Schutz vor Gewaltätigkeit : Jahresbericht des Frauenhaus Wedel

„Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache. Schweigen schützt nur den Täter“ schreibt das Wedeler Frauenhaus auf seiner Internetseite.
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„Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache. Schweigen schützt nur den Täter“ schreibt das Wedeler Frauenhaus auf seiner Internetseite.

Mit 52 Personen war die Einrichtung 2014 zu 78 Prozent ausgelastet.

shz.de von
07. Mai 2015, 16:45 Uhr

Wedel | Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, finden in Frauenhäusern Zuflucht. Damit dieser Schutzraum für sie und ihre Kinder ein sicherer Ort bleibt, sind die Adressen der Häuser allgemein nicht bekannt. Aus dem gleichen Präventionsgedanken heraus wird der schriftliche Bericht des Wedeler Frauenhauses, den die Einrichtung jedes Jahr dem Sozialausschuss der Rolandstadt gibt, ebenfalls nicht öffentlich verteilt. Doch Frauenhaus-Mitarbeiterin Astrid Otto zog auf der jüngsten Ausschusssitzung Dienstagabend kurz mündlich Bilanz.

2012 stoppte das Land seine Zuschüsse. Das Wedeler Frauenhaus überlebte dank zahlreicher Spenden. Seit drei Jahren fließen die Gelder wieder. Dem Haus geht es den Umständen entsprechend gut, so der Tenor des Jahresberichts. Vom Land Schleswig-Holstein bekommt die Einrichtung jährlich rund 179.000 Euro überwiesen. Die Stadt Wedel zahlt als freiwilligen Zuschuss 10.800 Euro – die vergangen Jahre hindurch und auch in diesem Haushalt tauchen sie ohne Kürzungen auf.

15 Plätze stellt das Wedeler Frauenhaus zur Verfügung. In 2014 war die Einrichtung mit 52 Personen zu 78 Prozent ausgelastet, referierte Otto. Mehr als die Hälfte der geflüchteten Frauen konnten in eine eigene Wohnung ziehen. Was Otto besonders freute: Viele fanden im Umkreis eine neue Heimstätte.

Seit 2014 gibt es einen Kostenausgleich zwischen den Nachbarländern Hamburg und Schleswig-Holstein. Seit diesem Jahr profitiert das Wedeler Haus konkret von den 130.000 Euro, die Hamburg zahlt, weil 100.000 Euro davon anteilig auf die Plätze umgelegt werden. Bedeutet für die hiesige Einrichtung: 315 Euro pro Platz und Jahr. Wichtiges Geld, aber dennoch auch nur ein kleiner Tropfen für diese wertvolle und nicht einfache Arbeit, kommentierten die Ausschussmitglieder. 30.000 Euro der Ausgleichssumme fließen in eine Koordinierungsstelle, deren Konzept gerade erarbeitet wird.

Der freiwillige Zuschuss der Stadt kommt im Wedeler Frauenhaus besonders der Arbeit mit Mädchen und Jungen zugute, so Otto. Positiv hob die Mitarbeiterin das gute soziale Netz in der Stadt hervor, die konstruktive Zusammenarbeit aller: „Das ist etwas Besonderes in Wedel.“ Dass junge Frauen, die zu ihnen flüchten, in vielen Fällen ihre Ausbildung in einer anderen Filiale fortsetzen können, zähle dazu.

Nach einigen Jahren Pause hat das Frauenhaus zusammen mit der Wedeler Gleichstellungsbeauftragten wieder zu einem Fachgespräch eingeladen, das mit knapp 30 Teilnehmern auf gute Resonanz stieß, berichtete Otto. „Gewalt gegen Frauen – Auswirkungen auf die Gesundheit“, lautete das Thema. Es gelte, auch in diesem Bereich für das Problem und seine Folgen zu sensibilisieren. „Gewalt gegen Frauen findet nicht im alltäglichen Leben, sondern hinter verschlossenen Türen statt“, mahnte Otto das generelle Problem an. 15 der aufgenommenen Personen in 2014 hätten einen Migrationshintergrund. Im Vergleich mit anderen Häusern ein hoher Anteil, so Otto, der momentan ansteige.

Notruftelefonnummer: 04103-14553. Aufnahme Tag und Nacht www.frauenhaus-wedel.de
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