Ex-Jet-Tankstellen-Areal in Wedel : Investor plant 100 neue Wohnungen

Das 5700-Quadratmeter-Grundstück direkt an der Einfahrt zum famila-Fachmarktzentrum, das bebaut werden soll, markiert den Übergang von Gewerbe- zur Wohnbebauung am Ortseingang aus Richtung Hamburg.
Das 5700-Quadratmeter-Grundstück direkt an der Einfahrt zum famila-Fachmarktzentrum, das bebaut werden soll, markiert den Übergang von Gewerbe- zur Wohnbebauung am Ortseingang aus Richtung Hamburg.

Hatten Architekten vor drei Jahren noch 13- bis 14-stöckige Hochhäuser gezeichnet, so ist jetzt von vier bis fünf Geschossen plus Staffel die Rede.

shz.de von
10. Juli 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Dieses Projekt könnte für ein wenig Entspannung auf Wedels notorisch engem Mietwohnungsmarkt sorgen: Hinter verschlossenen Türen hat ein Investor neue Pläne für die Bebauung des ehemaligen Jet-Tankstellen-Grundstücks an der Bundesstraße 431 vorgestellt. Ziel der Projektplaner ist, neben einem kleinen Teil an Gewerbeflächen vor allem Wohnraum zu realisieren. Rund 100 Wohnungen sehen die aktuellen Konzepte vor.

Nach Tageblatt-Informationen sind zwei bis drei Komplexe für das Areal in der Rissener Straße 99-101 zwischen Bundesstraße und S1-Trasse vorgesehen. Im Vergleich zu einem Mitte 2012 vorgestellten ersten Konzept liegt nun eine deutlich moderatere Planung vor, was die Gebäudehöhen angeht.

Hatten Architekten vor drei Jahren noch 13- bis 14-stöckige Hochhäuser gezeichnet, so ist jetzt von vier bis fünf Geschossen plus Staffel die Rede. Und auch der Entree-Situation will man Rechnung tragen. Das 5700-Quadratmeter-Grundstück direkt an der Einfahrt zum famila-Fachmarktzentrum markiert den Übergang von Gewerbe- zur Wohnbebauung am Ortseingang aus Richtung Hamburg. Dieser besonderen Lage soll die Architektur gerecht werden.

Ob sie dies tatsächlich tut, das wollte Wedels SPD nicht allein entscheiden. Die Sozialdemokraten beantragten daher, einen mobilen Gestaltungsbeirat mit der Beurteilung der Entwürfe zu beauftragen. Auch um Erfahrung mit einem solchen Gremium zu sammeln. Der Antrag fand keine Mehrheit.

Abfuhr für einen Gestaltungsbeirat

Ein Bauvorhaben am markanten Übergang von Gewerbe- zu Wohnflächen am Ortseingang aus Richtung Hamburg. „Ein Projekt an herausragender Stelle für die Zukunft Wedels“, heißt es von Seiten der SPD zu den Wohnungsbau-Plänen, die ein Investor für das ehemalige Jet-Tankstellen-Areal in der Rissener Straße 99  -  101 vorgestellt hat. Es geht um rund 100 Wohneinheiten und ein architektonisches Entree, weshalb die Sozialdemokraten sagen: „Bei solch einer wichtigen Entscheidung sollten wir uns nicht unserem laienhaften Bauchgefühl folgen.“ Sie wollen eine fachmännische Beratung, wie sie der „mobile Gestaltungsbeirat “ der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein anbietet. Einen entsprechenden Antrag legte die SPD jetzt im Planungsausschuss vor – und scheiterte durch die Nein-Stimmen von CDU, Grünen und WSI.

Es war der zweite Anlauf der SPD, die vor wenigen Jahren bereits versucht hatte, einen Beirat zur Bewertung architektonischer Fragen bei Bauvorhaben in Wedel als festes Gremium zu installieren. Auch weil die Kritiker die Kosten scheuten. SPD-Ratsherr Manfred Eichhorn hatte daher die Light-Version eines solchen Experten-Ausschusses bereits mit einem Preisschild versehen: Nach Auskunft der Architektenkammer seien 82,50 Euro pro Stunde plus Fahrtkosten fällig. Bei zwei Fachleuten und einmaliger Sitzung wären damit etwa 500 bis 600 Euro fällig, so der Sozialdemokrat.

„Am Ende müssen trotzdem wir entscheiden.“

Dies sei die minimalistische Form eines Gestaltungsbeirats, den die FDP bereits im ersten Anlauf grundsätzlich unterstützenswert fand, so Martin Schumacher, planungspolitischer Sprecher der Liberalen – Zustimmung. Für die Linke signalisierte Dieter Strüven ebenfalls ein Ja, wollte jedoch die Kosten deckeln. Dazu kam es nicht.

Zwar zweifelte CDU-Vertreter Jörg Keller Eichhorns Kostenrechnung als „Schönrederei“ an und verlangte, ein „vernünftiges Angebot einzuholen“. Dies sei jedoch nicht das Kernthema der Kritik, so Kellers Parteifreund und Ausschussvorsitzender Michael Schernikau. Tatsächlich halte seine Partei die Einsetzung eines solchen Gremiums trotz „erstaunlich günstiger Kosten“ für das konkrete Projekt auf dem alten Tankstellen-Areal für nicht notwendig.

Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke erklärte das Nein seiner Partei mit einem grundsätzlichen Problem: Was die Politik bekomme, sei ein subjektiver Blick von zwei Menschen auf ein Bauprojekt. „Am Ende müssen trotzdem wir entscheiden“, sagte Wuttke. So argumentierte auch WSI-Fraktionschef Joachim Funck. Eichhorn dagegen warb noch einmal dafür, einen Versuch zu starten, „um einmal Erfahrungen mit einem solchen Beirat zu sammeln“. Vergebens.

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