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Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2017 | 16:46 Uhr

Irmgard Jasker - Pädagogin und Pazifistin

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erstellt am 14.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Wedel | Seit mehr als 40 Jahren bestimmt Irmgard Jasker in vielfältiger Weise das Leben in Wedel mit. Der Mehrzahl der Wedeler Bürger ist ihr Name ein fester Begriff.

Als Irmgard Krause wurde sie am 1. Mai 1944 in Danzig geboren. Ihr Vater Artur Krause war dort selbstständiger Schmiedemeister, ihre Mutter Emilie Hausfrau. Die zehn Jahre ältere Schwester Hildegard kam im April 1945 durch Tieffliegerbeschuss ums Leben. Der tragische Tod der Schwester bewirkte, dass Artur Krause mit seiner Familie über die Ostsee nach Dänemark flüchten konnte. Drei Jahre lang waren die Krauses im Lager Oksboel interniert. Irmgard war eines der wenigen kleinen Kinder, das dort überlebte. 1948 erhielt die Familie die Zuzugsgenehmigung nach Lübeck, wo Irmgard eingeschult wurde, die Otto-Anthes-Mittelschule besuchte und engagierte Lehrer hatte, die sie zum Gymnasium schickten. 1964 machte sie am Thomas-Mann-Gymnasium Abitur und ging zum Lehramtsstudium nach Kiel.

Ihren aktiven Schuldienst begann die junge Lehrerin 1967 in der dreiklassigen Landschule in Hemme in Norderdithmarschen. Seit dem Schuljahr 1968/69 waren die Schule ABC-Straße und ab 1975/76 die Theodor-Storm-Schule in Wedel ihre Dienststellen, bis sie 2007 als Schulleiterin pensioniert wurde.

Über Irmgard Jaskers schulische Tätigkeit kann hier nur sehr fragmentarisch berichtet werden: Sie selbst erzählt von den anfänglichen Hilfen für Migrantenkinder, von besonderen Klassen für sie und Schulaufgabenhilfen, von der anregenden Arbeit unter Schulleiter Wolfgang Schmidt und den vielen Veränderungen, die in der Hauptschule seit den 1970er Jahren vor sich gingen: Berufspraktika, Lehrstellensuche, Ganztagsschule, um nur einiges anzutippen. An allem war Irmgard Jasker immer aktiv beteiligt.

Das Familienleben - seit 1972 verheiratet mit Wolfram Jasker, zwei Söhne und eine Adoptivtochter - musste mit all ihren Aktivitäten in Einklang gebracht werden. Inzwischen sind alle Kinder verheiratet und haben den Großeltern drei Enkelkinder geschenkt.

Die Liste der ehrenamtlichen Betätigungen von Irmgard Jasker ist lang. Aus ihrer frühen Mitgliedschaft in der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) kamen Vorstand in Wedel, Eintreten für eine bessere Lehramtsausbildung, Seminarleiterin und Mentorin für Referendare. Seit 1970 arbeitete sie mit im DGB-Ortskartell Wedel, dessen Vorsitzende sie von 1997 bis 2005 war. Kirchenvorstand (Christuskirche Schulau in den 1980er Jahren), Chilekomitee (1974 bis 1999), Friedenswerkstatt (seit 1978) sind wichtige Inhalte ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Und die Friedenswerkstatt: Nachdem 1978 auf Kreisebene ein Zusammenschluss von Friedensfreunden stattgefunden hatte, wird 1980 in der Christuskir-chengemeinde Schulau die Friedenswerkstatt Wedel gegründet. Ihre Arbeit umfasst die Ostermärsche, Hiroshima-Mahnwachen, das Flüchtlingscafé, die Antikriegstage, Mahnwachen, Obdachlosen-Weihnachtsfeiern (seit 20 Jahren!), Infostände und Informationsveranstaltungen. Was hier als kurze Aufzählung erscheint, beinhaltet ein Arbeitsvolumen von größtem Umfang, immer in Solidarität zu Schwächeren, zu Menschen, die Hilfe brauchen, in Mahnung um friedliches Zusammenleben und Eintreten für Menschenwürde und unver-zichtbare Werte.

Irmgard Jasker erklärt ihr Engagement mit ihren frühkindlichen Kriegserfahrungen und dem Wunsch nach Frieden und Freiheit für alle Menschen. So hat sie dafür gesorgt, dass die Stadt Wedel für ihr Engagement für Menschen aus anderen Ländern im Mai 1990 als "Welt-offene Gemeinde" ausgezeichnet wurde.


2003 erhielt Jasker die Ehrennadel Wedels

Im Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus und Aus-länderfeindlichkeit, den der Rat der Stadt auf Bestreben der Friedenswerkstatt gegründet hatte, werden bis heute Aktivitäten zum 27. Januar (Holocaust-Gedenktag), zum Andenken an die in Wedel umgekommenen Opfer des NS Regimes und Aufklärung über rechtsradikale Gefahr geleistet.

Im Jahr 2003 verleiht die Stadt Wedel Irmgard Jasker die Ehrennadel in Anerkennung ihres unermüdlichen Einsatzes für die Menschen in Wedel. Die "Blumen für Gudendorf" möchte Irmgard Jasker bekannt machen. Seit 1983 ist sie an der Arbeit für die Gedenkstätte in Gudendorf/Dithmarschen aktiv beteiligt. Wer weiß schon von den Hunderten von Toten, die in der Zeit des Faschismus in Schleswig-Holstein umgekommen sind und in den damaligen Dünen von Gudendorf verscharrt wurden.

Die Arbeitslosen-Selbsthilfe Wedel, in den letzten Jahren schwer gebeutelt vom Finanzamt, profitierte lange vom Jaskers Vorstandsarbeit und noch heute von ihren wöchentlichen Kochkünsten. Ebenso muss ihre seit 2005 wöchentliche Arbeit im Betreuungscafe der Wedeler Tafel genannt werden. Jasker ist von unglaublichem Einsatz, dabei von großer Bescheidenheit und immer freundlichem Wesen geprägt. Sie hat sich in vielen Jahren um das Wohl ihrer Wedeler Mitbürger verdient gemacht. Lobesreden auf ihre Person mag sie gar nicht. Es soll nichts an die "große Glocke" gehängt werden.

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