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Kraftvolle Vertonung des Leids : Johann Sebastian Bachs Johannespassion in der Kirche St. Marien

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kammerchor und Kammerorchester Wedel führen Johann Sebastian Bachs Johannespassion in der Kirche St. Marien auf.

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2016 | 12:00 Uhr

Wedel | Dunkel, wummernd meditativ begann die Aufführung von Jesus’ Leidensgeschichte in der Wedeler St.-Marien-Kirche. Valeri Krivoborodov dirigierte die Johannespassion gewohnt exakt, mal mit großer Geste, mal leichtfüßig. Energiegeladen wippte er auf den Zehenspitzen, hüpfte sogar ab und zu und malte mit beiden Armen große Bögen.

So animiert intonierten Kammerchor und Kammerorchester Wedel, unterstützt von den Bläsern der Hamburger Symphoniker, die Geschichte der Kreuzigung von Anfang an überzeugend und kraftvoll. Besonders der Beginn und der Einwurf des Chors „Wir dürfen niemand töten“ gelangen sehr eindringlich. Fast atemlos fiebrig klang die Szene, in der die Kriegsknechte den Rock des sterbenden Jesus unter sich verlosen.

Die fünf Gesangssolisten Marret Winger, Claudia Darius, Joachim Duske, Dávid Csizmár und Christoph Liebold beherrschten ihre Partien souverän, wobei die Leistung von Joachim Duske hervorzuheben ist. Dem Tenor gelangen die zahlreichen, nicht zuletzt wegen ihrer Höhe sängerisch sehr anspruchsvollen Rezitative des Evangelisten ganz hervorragend. Klar und deutlich kommentierte er im ausdrucksstarken Sprechgesang das Geschehen der Kreuzigung.

Dávid Csizmár verlieh der Partie des Jesus mit seinem samtenen Bariton eine zurückhaltende, intensive Tiefe. Christoph Liebold gelang es mit seinem schönen, raumfüllenden Bass, Pilatus eine mitfühlende, starke Stimme zu geben. Schön transparent ließ Marret Winger die Arie „Zerfließe, mein Herze“ durch die Kirche schweben, während Claudia Darius mit voller Altstimme der Arie „Es ist vollbracht“ tiefe Dramatik verlieh. Die unterschiedlichen Stimmen ergaben eine interessante klangliche Vielfalt. Für die Orchestereinstudierung ist wie gewohnt Stefan Czermak zu danken, während Krivoborodov die Gesamtleitung des anspruchsvollen Konzerts hatte.

Für einen Moment der irritierten Erheiterung während der ansonsten tiefernsten Aufführung sorgte eine ungewollte Generalpause, da der Einsatz der Orgel auf sich warten ließ. Eine schöne Möglichkeit für den Dirigenten, Souveränität und unerschütterliche Freundlichkeit zu beweisen: Krivoborodov blickte gelassen, aber hoffnungsvoll zur Empore, lächelte freundlich, um Verständnis bittend ins Publikum, wartete so, bis die Orgel endlich doch einsetzte, und dirigierte weiter. Haltung zu bewahren, ist eben generell eine wichtige Tugend.

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