Kunst aus Schenefeld in Wedel : Industrieanlagen geben Inspiration

„Dieses Bild bin ich“: Bärbel Wieruch neben ihrem Gemälde „Hafencity“.
„Dieses Bild bin ich“: Bärbel Wieruch neben ihrem Gemälde „Hafencity“.

Geometrisch strenge Bilder voller Spannung: Die Schenefelderin Bärbel Wieruch stellt im Reepschlägerhaus aus.

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06. Juni 2015, 10:00 Uhr

Wedel | „Glas – Stahl – Stein“ heißt die aktuelle Ausstellung im Reepschlägerhaus, bei deren Vernissage sich die Besucher in dem sonst so anheimelnden alten Bauwerk fast so eingezwängt vorkamen wie in einer Sardinenbüchse, so viele Fans der Malerin Bärbel Wieruch füllten den Raum. Doch bot der in vielen Farben blühende Garten des Museums an diesem lauschigen Abend nach dem Ende der offiziellen Reden umso behaglichere Winkel, um das künstlerische Ereignis und dazu die kulinarischen Spezialitäten des Hauses wie Griebenschmalzbrot zum Tee oder Wein in Ruhe zu genießen.

Der Gegensatz zwischen draußen und drinnen war auch optisch voller Dramatik: hier die opulente Formenvielfalt der Natur, dort der streng geometrische Aufbau der Bilder einer Malerin, die ihre berufliche Vergangenheit als technische Zeichnerin ganz und gar nicht verleugnet. Industrieanlagen dienen ihr oft als Inspiration, das Altonaer Gaswerk zum Beispiel, oder kahle Treppenhäuser und davon dann oft nur ein ganz kleiner Ausschnitt, ein paar Rohre, Stufen, Bretter. Manche sind einfach nur grau und vielleicht genau deshalb voller Spannung.

Sie fotografiere ihre Motive zuerst, erläuterte Wieruch, und nehme danach auch wiederum nur ein Segment des Fotos als Vorlage für ihr Gemälde. Ein paar großflächige Bilder sind allerdings auch dabei: etwa die „Hafencity“. „Dieses Bild bin ich“, verrät die Künstlerin. Es vereinigt die geometrische Strenge der Form mit subtilen Farbübergängen. So entstehen verblüffende Stimmungen.

Bis zur Ankunft der ersten Gäste war der Malerin durchaus ein wenig Nervosität anzumerken. Der unerwartet große Andrang, die nicht abreißen wollenden herzlichen Umarmungen, dazu von allen Seiten Blumen, Schokolade und sonstige Geschenke tauchten sie aber sehr bald in ein Meer von Freude und Glück.

Bernd Vorwerk, Kassenwart des Förderkreises Reepschlägerhaus, musste sich erst mühselig gegen all die lautstarke Wiedersehensfreude der Kunstfans durchsetzen, ehe er seine Begrüßungsansprache loswerden konnte. Unversehens trat er dabei den zahlreichen Besuchern aus Schenefeld auf die Füße, als er behauptete, die dort lebende und arbeitende Malerin sei „weit über das Dorf hinaus“ bekannt. „Welches Dorf?“ fragten Lokalpatrioten aus der Nachbarstadt an der Düpenau süffisant zurück.

Uschi Wientapper vom Kunstkreis Schenefeld hielt die Laudatio und gab das Mikrofon weiter an Angelika Rudolph, die den offiziellen Teil der Vernissage mit einer Lesung abschloss. Ihr Text stellte Aspekte der Hansestadt Hamburg vor.

Die Ausstellung „Glas – Stahl – Stein“ im Reepschlägerhaus, Schauenburger Straße 4, läuft bis zum 6. Juli. Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 16 – 22 Uhr, Sonnabend und Sonntag 15 – 22 Uhr.
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