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Wedel-Schulauer Tageblatt

18. Oktober 2017 | 00:39 Uhr

Wedel : Ist das Kunst oder kann das weg?

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Jahrelang lagerten zwei Bronzeplastiken der Wedeler Künstlerin Vilma Lehrmann-Amschler auf dem städtischen Bauhof. Anscheinend seit Langem nicht mehr beachtet, denn hohes Gras hatte sie bereits umwachsen.

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erstellt am 16.Sep.2015 | 14:00 Uhr

Wedel | Kunst zwischen Baustoffen, Gerümpel und Abfall: Jahrelang lagerten zwei Bronzeplastiken der Wedeler Künstlerin Vilma Lehrmann-Amschler auf dem städtischen Bauhof. Anscheinend seit Langem nicht mehr beachtet, denn hohes Gras hatte sie bereits umwachsen. „Ich hab sie da ganz zufällig entdeckt“, erzählt Ute Wichmann. Die Wedelerin ist in der Gartengruppe der Flüchtlingshilfe aktiv, wollte vom Bauhof eigentlich nur einen Schlüssel abholen und sah die Plastiken unachtsam im Niemandsland abgestellt. Daneben: Steine, zu großen Blöcken zusammengebunden sowie andere Wert- und Abfallstoffe. Sicher standen die Kunstwerke dort nicht, so Wichmann: „Irgendwann sagt noch jemand, das ist Schrott, das kann weg“, fürchtete sie. Von den Mitarbeitern wusste niemand, welche Schätze unbemerkt im Bauhof lagern.

Wichmann ist entrüstet: „Ich finde das ungeheuerlich“, sagt sie. Sie ärgert sich darüber, wie achtlos mit den Werken der Künstlerin umgegangen wird, die der Stadt ihr Vermögen von einer Millionen D-Mark vermachte, damit von den Zinsen langfristig die Kultur in Wedel gefördert werden kann. Und handelte: Wichmann informierte den Stiftungsrat der Amschler-Stiftung über ihre Entdeckung.

Sabine Lüchau, Vorsitzende des Stiftungsrats, war ahnungslos bezüglich der Auslagerung. „Ich hab nicht gewusst, dass die beiden Figuren im Bauhof lagern“, bekennt sie auf Tageblatt-Nachfrage. Sie dachte, die Figurengruppen befänden sich im Keller des Rathauses, wo der Fundus von Lehrmann-Amschler untergebracht ist.

Die beiden wiedergefundenen Skulpturen heißen „Bockspringende Kinder“ und „Spielende Kinder“ und standen ursprünglich in der Moorwegschule im Innengarten, da wo jetzt die neue Aula ihren Platz hat, erklärt Schulleiterin Sabine Foßhag. Nachdem der Ganztagsbereich mit der Mensa eingeweiht war, begann 2009 die zweite große Umbauphase in der Schule mit dem Abriss der alten Aula, die den Innengarten umschloss. Zehn Monate später war die Überplanung des ehemaligen Standorts der Figuren abgeschlossen, doch noch kein neuer Standort für die schweren Bronzeplastiken gefunden.

Vilma Lehrmann-Amschler kam 1910 im heutigen Serbien zur Welt. Ihre künstlerische Ausbildung begann sie in Graz. 1930 wechselte sie nach Berlin, wo sie auch erste Aufträge bekam. Nach Kriegsende zog die Bildhauerin nach Rissen, 1948 weiter nach Wedel. 1989 starb Lehrmann-Amschler. Sie hinterließ der Stadt Kunstwerke und ihr Vermögen. Die Zinsen sollen Kultur in der Stadt fördern. Viele ihrer Plastiken und Reliefs sind vornehmlich in Wedel, Hamburg und Lübeck zu finden.

Die Suche sei schwierig, erklärt Voßhag. Die Figuren müssen draußen stehen, gut sichtbar, aber sicher vor Schülern, die Lust bekommen, darauf herumzuklettern. Zudem bräuchten sie ein Fundament, das wegen der vielen Baumwurzeln auf den Schulhöfen nicht überall eingelassen werden kann. „Ich möchte sie aber sehr gern wiederhaben“, betont die Schulleiterin.

Für die Wiederaufstellung der Plastiken ist das Gartenbauamt der Stadt verantwortlich. Auf Tageblatt-Nachfrage, wieso die Standortsuche so lange dauert, führt die Verwaltung fehlende Mittel im Haushalt 2011 für die Umgestaltung des Außenbereichs an. „Der Schulhofumbau wurde 2013 abgeschlossen“, so die Pressestelle. Noch nicht umgestaltete Flächen sollen 2017 bearbeitet werden.

Schulleiterin Voßhag hingegen ist zwischenzeitlich fündig geworden. Sie hat einen sicherheitstechnisch günstigen Standort im Schulbeet gefunden. „Der Auftrag wurde von Seiten der Stadt in der letzten Woche erteilt“, so die Pressestelle.

„Ich gebe zu, ich habe mich nicht darum gekümmert“, räumt Stiftungsrat-Vorsitzende Lüchau ein. Den Vorwurf, es werde sich nicht genug ums Erbe von Lehrmann-Amschler bemüht, wehrt Lüchau ab: „Ich hatte das Amt nicht von Beginn an inne, ich hab’s auch übernommen“, sagt sie und fügt an: „Wir haben versucht, uns um die Figuren zu kümmern.“  

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