchesters unter der Leitung von Stefan Czermak und Valeri Krivoborodov standen drei Konzerte von Joseph Haydn. Der 1732 geborene Komponist gehört wie Mozart und Beethoven zu den Vertretern der Wiener Klassik, die sich durch eine spezielle, lebendige Kompositionsweise auszeichnet. Und so boten die 14 Streicher des Wedeler Kammerorchesters, die von acht Musikern der Hamburger Symphoniker unterstützt wurden, auch ein sehr abwechslungsreiches Programm. Wobei die anspruchsvollen Stücke für ein Laienorchester durchaus eine Herausforderung darstellten, die souverän bestanden wurde.

Für einen besonderen musikalischen Genuss sorgten die beiden Profi-Musiker Czermak und Krivoborodov mit ihren Soli. Den Anfang machte Czermak mit dem Konzert für Violine und Orchester G-Dur. Hochkonzentriert, mit wunderschönen Legato-Bögen spielte der aus dem jetzigen Polen stammende Geiger das Adagio. Um dem Spiel seines Kollegen genügend Raum zu lassen, nahm der dirigierende Krivoborodov das Orchester dabei dezent zurück. Während des gesamten Konzerts verständigten sich die beiden Solisten mit kurzen Blicken, man merkte ihnen die langjährige Zusammenarbeit und den gegenseitigen Respekt an.

Absoluter Höhepunkt des musikalischen Nachmittags war das Solo von Krivoborodov. Genial interpretierte der gebürtige Russe das Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur. Mit geschlossenen Augen und bewegter Mimik spielte der Weltklasse-Musiker völlig frei aus seinem tiefsten Innern heraus. Der Cellist erzählte Geschichten voller Dramatik und Zartheit, gewährte einen Blick in seine Seele. So entstanden enorm intime Momente, eine Ehre, daran teilhaben zu dürfen. Krivoborodov machte bereits in jungen Jahren als Solocellist des Moskauer Kammerorchesters eine internationale Karriere, spielte mit David Oistrach, Yehudi Menuhin und Dimitri Schostakowitsch. Nach seiner Emigration 1980 war der Musiker bis zu seiner Pensionierung Erster Cellist bei den Hamburger Symphonikern. Seit 2004 leitet Krivoborodov den Kammerchor Wedel, während Czermak für die Orchestereinstudierung zuständig ist.

Die Zuhörer honorierten die Leistung des Kammerorchesters und der beiden Solisten mit anhaltendem Applaus. Jeder sicherlich ein bisschen reicher im Herzen dank der anrührend in Klang verwandelten großen Gefühle.

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