Weniger Müll : In Wedel getestet: Wieviel plastikfrei geht im Alltag?

Mit Brotdose und Stückseife: Simone Zippel tastet sich vor und versucht, generell Müll zu vermeiden.

Mit Brotdose und Stückseife: Simone Zippel tastet sich vor und versucht, generell Müll zu vermeiden.

Klimamanagerin Simone Zippel zieht vier Monate nach dem Selbstversuch Bilanz. Plastikreduziert statt Zero Waste.

shz.de von
24. Mai 2018, 12:00 Uhr

Wedel | Auf dem Schreibtisch stehen eine Trinkflasche und eine Brotdose aus Edelstahl, Wattestäbchen aus Bambus und Baumwolle, ein Seifenblock in Papier eingeschlagen, eine Deodorantcreme im Blechtiegel, biologisch abbaubare Frischhaltefolie und ein Jutesack voller bunter Obst- und Gemüseteile. Simone Zippel hat sich auf das Gespräch vorbereitet. Im Januar hatte Wedels Klimaschutzmanagerin für zwei Wochen einen Blog eingerichtet, in dem sie über die Höhen und Tiefen ihres Selbstversuchs, plastikfrei beziehungsweise plastikreduziert Leben zu wollen, berichtete. Nach vier Monaten fragen wir nach. Was ist aus dem ambitionierten Projekt geworden? Wie viel Plastikvermeidung konnte Zippel in ihren Alltag hinüberretten? Ist ihr Leben durch ihren ehrgeizigen Anspruch an sich selbst anstrengender geworden?

Kein Obst und Gemüse mehr in Plastik

„Ich kann kein Obst und Gemüse mehr in Plastikverpackung kaufen. Dagegen habe ich einen Widerwillen entwickelt“, sagt sie und lacht. Um nicht doch aus einer Notsituation heraus auf verschweißtes Gemüse zurückgreifen zu müssen, hat Zippel ihr Einkaufsverhalten umgestellt, neu organisiert und besser strukturiert. Immer am gleichen Tag in der Woche nimmt sich die Hamburgerin jetzt Zeit und kauft in ihrer Nähe in einem Obst- und Gemüseladen ein. Die Euphorie über den Unverpackt-Laden in Hamburg-Ottensen, in dem man vom Waschmittel über Cerealien bis hin zur Schokolade alles lose einkaufen kann, ist dagegen Ernüchterung gewichen. „Das Geschäft ist zu weit weg. Ich hab da keine Routine rein bekommen“, gibt Zippel ehrlich zu. Wenn solch ein Laden in ihrer Nähe neu aufmacht, will sie es aber gern wieder versuchen.

Sie habe nicht alles einhalten können, was sie in den zwei Januar-Wochen ausprobiert hat, räumt Wedels Klimaschutzmanagerin freimütig ein. Wenn sie Kaffee und Espresso kaufe, sei der immer noch in Alu mit Plastikdeckel oder in laminiertem Papier verpackt. Doch Zippel ist da durchaus nachsichtig mit sich selbst. „Ich bin für einen bewussten Umgang mit Müll, aber gegen Radikalität“, erläutert sie. Sie habe großen Respekt vor denen, die das total durchziehen, versichert sie, stellt aber auch selbstbewusst klar: „Der Typ bin ich nicht.“

Langsam herantasten

Schon in ihrem Blog gab Zippel zu, dass die Forderung nach Plastikvermeidung in Verbindung mit Kosmetik ihr Pferdefuß sei. Von einmal für gut befundenen Cremes und Kosmetika könne sie sich nur schwer trennen. Aber auch auf diesem Feld hat sich die Aktivistin weiterentwickelt. „Ich taste mich langsam heran, ich probier aus“, sagt sie bescheiden. Flüssigseife hat Zippel immerhin schon mal durch Stückseife ersetzt. Zudem fand sie ein All-in-one-Präparat, das für Haare und Körper gleichermaßen geeignet ist. Statt Deodose steht jetzt eine Deocreme verwahrt in einer Blechdose auf ihrem Regal. Die sei darüber hinaus super ergiebig, schwärmt Zippel.

Die Klimaschutzmanagerin will nicht nur Plastik, sondern Müll generell vermeiden. „Ich verteufel Kunststoff nicht, es ist ein tolles Produkt. Aber man muss es intelligent nutzen.“ Generell stört sich Zippel an der allgemeinen Wegwerfmentalität. „Einmal benutzen und wegschmeißen: Nichts ist fataler“, sagt sie. Den Coffe-to-Go-Becher hat die Klimaschützerin deswegen schon lange aus ihrem Leben verbannt. Auch wenn es ihr, besonders auf langen Bahnfahrten, sehr schwer fällt, wie sie zugibt.

„Es kommt immer mehr hinzu“, resümiert sie zufrieden. Nach den zwei Wochen im Januar sei sie erstmal erschlagen gewesen. „Aber das Thema interessiert mich nach wie vor – und sogar immer mehr“, sagt Zippel und lacht.

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