Kirchenmusik : Jahresausklang mit Bach und Rilke

Annabell Andreas und Jörg Dehmel musizierten und rezitierten in der Sankt-Gabriel-Kirche in Haseldorf.
Annabell Andreas und Jörg Dehmel musizierten und rezitierten in der Sankt-Gabriel-Kirche in Haseldorf.

Kirchenmusiker unterhalten 60 Gäste mit Orgel, Blockflöte und Barockoboe. Schauspielerin Annabell Andreas als Überraschungsgast.

shz.de von
02. Januar 2015, 16:00 Uhr

Mit der Ankündigung „zweier Überraschungen“ begrüßte Kirchenmusiker Jörg Dehmel die etwa 60 Gäste am Silvesternachmittag zum letzten Konzert des Jahres im Rahmen der „Haseldorfer Kirchenmusik e.V.“ in der Sankt Gabriel Kirche. Zum einen müsse er von der vorgesehenen Begleitung am Cembalo absehen und auf die Orgel umsteigen, da die Temperaturunterschiede in der Kirche im Zuge der nun abgeschlossenen Renovierungsarbeiten für das Instrument zu groß gewesen seien.

Die zweite – erfreuliche – Überraschung betreffe das sehr kurzfristige und spontane Arrangement mit der Schauspielerin Annabell Andreas, welche sich bereit erklärt hätte, im Wechsel zu den Musikvorträgen von Ute Dehmel an der Blockflöte und Barockoboe und ihm selbst an der Orgel, einige Texte zu rezitieren.

Die beiden erfahrenen Musiker präsentierten von der Empore wunderbare Werke aus der Barockzeit, wie „Gelobet seist du, Jesu Christ“ und „Puer natus in Bethlehem“ von Michael Praetorius (1571-1621). Von Johann Sebastian Bach (1685-1750) interpretierte das Ehepaar Dehmel in absoluter Harmonie die „Pastorella“, BWV 590 und die Sonate F-dur, BWV 529 mit Allegro, Largo und Allegro. Sehr spannend und wunderschön erschallten die Klänge der Komponisten aus dem italienischen Frühbarock mit Marco Uccellini (1610-1680) und der „Sonata Duodecima“, von Tarquinio Merula die traumhafte „Sonata Seconda“ und von Giovanni Antonio Pandolfi Mealli.die Sonata „La Vinciolina“ .

Im reizvollen Gegensatz dazu standen die mit großer, lebendiger Ausdruckskraft von Andreas vorgetragenen Texte. So las sie von Rainer Maria Rilke „Du musst das Leben nicht verstehen“, von Monika Schudel „An Wunder glauben“, von William Shakespeare aus dem „Kaufmann von Venedig“ und besonders beeindruckend: „Die Gier“ von Wilfried Schmickler.

Auch in dem anonymen Text über den „Fischer“ war die „verzehrende Gier mit ihrer zerstörerischen Kraft“ das zentrale Thema. Es handelt von einem sehr zufrieden Fischer in einem kleinen Dorf, der mit seinem täglichen Fang bestens auskommt. Ein Tourist, der etwas „von Finanzen versteht“, rechnet ihm vor, was er beim Ausbau seines Geschäftes alles erreichen könnte, um schließlich nach vielen Jahren und harter Arbeit, als sehr reicher Mann, es sich erlauben könne, in dem kleinen Dorf als zufriedener Fischer seinen Lebensabend zu beenden. Diese Absurdität erheiterte das Publikum. Mit viel Applaus endete der Jahresausklang.

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