Ja zum Traditionsstandort

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Haseldorfs Bürgermeister lenkt ein und fragt Prinz Carolath doch um die Genehmigung zur Nutzung von Jahrmarktsflächen

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20. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Die außerordentliche Gemeinderatssitzung in Haseldorf am Donnerstagabend im Haseldorfer Hof hatte eigentlich keine kontroversen Themen auf der Tagesordnung. Doch nach dem Bekanntwerden der Verlegung des traditionsreichen Jahrmarkts schlugen die Wellen hoch (unsere Zeitung berichtete). Nach einem teils hitzigen Schlagabtausch zwischen Vertretern der CDU-Fraktion und dem Mehrheits-Bündnis von Bürger für Haseldorf (BfH) und SPD und einer von ihnen geforderten knapp viertelstündigen Sitzungsunterbrechung kam die Botschaft: Bürgermeister Klaus-Dieter Sellmann (BfH) bittet Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden nun doch darum, dass der Jahrmarkt wie in der Vergangenheit auf seinen Flächen stattfinden darf – allerdings schriftlich. Der Vorschlag von CDU-Fraktionschef Uwe Schölermann, den Prinzen in den Saal der Gaststätte zu bitten, die diesem gehört, und einfach zu fragen, lehnte Sellmann vehement ab: „Das wird nicht stattfinden.“ SPD-Landtagsabgeordneter und Ex-Gemeinderat Thomas Hölck, der im Publikum saß, ließ sich lautstark zu der Bemerkung hinreißen: „Damit wir dann alle einen Knicks machen? Was soll das denn?“ Auf Nachfrage bei Schölermann hat Prinz Carolath gestern grünes Licht gegeben.

In seinem Bericht hatte Sellmann den Ratsmitgliedern und etwa 20 Zuhörern mitgeteilt: „Jawohl, der Jahrmarkt findet nicht mehr an der alten Stelle statt.“ Diese Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. „Sie ist natürlich nicht von mir allein gefällt worden, sondern im Umlaufverfahren mit den Fraktionen von BfH und SPD.“ Diese Aussage entlockte Schölermann, der die Entscheidung öffentlich gemacht hatte (unsere Zeitung berichtete), einen lauten Lacher. Für die Ausgrenzung seiner Fraktion zeigte er kein Verständnis. Es gebe Entscheidungen, die schnell gefasst werden müssten. „Aber hier die CDU außen vor zu lassen, finde ich sowas von undemokratisch. Das habe ich noch nicht erlebt.“ Er bat um die Verlesung einer Eidesstattlichen Erklärung von Prinz Carolath durch Frank Wulff vom Amt Geest und Marsch Südholstein (Gums).

Wie es zu der Verlegungsidee gekommen ist, darüber sollte Wulff auf Bitten Sellmanns aufklären. Der Beamte schilderte, dass sich Prinz Carolath Ende September im Bürgerbüro erkundigt habe, ob der Jahrmarkt stattfinde, wie immer am letzten Oktoberwochenende. Er sei noch nicht gefragt worden, wie sonst jedes Jahr üblich. Wulff habe angeregt, dass Prinz Carolath Sellmann ansprechen solle. Das habe dieser abgelehnt. Und er habe darauf hingewiesen, dass Buden entfernt werden könnten. Darüber habe er den Bürgermeister informiert. Dieser habe daraufhin versucht, einen Plan für den Teil der Marktfläche zu entwerfen, der nicht in prinzlicher Obhut ist, sei aber gescheitert.

Nach dieser Schilderung räumte Bürgermeister Sellmann ein: „Ich habe vielleicht etwas zu schnell und zu viel reagiert.“ Und sagte den Gemeindevertretern zu, Prinz Carolath schriftlich am kommenden Tag zu fragen.

CDU-Vize-Fraktionschefin Dagmar Schmidt (Foto, parteilos), die neu im Rat ist, machte ihrer Empörung über Sellmanns Vorgehen Luft. „Gutes Miteinander sieht anders aus. Das ist unterirdisches Verhalten.“

SPD-Fraktionschef Boris Steuer wollte die Angelegenheit tiefer hängen: „Ich finde es lustig, dass wir uns stundenlang darüber unterhalten.“ Ein Gemeinderat müsse sich mit ernsthaften Themen befassen. „Wenn ich das draußen jemandem erzähle, lachen die sich tot.“ Dafür gab es Beifall aus dem Publikum.

Schmidt hatte dafür kein Verständnis: „Man kann doch den Traditionsjahrmarkt nicht auf einen Parkplatz abschieben“, sagte die Alt-Haseldorferin sichtlich bewegt. Ein Bürgermeister habe sein Dorf zu vertreten. Und legte nach: „Dieter bräuchte nur über seinen Schatten zu springen und es wäre gegessen.“ In diese Kerbe schlug auch ihr Fraktionskollege Thomas Körner. „Ich mag ja auch nicht jeden, aber dann schickt man jemand anderen“, sagte er.

Schmidt war mit der Ankündigung Sellmanns zufrieden. Sie lobte den Bürgermeister: „Ich finde es eine tolle Sache, dass Du eingelenkt hast.“

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