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Wedel : Jetzt trifft der Sparhammer das Barlach-Museum

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kulturausschuss beschließt mehrheitlich Zuschusskürzung von 37.200 Euro. Weitere Entscheidungen verschoben.

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Wedel | Öffentlichkeit wirkt: Das wurde Mittwochabend im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport deutlich. Der tagte, weil sich viel Publikum und Protest angekündigt hatte, im Ratssaal. Dort saßen auf der einen Seite Vertreter aus dem Kreiselternrat mit ihren Kindern. Auf der anderen Seite Abgeordnete der Wedeler Sportvereine. Die Forderung der beiden Gruppen: Weg mit den Kürzungen, wie sie den Ausschussmitgliedern als Anträge auf dem Tisch lagen.

Einsparungen beziehungsweise Gebührenerhöhungen wurden an diesem Abend schließlich weder für den Kitabereich noch in der Sportförderung beschlossen. Es traf jemand ganz anderen. Eine Institution, die keine Protestler mobilisiert hatte – das Ernst-Barlach-Museum. Gegen die Stimmen von SPD, WSI und Linke stimmten die übrigen Fraktionen dafür, dem Museum nicht die im Haushalt aufgelisteten 40.800 Euro zuzubilligen, sondern den Betrag auf die Versicherungssumme von 3600 Euro zu reduzieren. Die Konsequenz: Das Haus hat in 2015 kein städtisches Geld mehr, aktuelle Ausstellungen zu organisieren.

„Ich finde es unfair, Kultur gegen Bildung auszuspielen“, argumentierte Linken-Fraktionschef Detlef Murphy mitten in den Auseinandersetzungen darum, wo die 35.000 Euro denn nun eingespart werden sollen. Die waren in der vorherigen Sitzung als Zielmarke beschlossen worden. Zur Diskussion standen Mehreinnahmen im Kitabereich durch Gebühren für den Früh- und Spätdienst sowie Kürzungen durch Einschnitte im bereinigten Elterneinkommen, was besonders Geringverdiener belasten würde. Für den Sportbereich gab es den Vorschlag, die Zuschüsse für ehrenamtliche Übungsleiter ohne Lizenz zu streichen. Und ein kurzfristig eingereichter Antrag der Grünen hatte die Zuwendungen ans Ernst-Barlach-Museum im Visier.

Nicht nur für den hochkomplexen Sachverhalt bezüglich Kitakosten wurde von den Fraktionen Beratungsbedarf angemeldet – nach dem Protest der Kreiselternvertreter, mit denen gleich vor Ort ein Termin für einen Austausch festgelegt wurde. Auch die Vertreter der Sportvereine konnten den Ausschussmitgliedern deutlich machen, was eine fehlende Unterstützung nicht lizensierter Trainer bedeuten würde: die Schließung ganzer Sparten – ein Kahlschlag. Denn ob Fußball, Tennis oder Schwimmförderung, Breitensport wird von den oftmals jungen „Hilfstrainern“ getragen.

Sven Hannemann, Schatzmeister des Wedeler TSV, rechnete in der Einwohnerfragestunde das „Nullsummenspiel“ vor: Wenn die Kürzungen griffen, könne beispielsweise die Schwimmabteilung ihre interne Unterstützung für die Badebucht-Besuche nicht mehr zahlen. Die Konsequenz: Beitragserhöhungen, der Verein wäre nicht mehr konkurrenzfähig, die Schwimmabteilung würde sich auflösen – „und die 42.000 Euro an die Badebucht zahlen wir auch nicht mehr“. Die seien dann dort als Verlust zu verbuchen. Hannemann: „Ist das richtig durchdacht?“

Protest im Ratssaal: Kreiselternvertreter wehren sich gegen Kürzungsvorschläge und Gebührenerhöhungen.
Protest im Ratssaal: Kreiselternvertreter wehren sich gegen Kürzungsvorschläge und Gebührenerhöhungen. Foto: Jacobshagen
 

Die Sportvertreter hatte Petra Kärgel von den Grünen eingeladen: „Die Öffentlichkeitsarbeit der Verwaltung bezüglich der Vorlagen ist miserabel“, schimpfte sie. „Deswegen habe ich die Vereine angeschrieben.“ Die Strategie Kärgels ging auf. Die Betroffenen kamen zu Wort und gaben dem Ausschuss einen authentischen Einblick, was die Entscheidungen der Kommunalpolitik bei ihnen für Auswirkungen haben. Die Stimmen, den Breitensport nicht kaputtzusparen, wurden dringlicher. Weil die WSI-Fraktion Beratungsbedarf anmeldete, wurde eine Abstimmung allerdings verschoben.

Über das Museum wurde dagegen abgestimmt. Für diesen Tagesordnungspunkt waren keine betroffenen Vertreter eingeladen worden. Fürsprache mussten Murphy und Ausschussvorsitzender Lothar Barop (SPD) leisten. „Wenn wir das tun, ist das Barlach-Museum platt“, sagte der Sozialdemokrat. Er betonte darüber hinaus, dass die Kulturausgaben sowieso nur knappe 0,26 Prozent des Haushalts ausmachten. Murphy hob die immaterielle Bedeutung des Museums hervor, das oft in den überregionalen Medien vorkomme: „Der Wert des Museums bemisst sich auch daran, was es zum Ruf Wedels beiträgt“. „Wir wollen es nicht abschaffen, sondern nur einmal aussetzen“, entgegnete Heidi Garling (CDU). Renate Koschorrek bedauerte, dass gerade „die Gralshüter des Museums“, nämlich die FDP, wegen der „bitteren Notwendigkeit“ mitziehen müssten.

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