zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2017 | 07:23 Uhr

„Jeder hat schon sein Lieblingsbild“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Amschler-Archiv Stiftungsrat-Mitglieder fotografieren und digitalisieren das Werk des Wedeler Künstlerehepaars

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Staub klebt Inge Zeißler und Birgit Neumann-Rystow nicht an den Händen, als sie aus den Katakomben des Rathauses hoch ans Tageslicht kommen. So müsse man sich das nicht vorstellen, ihre Arbeit im Amschler-Archiv im Keller. Das OEuvre der Wedeler Bildhauerin Vilma Lehrmann-Amschler und ihres Mannes Alfred Amschler lagere dort unten in großen tiefen Schubladen und Aktenschränken trocken und staubfrei in großen Mappen verwahrt. Der Stiftungsrat wolle den Schatz nur heben. Das heißt, den Bestand sichten und aufnehmen, ihn fotografieren und digitalisieren, um mit ihm umgehen zu können. Beide Frauen strahlen übers ganze Gesicht. Die ehrenamtliche Arbeit scheint ihnen großen Spaß zu machen.

Seit vielen Wochen verkriechen sich die Mitglieder des Stiftungsrats immer wieder in dem Keller, um „eine riesige Schatzkiste mit zwei gemalten Lebensläufen“ zu bergen, wie Zeißler es beschreibt. Bilder, Zeichnungen und Drucke finden sie, sehr viele Vorentwürfe, die häufig den lückenlosen Weg von der ersten Skizze zur fertigen Skulptur zeigen. Spannende Prozesse würden sichtbar. „Es lässt sich erkennen, dass so etwas Zeit braucht“, sagt Zeißler beeindruckt.

Auch witzige Bilder und ganz farbenfrohe Werke, die sie so nicht erwartet hätten, finden die Schatzsucher. „Jeder hat schon sein Lieblingsbild“, berichtet Neumann- Rystow. „Mindestens eins, wenn nicht mehrere“, ergänzt Zeißler. Pausenlos gebe es neue Seiten der Künstlerin zu entdecken. Die Bilder vom Wedeler- und Rissener Elbufer beispielsweise seien solch eine Überraschung. Bunte und fröhliche Arbeiten, die sie frei für sich, ohne Auftrag malte. 1946 war Lehrmann-Amschler frisch verheiratet. „So rosarot sehen die Bilder auch aus“, sagt Neumann-Rystow und lacht. „Ich habe versucht nachzuvollziehen, wo die Staffelei stand. Ich hab den Ort nicht gefunden“, bedauert Zeißler. Irgendwo auf dem alten Mobil-Oil-Gelände war’s, die Küste dort habe sich sehr verändert. Abfotografiert und vergrößert werden die fröhlichen Elbuferbilder bald in der neuen Ausstellung des Stadtmuseums zum Thema Industriekultur gezeigt.

Um damit überschaubar umgehen zu können, haben sich die Stiftungsrat-Mitglieder vorgenommen, erst einmal rund 400 Werke zu digitalisieren. Ihre Auswahl sei keine Werteinschätzung, betonen sie. „Wir machen das aus dem Bauch“, erklärt Neumann-Rystow frei heraus.

Ziel ist es, eine CD zu erstellen, die dann Grundlage für weitere Projekte ist, eine Ausstellung oder ein Buch beispielsweise. Ende nächster Woche seien sie höchst wahrscheinlich durch mit der Recherche vor Ort, dann wird die Ausbeute genauer ins Visier genommen.

Zeißler arbeitet darüber hinaus zweigleisig. Sie stöbert auch im Internet nach Amschler-Gut und ist dabei auf Ebay auf Fotos von einer Lichtplastik gestoßen, für die es im Archiv mehrere Vorstudien gibt. Das Künstlerpaar arbeitete häufig gemeinsam an Aufträgen. „Strom für uns“, ein Neonröhren-Objekt für eine HEW-Ausstellung, ist solch ein Gemeinschaftsprojekt. „Für fünf Euro bin ich doch dabei“, sagt Zeißler trocken und drückt auf den Einkauf-Button.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen