„Willkommenskultur erhalten“ : Info-Abend zum Thema „Flüchtlinge in Wedel“ stößt auf große Resonanz

Rund 150 Besucher drängelten sich im Jugendhaus der Christuskirche.
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Rund 150 Besucher drängelten sich im Jugendhaus der Christuskirche.

150 Besucher: Zuteilung zu Wedel ist ein „Glücksfall“.

shz.de von
11. Juli 2015, 15:00 Uhr

Wedel | „Flüchtlinge in Wedel. Ursachen – Wirkung – Wege“: Ein Info-Abend, mit dem das Bündnis „Weltoffene Gemeinde Wedel“ für einen Riesenandrang im Jugendhaus der Christuskirche sorgte. Rund 150 Besucher konnte Hüseyin Inak begrüßen. Der Kurde, der seit 35 Jahren in Wedel lebt und seit 14 Jahren den „Wedeler Friedenscup“ mitorganisiert, hatte das Bündnis wie auch den Abend mit initiiert.

Wie ergeht es Flüchtlingen nach ihrer Ankunft in Deutschland? Woher kommen sie? Wie alt sind sie, und warum sind sie überhaupt zu uns gekommen? Fragen, die nicht nur von sachkundigen Gästen wie dem schleswig-holsteinischen Flüchtlingsbeauftragten Stefan Schmidt, sondern auch von Migranten selbst beantwortet wurden. Darüber hinaus hatte Wedels Bauamtsleiter Klaus Lieberknecht erste Skizzen der geplanten Flüchtlingsunterkunft an der Ecke Feldstraße / Rudolf-Breitscheid-Straße mit einer Aufnahmekapazität von bis zu 50 Menschen mitgebracht. Zudem konnte er bekannt geben, dass beim Bau der zweigeschossigen, mit Laubengängen verbundenen dreiteiligen Wohnanlage mit kleinem Spielplatz weder Eichen noch Bunker oder Trafo weichen müssten.

„Grundsätzlich müssen wir festhalten, dass es sich bei den meisten Menschen, die zu uns kommen, um Kriegsflüchtlinge jüngeren Semesters handelt. Für ihre oftmals letzte Chance, in Frieden weiterexistieren zu können und ihrem Leben eine Perspektive zu geben, setzen sie selbiges bei ihren gefährlichen Anreisen aufs Spiel“, erklärte Schmidt. Er selbst bewahrte 2009 als Kapitän der „Cap Anamur“ 37 afrikanische Flüchtlinge vor dem Ertrinken auf dem Mittelmeer und musste sich dafür bekanntermaßen in einem jahrelangen Prozess vor italienischer Justiz verantworten. „Konkret sagen viele, dass sie nur diese Chance haben und lieber sterben würden, als weiter in ihren Herkunftsländern leben zu müssen“, so Schmidt.

Ludger Fischer vom Diakonieverein Migration Pinneberg erklärte die konkreten Abläufe nach der Ankunft eines Flüchtlings in Schleswig-Holstein. Er stufte eine etwaige Zuteilung zu Wedel als kleinen Glücksfall. So herrsche laut Fischer in der Rolandstadt schon eine besondere Willkommenskultur, die erhalten werden müsse. Es gebe viele Menschen, die sich für das Wohlergehen der Flüchtlinge interessieren und engagieren.

„Ich danke den Menschen hier für all die Unterstützung“

Worte, die von Zoe Yaskey (35) aus Liberia genauso wie von Sherin (15) und Bruder Sherwan (17) Abdo aus Syrien bestätigt wurden. Während Yaskey bereits vor zwölf Jahren aufgrund des Bürgerkriegs nach Wedel kam, sind die Abdos zusammen mit ihrer Mutter und zwei weiteren Geschwistern erst zu Jahresbeginn aus Neumünster über Elmshorn in der Rolandstadt angekommen. Dort gehen sie zur Schule und besuchen Sprachkurse, bevor sie am Nachmittag in Wedeler Vereinen leidenschaftlich gerne Volley- oder Basketball spielen.

„Ich danke den Menschen hier für all die Unterstützung, die Nähe und herzliche Wärme, die ich in den letzten Jahren erhalten habe. So konnte ich meinen Weg gehen, mich integrieren. Und bin stolz auf mich, nun beide Füßen auf dem Boden zu haben“, so die angehende Erzieherin Yaskey vor applaudierendem Publikum. Für Ergriffenheit sorgte die Schilderung von Maria aus Guinea, die vom „Haus der Schreie“ berichtete. Einem „Beschneidungszentrum“, aus dem nur gut die Hälfte der dort hinein geschickten Mädchen wieder lebend heraus komme.

Der Hinweis darauf, dass Unterzeichner des Bürgerbegehrens zum Erhalt der Grünfläche, auf der das Heim entstehen soll, ihre Stimme schriftlich zurück nehmen könnten, und eine bessere Organisation der Sachspenden-Verteilung bestimmte die anschließende Diskussion. Ebenso die kritische Nachfrage, warum nicht der Standort Steinberg, für den es bereits private Investoren gebe, für die geplante Unterkunft bevorzugt würde. „Weil fest davon ausgegangen werden muss, dass wir für die Zukunft nicht nur eine Flüchtlingsunterkunft, sondern vielleicht drei oder vier benötigen“, entgegnete Heidi Keck vom SPD-Kreisvorstand.
 

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