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Theaterschiff Batavia : „Integration ist unser aller Döner!“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Comedian Muhsin Omurca lud zum Integrationskursus „a la IKEA“.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 12:35 Uhr

Wedel | Sollte Integration in Deutschland wirklich irgendwann einmal flächendeckend und lückenlos gelingen, bliebe für den deutsch-türkischen Kabarettisten und Cartoonisten Muhsin Omurca immer noch eine wichtige Frage offen: „Was passiert dann bitteschön mit den rund 600 000 Sozialarbeitern und Integrationsbeauftragten hierzulande“?

„Arbeitslos!“, rief einer der rund 100 Gäste dem plietschen Comedian entgegen, welcher mit seinem neuesten Programm unter dem Titel „Integration a la IKEA“ auf dem Theaterschiff Batavia vor Anker gegangen war. Und damit den krönenden Abschluss des 24. Kleinkunstfestivals auf dem urigen Kulturdampfer bildete.

Auch Batavia-Käpitän Hannes Grabau machte in einer kleinen Ansprache keinen Hehl daraus, wie froh er sei, Omurca für einen Auftritt auf seinem Schiff gewonnen zu haben. Immerhin sei dieser Künstler ein Weltreisender, der zuletzt in Japan und auch auf der französischen Südseeinsel La Réunion Station gemacht hat.

Doch: Auch in der Türkei? „Nein nein, ihr wisst schon warum!“, schüttelte der Comedian den Kopf nur hin und her, ehe er mit seinen Gästen auf Tauchgang ging. In die Untiefen der „Integrations-Industrie“, die unlängst auf dem kalten Fuß erwischt und dadurch geradezu gelähmt worden sei. Schließlich komme ja nun jeder nach Deutschland. „Die Syrer und auch die getürkten Syrer. Selbst Vietnamesen und Kongolesen wollen plötzlich Syrer sein“, frotzelte Omurca, der für die allgemeine Dunkelheit ein Licht am Ende des Tunnels parat hielt. Er versprach, dass nicht noch einmal ganz von vorne begonnen werden müsse.

„Denn wofür sind die Türken da? Ihre 40 Jahre währenden Integrationsexperimente haben Spuren hinterlassen. Jetzt schlägt ihre Stunde, dank ihrer Erfahrungen – Integration ist unser aller Döner!“, mahnte der Protagonist dazu, die „ewigen Integrationsfahrschüler Deutschlands“ nicht länger zu unterschätzen. Anhand von etlichen selbst gemalten und auf Leinwand projizierten Cartoons präsentierte Omurca die Renaissance verkannter türkische Eigenschaften wie dem Pragmatismus und Erfindergeist.

Sie reichten vom abgeschnittenen Kondom für Beschnittene über den Aschenbecher mit Gürtelclip bis hin zum „Islamtandem“ und der Yogamatte neben dem Gebetsteppich. Warum gäbe es für den Nachwuchs immer nur Stoffteddys und nicht mal zwei niedliche Kuscheltürken als Puppen geschenkt?

Einfache Zeichnungen, überwiegend im Stile der Aufbauanleitung von IKEA-Möbeln gehalten, ließen schließlich des großen Rätsels Lösung am Horizont erkennen. „Diese Form der Anleitung wird praktisch auf der ganzen Welt verstanden. Das muss doch ein Vorbild für den Bereich der Integration sein“, so der einst von Dieter Hildebrandt entdeckte Kabarettist, welcher am Ende zu einem bislang völlig unbekannten Ergebnis kam.

„Schon Adam und Eva waren wohl Türken. Schließlich trugen sie Feigen- und keine Eichenblätter vor ihren sanitären Anlagen. Deutsche hätten sich außerdem strikt an das Gesetz gehalten und das Verbot des Apfelessens konsequent befolgt“, gab Omurca vor seinen bestens unterhaltenen Zuhörern noch mal zum Besten. Und erntete schließlich tosenden, lang anhaltenden Applaus.

„Super. Sehr vielfältig was Omurca brachte. Und jeder hat hier mal sein Fett weg bekommen“, lobten Aras und Nee Deniz aus Pinneberg den Auftritt des schlagfertigen Förderpreisträgers der Kunststiftung Baden-Württemberg.

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