Naturschutz : Im Wedeler Rosengarten erhalten Dohlen ihren „Personalausweis“

<p>Die Dohle hat es scheinbar auf die Finger von Marco Sommerfeld, Leiter der Carl-Zeiss-Vogelstation, abgesehen.</p>
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Die Dohle hat es scheinbar auf die Finger von Marco Sommerfeld, Leiter der Carl-Zeiss-Vogelstation, abgesehen.

Der Nabu beringt Dohlen-Jungtiere auf dem Möller-Gelände. Durch die Ringe können die Tiere besser zugeordnet werden.

shz.de von
31. Mai 2018, 12:50 Uhr

Wedel | „Dohlen sind ganz umgänglich und friedlich“, sagte Marco Sommerfeld Mittwoch während er das elfte von zwölf Jungtieren aus den vier Nistkisten fischte. Doch kaum war die Dohle draußen, strafte sie den Leiter der Carl-Zeiss-Vogelstation Lügen, ließ das typisch metallische Krächzen erklingen und versuchte, in Sommerfelds Finger zu beißen. „Kaum lobe ich sie, zeigen sie ein anderes Gesicht“, sagte Sommerfeld lachend und ergänzte: „Das ist aber süß und nichts im Vergleich, wenn man mal eine Blaumeise in der Hand hält. Die hakt auf alles ein.“

Unter dem Dach des Möller-Gebäudes hatte der Naturschutzbund (Nabu) Mittwoch den Arbeitsplatz für Andreas Zours, ausgebildeter Vogelberinger der Vogelwarte Helgoland, eingerichtet. Die Jungtiere in den vier auf dem Gelände positionierten Dohlen-Nistkästen werden markiert, um ihre Bewegungsprofile zu bestimmen und auch mehr darüber zu erfahren, wie alt die Tiere werden. „Wir sind im Jahr 2013 darauf aufmerksam gemacht worden, dass auf dem Möller-Gelände Dohlen nisten. Das Unternehmen hat uns sofort erlaubt, Dohlenkästen anzubringen“, sagte Sommerfeld. An einem Freitag vor fünf Jahren seien die Nistkästen aufgehängt worden. Bereits einen Tag später bezog das erste Brutpaar eine der Unterkünfte. In diesem Jahr wurden – wie schon im Vorjahr – alle Nistkästen belegt. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Sommerfeld. Waren es im Vorjahr noch acht Jungtiere, sind es in diesem Jahr bereits zwölf.

Soziale Rabenvögel

„Die Vögel geben bei meiner Arbeit das Tempo vor. Es gibt keinen Zwang. Wenn der Vogel sich wehrt, muss ich warten, bis ich ihn sicher greifen kann“, erläuterte Zours. Zwischen 14 und 26 Tage sind die Dohlen alt, die gestern ihren Erkennungsring bekamen. Außer einer Farbkodierung erhielten die Jungtiere einen Metallring. „Der ist in der Natur schwerer zu erkennen, aber das ist wie der Personalausweis der Dohle“, sagte Sommerfeld. Vier Buchstaben stehen auf den Ringen, um die Tiere entsprechend zuordnen zu können. „Vier der acht im letzten Jahr markierten Tiere haben wir bereits in der Natur gesehen. Drei Geschwister wurden zusammen im Autal fotografiert“, sagte Sommerfeld.

Dohlen gelten als soziale Rabenvögel. „Wenn der Nachwuchs ausfliegt, helfen die Jungtiere im kommenden Jahr teilweise sogar beim Füttern“, erläuterte Sommerfeld. Oftmals würden die gleichen Brutplätze gewählt. „Dohlen sind reviertreu“, präzisierte er. Selbst wenn Brutplätze verschwinden, würden die Tiere diese immer wieder anfliegen. In Wedel soll es 45 Brutpaare geben, in Schleswig-Holstein etwa 8000. „Besonders gern brüten sie in Schornsteinen“, erläutert Sommerfeld. Auch alte Kirchtürme und Baumhöhlen seien beliebt. Doch würden immer mehr Schornsteine verschwinden, Kirchtürme zum Schutz vor Tauben geschlossen und alte Bäume abgeholzt. „Mit den Nistkästen wollen wir helfen, die Population stabil zu halten.“ In den vergangenen Tagen hat Sommerfeld unter anderem an Hamburger Kirchen Dohlen-Nistkästen aufgehängt. „Wer die Tiere unterstützen will, kann die Kästen auch im eigenen Garten unterbringen.“

Selbstständige Jungtiere

Etwa 20 Tage währt die Brut. Bis die Dohlen das Nest verlassen, dauert es etwa 35 Tage. „Die Eltern füttern irgendwann einfach zwei Tage nicht. Das ist Anreiz genug, das Nest zu verlassen“, erläuterte Zours. Die Dohlen sind also bereits flügge, wenn sie das Nest verlassen. „Bei anderen Vogelarten wie Amseln oder Krähen sind die Jungtiere bereits unterwegs bevor sie flügge sind. Wir bekommen dann regelmäßig Anrufe. Da sollte man sich aber keine Sorgen machen. Die Eltern sitzen meist in der Nähe und beobachten genau, was passiert“, erläuterte Sommerfeld.

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